Thüringer Verlag erlebt Ansturm durch queere Eishockey-Serie „Heated Rivalry“
Verlagserfolg durch queere Eishockey-Serie „Heated Rivalry“

Thüringer Verlag erlebt unerwarteten Ansturm durch Serienhit

Die Erfolgswelle der Streaming-Serie „Heated Rivalry“ hat einen kleinen Thüringer Buchverlag in ungeahnte Dimensionen katapultiert. Verlagschefin Jeanette Bauroth vom Verlag Second Chances in Steinbach-Hallenberg steht vor einer Mischung aus Freude und logistischen Herausforderungen, seit die Adaption der queeren Eishockey-Liebesgeschichte weltweit Aufmerksamkeit erregt.

Logistische Meisterleistung gefordert

„Die Nachfrage nach dem Buch ist quasi über Nacht explodiert – und das unmittelbar vor Weihnachten“, beschreibt Bauroth die plötzliche Veränderung. Um der enormen Nachfrage gerecht zu werden, muss der Verlag aktuell mehrere Druckereien parallel einsetzen. Die aktuelle Auflage bewegt sich im fünfstelligen Bereich, wobei Bauroth keine konkreten Zahlen nennt.

Von den knapp 100 Titeln im Verlagsprogramm ist „Heated Rivalry“ zwar der aktuell erfolgreichste, doch andere Titel liegen laut der Verlegerin nicht allzu weit entfernt. „Konstant für Nachschub zu sorgen, das ist Teil meines Alltags gerade“, erklärt sie die neue Situation.

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Weltweites Phänomen mit lokalem Ursprung

Die kanadische Streaming-Serie, die seit Kurzem bei HBO Max verfügbar ist, erzählt die Geschichte der fiktiven Eishockey-Stars Shane Hollander und Ilya Rozanov. Während sie auf dem Eis erbitterte Rivalen sind, entwickeln sie privat eine geheime romantische Beziehung. Die beiden Hauptdarsteller sind inzwischen zu Stars avanciert und waren sogar Fackelträger bei den Olympischen Winterspielen in Italien.

Eine Sprecherin von HBO Max erklärt den Erfolg: „Sie ist nicht einfach auf Sex reduziert, sondern eine richtige Liebesgeschichte zwischen zwei Männern in einem sehr männlichen Sport – das hat offenbar einen Nerv getroffen.“ Die Serie basiert auf der Buchreihe der kanadischen Autorin Rachel Reid und wurde laut Bauroth sehr buchgetreu umgesetzt, ohne Hollywoodisierung oder Verschämtheit.

Überraschender Erfolg aus unerwarteter Richtung

Die erste gedruckte deutsche Übersetzung eines der Bände erschien bei Second Chances, obwohl die Verfilmung zum Zeitpunkt der Programmplanung im Oktober 2024 noch kein Thema war. „Als wir die Weichen dafür gestellt haben, war die Verfilmung noch nicht in Sicht“, so Bauroth über den überraschenden Erfolg.

Die Literaturübersetzerin war selbst vom Original begeistert und wollte den Titel für den Verlag übernehmen, der bereits weitere Romane zu queeren Liebesgeschichten im Programm hat. Die Rechte lagen jedoch bei einem Digitalverlag, der bereits eine E-Book-Version herausgebracht hatte. Erst auf einer Buchmesse gelang der Kontakt und eine Einigung für die Softcover-Ausgabe.

Spezieller Verlag mit besonderem Ansatz

Der Verlag Second Chances mit Sitz im etwa 9.000 Einwohner zählenden Steinbach-Hallenberg verfolgt einen besonderen Ansatz: Er führt Reihen fort, die andere Verlage aus dem Programm nehmen, oder bringt Titel heraus, die nicht mehr erhältlich sind. Leser können sich sogar mit Übersetzungswünschen direkt an den Verlag wenden.

„Da war der Wunsch, mitbestimmen zu können, wie und was veröffentlicht wird“, erklärt Bauroth die Grundidee ihres Verlags. Dass ausgerechnet ihr kleiner Verlag nun auf einer weltweiten Erfolgswelle mitschwimmt, empfindet sie als „immer etwas surreal“.

Herausforderungen und Hoffnungen

Trotz des Erfolgs gibt es auch bittere Pillen zu schlucken. Weitere Rechte für andere Bände der Buchreihe sowie für Schmuck- und Hard Cover-Ausgaben wurden per Auktion vergeben, bei der der kleine Verlag das Nachsehen hatte. Immerhin kann Bauroth auf der Leipziger Buchmesse im März eine Paperback-Sonderausgabe mit neuem Design anbieten.

Die Verlegerin sieht in solchen queeren Stoffen großes Potenzial: „Menschen fühlen sich jetzt in der Literatur gesehen“. Es gehe um Darstellungen, die mit ihrer Lebensrealität zu tun haben. Gleichzeitig spiele im Romance-Genre ein weiterer Aspekt eine wichtige Rolle: „Ich würde es so einordnen, dass sich Menschen angesichts der weltpolitischen Lage auf Sachen stürzen, die ihnen Hoffnung geben. Und genau das ist das Versprechen von Romance, dass die Geschichte gut ausgeht.“

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Neue Zielgruppen würden durch solche queeren Stoffe erschlossen, während gleichzeitig die Sichtbarkeit queerer Liebe erhöht wird. „Es ist großartig, dass das Thema so eine Bühne bekommt“, freut sich Bauroth über diese Entwicklung, die weit über den reinen Verkaufserfolg hinausgeht.