Valie Export: Pionierin der feministischen Kunst mit 85 Jahren gestorben
Valie Export: Feministische Kunst-Ikone mit 85 Jahren tot

Die österreichische Künstlerin Valie Export, eine Pionierin des feministischen Aktionismus, ist im Alter von 85 Jahren in Wien gestorben. Mit ihren oft provokativen und nackten Performances setzte sie sich zeitlebens für die Gleichstellung der Geschlechter ein.

„Genitalpanik“: Ein Meilenstein der Kunstgeschichte

Berühmt wurde Export 1969 mit ihrer Aktion „Genitalpanik“. Während eines Filmfestivals in München spazierte sie mit einer am Schritt aufgeschnittenen Hose in einen Kinosaal und präsentierte ihr Schamhaar. Die Performance war eine drastische Kritik an der Darstellung von Frauen als Lustobjekte. In der erweiterten Fotoserie hielt sie zusätzlich ein Maschinengewehr – ein Symbol männlicher Macht. Auch fast 60 Jahre später gilt die Aktion als Meilenstein des feministischen Aktionismus. Ihr Motto: „Kunst muss aggressiv sein.“

Leben und Werk

Export, die mit bürgerlichem Namen Waltraud Stockinger hieß, wurde 1940 in Linz geboren. Ihr Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter zog drei Töchter allein groß. Schon früh rebellierte sie: Mit 18 wurde sie schwanger, ließ sich schnell scheiden und ging nach Wien, um Künstlerin zu werden. Dort arbeitete sie zunächst für Friedensreich Hundertwasser. Mit dem Wiener Aktionismus um Hermann Nitsch und Günter Brus verband sie keine enge Zusammenarbeit – das Frauenbild dieser Künstler war ihr zu verstaubt.

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Provokationen und Grenzüberschreitungen

1968 sorgte sie mit ihrem „Tapp und Tastkino“ für Aufsehen: Sie schnürte sich einen Kasten vor die nackte Brust, in den Passanten in der Wiener Innenstadt greifen konnten. Im selben Jahr führte sie ihren damaligen Partner Peter Weibel wie einen Hund an der Leine durch Wien. Im Kurzfilm „Remote, Remote“ (1973) schnitt sie sich mit einem Messer in die Fingernagelhaut, bis Blut in eine Schüssel Milch tropfte – ein Kommentar zu Kindesmissbrauch.

Künstlername als Akt der Emanzipation

Export legte ihren Geburtsnamen ab, um eine eigene Identität zu schaffen. Sie nannte sich Valie Export – stets in Großbuchstaben – in Anlehnung an die Zigarettenmarke „Smart Export“. Ihr Bild hängt heute im Museum of Modern Art in New York. Für ihre Kunst wurde sie vielfach ausgezeichnet, aber auch lange angefeindet. Einmal wurde sie mit einer Bierflasche attackiert, und wegen einer Pornografie-Anklage verlor sie zeitweise das Sorgerecht für ihre Tochter.

Späte Jahre und Vermächtnis

In späteren Jahren lehrte Export an Kunsthochschulen in Amerika und Europa, unter anderem in Köln und Berlin. 2007 rückte sie auf der Biennale in Venedig wieder ins Rampenlicht: Mit einer Kamera im Rachen rezitierte sie ein Gedicht über die Stimme. Bis zuletzt kämpfte sie für den Feminismus. „Ich bin immer noch wütend“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Mit ihrem Alter haderte sie: „Der Körper ist wie ein Mahnmal, der zuruft: Die Jahre werden kürzer!“ Trotz aller Anfeindungen bereute sie nichts: „Ich konnte gar nicht anders, ich musste Konventionen aufbrechen.“

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