Theaterkomödie in Schwerin: Doppelbödiges Spiel zwischen Bühne und Hinterbühne
Theaterkomödie in Schwerin: Doppelbödiges Spiel

Doppelbödiges Theatererlebnis im Schweriner Zelt

Das Mecklenburgische Staatstheater präsentiert mit „Im falschen Film“ eine Komödie, die weit mehr bietet als oberflächliche Unterhaltung. Unter der Regie von Steffi Kühnert entfaltet sich im Schweriner Theaterzelt ein Stück, das geschickt zwischen heiteren Szenen und hintergründiger Reflexion über die Theaterwelt pendelt. Die Premiere am vergangenen Sonnabend riss das Publikum zu begeistertem Applaus hin, der sowohl der brillanten Darstellung als auch der intelligenten Konzeption galt.

Verwirrspiel um getrennte Paare und verwechselte Identitäten

Die Handlung beginnt mit einer klassischen Komödiensituation: Barney, frisch von seiner langjährigen Partnerin Bee verlassen, wird von Freund Stephan zum Abendessen eingeladen. Was keiner der Beteiligten ahnt: Stephan hat schlichtweg vergessen, dass das Paar getrennt ist, und seine Frau Jo hat neben anderen Gästen auch Bee mit ihrem neuen Freund Alex eingeladen. Die daraus resultierende Verwirrung steigert sich, als Barney kurzerhand in der Küche versteckt wird, während die anderen Gäste im Wohnzimmer plaudern.

Die Absurdität erreicht ihren Höhepunkt, als der Darsteller von Stephan plötzlich mit Perücke und Rollkragenpullover in die Rolle Barneys schlüpft und kurz darauf auch Jo stimmlich zum Küchengast mutiert. Diese verwirrenden Rollenwechsel erhalten erst nach der Pause ihre Erklärung, wenn sich zeigt, dass das Stück auf zwei Ebenen spielt: der komödiantischen Handlung auf der Bühne und dem existentiellen Kampf der Schauspieler dahinter.

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Zwei Darsteller in acht Rollen: Eine tour de force

Die eigentliche Meisterleistung vollbringen Katrin Heinrich und Jochen Fahr, die jeder gleich vier verschiedene Charaktere verkörpern. Hinter dieser virtuosen Darstellung verbirgt sich eine zweite, tiefgründigere Geschichte: Eigentlich wären für Petr Zelenkas Stück sieben Darsteller notwendig, doch da etliche das Theater verlassen haben, bleibt nur Katrin als einzige Schauspielerin übrig. Ihr zur Seite steht Jochen, der die Wochentage verwechselt hat und eigentlich einen Synchroneinsatz erwartete.

Gemeinsam wagen sie das Unmögliche: Sie retten die Vorstellung, obwohl Jochen den Text nicht perfekt beherrscht und beide unter enormem Druck stehen. Das von Joachim Hamster Damm gestaltete Bühnenbild dreht sich nach der Pause um 180 Grad und lenkt den Blick des Publikums hinter die Kulissen, wo der wahre Kampf stattfindet.

Zwischen Komik und Tragik: Das wahre Gesicht des Theaters

Was zunächst als reine Slapstick-Komödie erscheint, entpuppt sich als vielschichtige Reflexion über die Theaterwelt. Hinter den fliegenden Kostümen, knallenden Türen und Schweißausbrüchen verbirgt sich die existentielle Not zweier Schauspieler, die um ihren Beruf kämpfen. Die Inszenierung zeigt sowohl die komödiantischen Höhepunkte als auch die erschütternden Momente des Zusammenbruchs hinter der Bühne, wo niemand die Verzweiflung sieht.

Die finale Szene zwischen Katrin und Jochen offenbart die ganze Tragikomik ihrer Situation: „Das war heute die letzte Vorstellung“, sagt Katrin. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir mehr Mühe gegeben“, erwidert Jochen. Und Katrin antwortet: „Du warst perfekt!“ In diesem Austausch verdichtet sich die ganze Ambivalenz des Theaterlebens – die Hingabe an die Kunst trotz aller Widrigkeiten.

Weitere Vorstellungstermine und Informationen

Das Stück „Im falschen Film“ von Petr Zelenka ist noch an folgenden Terminen im Schweriner Theaterzelt am Küchengarten zu erleben:

  • 14., 21. und 28. März jeweils um 19 Uhr
  • 18. April um 19 Uhr
  • 7., 9., 15. und 23. Mai jeweils um 19 Uhr
  • 17. Mai um 15 Uhr

Karten sind unter der Telefonnummer 0385 53 00-123 oder per E-Mail erhältlich. Die Inszenierung von Steffi Kühnert beweist, dass großes Theater auch mit minimalen Mitteln möglich ist – vorausgesetzt, es stehen herausragende Darsteller wie Katrin Heinrich und Jochen Fahr auf der Bühne.

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