Kriegsgerät wird zur bunten Friedensbotschaft: Ein Künstler verwandelt Waffen in Kunst
Der Künstler Ralph Ziman schafft aus zerstörerischen Kriegswaffen farbenfrohe Kunstwerke. Mit Millionen von Perlen verziert er Gewehre, Panzerfahrzeuge und sogar einen kompletten Kampfjet, um damit gegen Gewalt und für den Frieden zu protestieren. "Ich wünschte, es gäbe keine Waffen auf der Welt", erklärt Ziman im Interview. "Wir bräuchten mehr Kunst statt Krieg."
Vom Maschinengewehr zum Kampfjet: Die Entwicklung der Perlenkunst
Alles begann vor etwa zehn Jahren mit der AK-47, dem weltweit meistverkauften Maschinengewehr. Ziman und sein Team bauten Dutzende Nachbildungen dieser Waffe, indem sie Perlen auf Drahtrahmen fädelten. Darauf folgten ein Panzerfahrzeug und schließlich das bisher größte Projekt: ein Überschall-Kampfjet.
Das Flugzeugprojekt stellte alle bisherigen Arbeiten in den Schatten:
- Das Kunstwerk ist 15 Meter lang und 7 Meter breit - größer als ein Linienbus
- Für die vollständige Verzierung innen und außen benötigte das Team über fünf Jahre
- Insgesamt wurden etwa 35 Millionen Perlen verbaut
- Jede einzelne Perle wurde von Hand aufgefädelt
Internationale Zusammenarbeit: Traditionelles Handwerk aus Südafrika
Die aufwendige Perlenarbeit erfolgte in enger Zusammenarbeit mit südafrikanischen Kunsthandwerkerinnen. Nachdem Zimans Team im Inneren des Flugzeugs Muster mit farbigem Klebeband entworfen hatte, wurden die Vorlagen nach Südafrika geschickt. Dort fädelten die Handwerkerinnen die Perlen nach traditioneller Art auf Baumwollfäden und Draht. Die fertigen Perlenarbeiten kehrten dann zurück zum Jet, wo sie sorgfältig angebracht wurden.
"Bei jeder Perlenlieferung aus Südafrika war ich aufgeregt und voller Vorfreude", erinnert sich Ziman. "Anfangs wusste ich noch nicht, wie aufwendig dieses Projekt werden würde."
Persönliche Motivation: Von Südafrika nach Los Angeles
Zimans Leidenschaft für Perlenkunst wurzelt in seiner Kindheit in Südafrika. Dort erlebte er die Apartheid-Zeit mit ihren rassistischen Trennungsschildern und allgegenwärtiger Gewalt. Eine persönliche Begegnung mit einer Waffe im Alter von 14 Jahren bestärkte ihn in seinem Entschluss, gegen Gewalt zu kämpfen.
Heute lebt der Künstler in Los Angeles und kritisiert die liberale Waffengesetzgebung in Teilen der USA. "In Teilen der USA kann man ohne Waffenschein eine Pistole kaufen. Das finde ich falsch", sagt Ziman. Seine Kunst versteht er daher als politischen Protest: "Ich mache aus zerstörerischen Objekten etwas Buntes, Fröhliches."
Ausstellung und Zukunft: Der Jet im Museum
Der vollständig mit Perlen verzierte Kampfjet ist heute im Museum of Flight in Seattle ausgestellt. Ein US-amerikanisches Unternehmen, das Militärgerät liefert, hatte dem Künstler ein nicht mehr funktionstüchtiges Flugzeug für das Projekt gespendet.
Ziman betont, dass der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Rassismus nie aufhören darf. "Menschen werden ausgegrenzt, weil sie eine andere Hautfarbe haben, einen Menschen des gleichen Geschlechts lieben oder eine religiöse Kopfbedeckung tragen. Ich werde das nie verstehen", erklärt der Künstler. Seine farbenfrohen Waffen-Kunstwerke bleiben sein Beitrag zu dieser wichtigen gesellschaftlichen Debatte.



