Rijksmuseum Amsterdam: Warum die Ausstellung „Metamorphosen“ ein Frühlings-Highlight ist
Rijksmuseum: „Metamorphosen“ als Frühlings-Highlight

Rijksmuseum Amsterdam: Warum die Ausstellung „Metamorphosen“ ein Frühlings-Highlight ist

Das Rijksmuseum in Amsterdam hat sich in einer bemerkenswerten Kooperation mit der Galleria Borghese in Rom zusammengeschlossen, um der faszinierenden Wirkung von Ovids „Metamorphosen“ auf die Bildende Kunst durch die Jahrhunderte hinweg nachzuspüren. Die Ausstellung präsentiert einen hochkarätigen Reigen aus Werden und Vergehen, der Besucher in ein Universum der Verwandlung entführt.

Vom antiken Mythos zur künstlerischen Inspiration

Louis Finsons dramatische „Allegorie der vier Elemente“ von 1611, die eigens aus Houston nach Amsterdam gereist ist, bildet einen eindrucksvollen Auftakt. Das Gemälde zeigt einen muskelbepackten Mann im roten Umhang, der mit urtümlicher Kraft die Elemente Wasser, Luft und Erde in Bewegung setzt. Dieses Werk ist nur eines von vielen Beispielen, die verdeutlichen, wie Künstler über Jahrhunderte hinweg Inspiration aus Ovids „Metamorphosen“ gezogen haben.

Die epischen Verse des römischen Dichters Publius Ovidius Naso, entstanden in den ersten Jahren unserer Zeitrechnung, wurden durch das Mittelalter hindurch tradiert und prägten insbesondere die Kunst der Renaissance nachhaltig. Der flämische Kunsttheoretiker Karel van Mander bezeichnete die „Metamorphosen“ in seinem einflussreichen „Schilder-Boeck“ von 1604 sogar als „Bibel der Künstler“. Diese Wertschätzung setzte sich im barocken Frankreich fort, wo Nicolas Poussin um 1624 den „Triumph des Ovid“ malte – ein Werk, das den Moment der göttlichen Inspiration einfängt.

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Meisterwerke der Verwandlung

Caravaggios weltberühmter „Narziss“ aus den Jahren 1597–1598 zeigt den schönen Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt. Dieser Mythos fungiert auch als Gleichnis für die Kunst selbst, die Abbild und Wirklichkeit bis zur Ununterscheidbarkeit verschmelzen lässt. Ovids warnende Worte – „Was du siehst, ist nur Schatten, nur Spiegelbild“ – erhalten in dieser Darstellung eine zeitlose Dimension.

Insgesamt sind in Amsterdam etwa achtzig herausragende Werke zu sehen, die im Juni weiter nach Rom reisen werden. Die internationale Leihgabenliste liest sich wie ein Who's who der Kunstgeschichte: Tizian, Correggio, Benvenuto Cellini, Peter Paul Rubens, Auguste Rodin, Constantin Brâncuși, René Magritte und Louise Bourgeois sind vertreten. Besonders bemerkenswert ist die seltene Ausleihe des schlafenden Hermaphroditen aus dem Louvre, der auf einer von Gian Lorenzo Bernini 1620 geschaffenen Marmormatratze ruht.

Von Danae bis zur Gegenwartskunst

Das Rijksmuseum demonstriert seine kuratorische Stärke, indem es verschiedene herausragende Versionen desselben Mythos präsentiert. Bei Correggios Darstellung der Danae (um 1530) liegt die Protagonistin im Bett, während ein goldener Regen aus einer gleichfarbigen Wolke auf das Laken zwischen ihren Beinen fällt. Bei Tizians Version von 1551 versucht hingegen eine alte Dienerin, den Goldregen mit einem Tuch aufzufangen.

Die Ausstellung erweitert das Thema um ein Kapitel, das das veränderliche Gesicht des Menschen untersucht – mit anthropomorphen Landschaften, Vexierbildern und faszinierenden Gesichtskompositionen. Auch zeitgenössische Positionen finden Berücksichtigung: Fotografische Selbstporträts von Roman Opalka, eine Videoarbeit mit lebendigen Schlangen als Reminiszenz an Medusa und die ikonische Riesenspinne von Louise Bourgeois schlagen die Brücke zur Jetztzeit.

Zwar wirken diese modernen Einsprengsel neben der dichten und reichen Präsentation von Renaissance- und Barockwerken manchmal etwas aufgesetzt, doch handelt es sich hierbei um Luxusprobleme einer außergewöhnlich gelungenen Schau. Die Ausstellung „Metamorphosen“ im Rijksmuseum Amsterdam, die noch bis zum 25. Mai zu sehen ist, stellt zweifellos ein kulturelles Highlight des beginnenden Frühlings dar und bietet ein einzigartiges Panorama der Verwandlungskraft antiker Mythen in der europäischen Kunstgeschichte.

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