Marina Abramović: Späte sexuelle Erfüllung und der Traum von Unsterblichkeit
Die weltberühmte Performance-Künstlerin Marina Abramović hat in einem exklusiven Gespräch mit dem SPIEGEL offen über ihre persönliche Entwicklung gesprochen. Trotz jahrzehntelanger Arbeit mit ihrem eigenen Körper als künstlerischem Medium gesteht sie, dass sie die Freuden ihres Körpers erst in späteren Jahren vollständig genießen konnte.
Erotik und Selbstakzeptanz im fortgeschrittenen Alter
»Sexuell habe ich jetzt die Zeit meines Lebens«, verrät Abramović und betont damit eine überraschende Wendung in ihrer Biografie. Die Künstlerin, die durch extreme Performances wie „The Artist is Present“ internationale Anerkennung erlangte, beschreibt, wie sie im Alter zu einer sanfteren Haltung sich selbst gegenüber gefunden hat. »Ich möchte sanft zu mir selbst werden«, erklärt sie und verweist auf einen Prozess der Selbstakzeptanz, der erst nach Jahren der körperlichen Grenzerfahrungen möglich wurde.
Ihre Reflexionen über Liebe und Erotik im Alter werfen ein neues Licht auf das Thema Sexualität jenseits der Jugend. Abramović argumentiert, dass wahre Leidenschaft und Intimität oft mit Lebenserfahrung und persönlichem Wachstum einhergehen, was sie in ihrer aktuellen Lebensphase besonders schätzt.
Der Wunsch nach künstlerischer Unsterblichkeit
Neben den persönlichen Enthüllungen spricht die Künstlerin auch über ihren tiefgreifenden Wunsch nach Unsterblichkeit. Nicht im biologischen Sinne, sondern als Fortführung ihres künstlerischen Erbes. Abramović, die stets die Grenzen von Kunst und Leben ausgelotet hat, sieht in der Nachhaltigkeit ihrer Werke eine Form der Ewigkeit.
Ihre Performances, oft geprägt von Schmerz, Ausdauer und physischer Präsenz, sollen nach ihrem Willen weiterhin Generationen inspirieren und herausfordern. Dieses Streben nach einem dauerhaften Einfluss auf die Kunstwelt unterstreicht ihre lebenslange Hingabe an die kreative Praxis.
Das SPIEGEL-Gespräch, geführt von Carola Padtberg, bietet somit nicht nur intime Einblicke in das Privatleben einer Ikone, sondern auch eine Reflexion über Altern, Kunst und die menschliche Suche nach Bedeutung. Abramovićs Worte ermutigen dazu, das Potenzial jedes Lebensabschnitts zu erkennen und die eigene Geschichte mit Mut und Offenheit zu gestalten.



