Parchimer Theaterinszenierung: Tiefsee-Abenteuer nach Jules Verne begeistert mit Bühnentechnik
Parchim: Tiefsee-Abenteuer nach Jules Verne begeistert

Parchimer Theaterinszenierung: Tiefsee-Abenteuer nach Jules Verne begeistert mit Bühnentechnik

Die neueste Produktion des Jungen Staatstheaters Parchim, „20.000 Meilen unter dem Meer“, hat nur bedingt mit der ursprünglichen Romanvorlage von Jules Verne zu tun. Stattdessen begeistert die Inszenierung vor allem durch ihre innovative Bühnengestaltung und technische Umsetzung, die eine faszinierende Unterwasserwelt erschafft.

Moderne Adaption mit kindlichen Protagonisten

In der Parchimer Fassung von Karin Eppler stehen nicht die bekannten Figuren Professor Aronnax und Ned Land im Mittelpunkt, sondern die beiden elfjährigen Kinder Nadine (gespielt von Lena Blauth) und Pierre (Jan Hensel). Die Geschichte, die sich an ein Publikum ab acht Jahren richtet, beginnt im Jahr 1868, als die wissbegierigen Kinder heimlich an Bord eines Forschungsschiffes schleichen, um das Rätsel verschwundener Schiffe zu lösen.

Nach einem dramatischen Untergang finden sie sich an Bord der legendären Nautilus wieder, dem U-Boot des geheimnisvollen Kapitäns Nemo (Marlene Eiberger). Während die Inszenierung Motive des Originalromans aufgreift – Pierres Nachname ist Aronnax, Nadines Spitzname „die Professorin“ – erzählt sie die Geschichte recht frei und konzentriert sich auf die kindliche Perspektive.

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Innovative Darstellung auf zwei Ebenen

Regisseur David Stöhr setzt ein cleveres Konzept um, um dem jungen Publikum den historischen Kontext von 1868 näherzubringen. Die Hauptdarsteller agieren in zwei Ebenen: Auf der Bühne verkörpern sie die Kinder Nadine und Pierre, während sie vor der Bühne als erwachsene Schauspieler auftreten, die über ihre Rollen reflektieren und historische Fragen klären.

Diese Doppelstruktur ermöglicht humorvolle Einblicke in die damalige Zeit. So diskutieren die Darsteller etwa, ob es 1868 schon Brillen gab (ja, seit dem 13. Jahrhundert) oder Telefone (Philipp Reis hatte 1861 sein „Telephon“ präsentiert, aber private Telefonate waren noch nicht möglich).

Faszinierende Bühnentechnik erschafft Unterwasserwelt

Der eigentliche Star der Produktion ist jedoch die Bühnentechnik. Regisseur Stöhr und Bühnenbildnerin Marie Luce-Theis haben die Bühne in einen von einem riesigen Bullauge begrenzten Raum an Bord der Nautilus verwandelt. Auf einem transparenten Vorhang kommen zauberhafte Videoprojektionen von Philine Reimer zum Einsatz, die majestätische Quallen, riesige Fische und eine zum Greifen nahe Schildkröte zeigen.

Der Vorhang dient mal als Projektionsfläche für Unterwasserszenen, mal als Leinwand für kunstvolle Schattenspiele. Dazu kommt die bezaubernde Musik von Carlotta Aenne Bauer, die der Unterwasserwelt zusätzliches Leben einhaucht und die Atmosphäre der Tiefsee sinnlich erfahrbar macht.

Dunkle Seiten des Abenteuers

Zunächst sind Nadine und Pierre fasziniert von der Wunderwelt der Nautilus und ihrem Schöpfer Kapitän Nemo. Doch je besser sie den geheimnisvollen Kapitän kennenlernen, desto mehr erfahren sie von seinen dunklen Seiten: seiner Selbstüberschätzung, seinem tiefen Misstrauen gegenüber anderen Menschen – das allerdings gute Gründe hat – und schließlich von seiner Schuld am Untergang zahlreicher Schiffe.

Die Inszenierung nähert sich hier wieder der literarischen Vorlage an und stellt die Frage, ob es den Kindern gelingen wird, der Gefangenschaft an Bord der Nautilus zu entkommen. Marlene Eiberger verkörpert den komplexen Kapitän Nemo mit einer faszinierenden Mischung aus Charisma und düsterer Abgründigkeit.

Kritische Anmerkungen zur Inszenierung

Trotz der beeindruckenden Bühnentechnik hat die Produktion auch einige Längen. Einige Gags und Tanzeinlagen wirken überflüssig, und die langen französischen Passagen bleiben für den Großteil des Publikums unverständlich – selbst für die erwachsenen Zuschauer.

Eine weitere Besonderheit, die Fragen aufwirft, ist die Verwendung gendergerechter Sprache in einem Stück, das im Jahr 1868 spielt – eine historisch nicht korrete Darstellung, wie auch einige Zuschauer nach der Premiere am Sonntag am Jungen Staatstheater Parchim anmerkten.

Dennoch überzeugt die Inszenierung insgesamt durch ihre kreative Umsetzung und die atemberaubende visuelle Gestaltung der Unterwasserwelt, die das Publikum in ihren Bann zieht und die Faszination der Tiefsee eindrucksvoll auf die Theaterbühne bringt.

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