Der Schauspieler Günther Maria Halmer, der durch die Kultserie „Münchner Geschichten“ als „Tscharlie“ bekannt wurde, ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 83 Jahren in seinem Wohnort nahe Rosenheim, wie das Münchner Residenztheater mitteilte. Zuvor hatten unter anderem „Bild“ und „Bunte“ berichtet.
Letzte Rolle am Residenztheater
Erst im vergangenen Jahr war Halmer auf die Bühne des Residenztheaters zurückgekehrt. In dem Stück „Gschichtn vom Brandner Kaspar“ von Franz Xaver Kroetz spielte er die Titelfigur. Es sollte seine letzte Rolle sein. Staatsintendant Andreas Beck würdigte ihn in einem Nachruf: „Er war ein wundervoller Kaspar Brandner. Er liebte die Rolle, und es fiel ihm schwer, sie nach nur zwölf Vorstellungen abzugeben. Er sagte mir, er sei krank und müsse pausieren. Ich antwortete, dass die Rolle und wir auf ihn warten. Es tut mir unendlich leid.“
Karriere: Von „Münchner Geschichten“ bis „Gandhi“
Seit seinem TV-Debüt Mitte der 1970er Jahre als „Tscharlie“ in Helmut Dietls „Münchner Geschichten“ stand Halmer für hochwertige und abwechslungsreiche Fernsehunterhaltung. In zahlreichen Filmen und Serien entwickelte sich der markige Oberbayer zum vielseitigen Darsteller, der auch in internationalen Produktionen wie „Gandhi“ überzeugte. Er spielte an der Seite von Stars wie Senta Berger, Hanna Schygulla und Meryl Streep.
Ein ungewöhnlicher Lebensweg
Halmers Vater war Jurist, streng katholisch und autoritär, die Mutter liebevoll, aber krank. Als Jugendlicher fand er Trost im Kino, bei Leinwandhelden wie John Wayne. Seine Schullaufbahn verlief holprig: Er flog vom Gymnasium, brach eine Lehre in der Hotellerie ab und eckte bei der Bundeswehr an. Vom Traumjob Pilot musste er sich verabschieden. Mit Anfang 20 wagte er einen Neuanfang in Kanada, wo er eineinhalb Jahre in einer Asbestmine nahe der Grenze zu Alaska arbeitete. Dort entstand der Wunsch, Schauspieler zu werden, wie er im Bayerischen Rundfunk erzählte. Zurück in Deutschland absolvierte er die Otto Falckenberg-Schauspielschule in München und erhielt ein erstes Engagement an den Kammerspielen.
Überraschender Erfolg als „Tscharlie“
Seine Paraderolle als liebenswürdiger Schwabinger Lebenskünstler und Aufschneider „Tscharlie“ in „Münchner Geschichten“ kam unerwartet. Mit dem überwältigenden Erfolg habe er nicht gerechnet, da es sowohl Dietls erste Regiearbeit als auch Halmers Fernsehpremiere war. Doch die Serie traf wohl den Nerv der Zeit, sagte Halmer einmal. Viele Bayern hätten etwas „Tscharliehaftes“ in sich und könnten sich mit der Figur identifizieren.
Privatleben und Einstellung zum Tod
Günther Maria Halmer lebte mit seiner Frau Claudia, mit der er zwei Söhne hat, in der Nähe seines Geburtsortes Rosenheim. Mit dem Tod hatte er keine Berührungsängste: „Der Tod ist für mich nichts Überraschendes mehr, im Alter wacht man damit auf, dass es jederzeit vorbei sein kann.“ In seinem Dorf seien viele älter als 89 oder 90. „Da ist es nicht ganz so überraschend, wenn jemand stirbt. Und es ist tröstlich, wenn das ganze Dorf bei der Beerdigung dabei ist.“ Ein Paradies hielt er für unwahrscheinlich: „Man hofft, dass es weitergeht, aber ich glaube das eigentlich nicht. Wenn es vorbei ist, wird man wieder zu Erde – und aus.“



