Die Villa Stuck in München hat nach zweijähriger Sanierung ihre endgültige Wiedereröffnung gefeiert. Das Museum in der ehemaligen Künstlervilla an der Prinzregentenstraße lockt nun mit vier höchst unterschiedlichen Ausstellungen. Ein besonderes Highlight ist die Neuerwerbung von Franz von Stucks „Damenporträt à la japonaise“ aus dem Jahr 1899, das für rund 100.000 Euro ersteigert wurde und nun auf leuchtendroter Wand präsentiert wird.
Franz von Stucks „Damenporträt à la japonaise“
Das Porträt zeigt eine junge Frau mit leicht zurückgelegtem Kopf, charmant-prüfendem Blick, blasser Haut, schwarzen Brauen und einem rot-grünen Kimono-artigen Gewand. Im Haar stecken drei lange rote Haarnadeln im Geisha-Stil. Das Gemälde ist ein ungewöhnliches, modern wirkendes Frauenbildnis, für das eine bisher unbekannte Münchnerin Modell stand. Es kehrte an den Ort seiner Entstehung zurück und ist bis zum 20. September in einer Studio-Schau zu sehen.
Vier Ausstellungen zur Wiedereröffnung
Nach der Wiedereröffnung im Herbst 2025 war die Villa Stuck zwei Monate lang geschlossen, um einen Vortragssaal einzurichten, das Foyer neu zu gestalten, einen barrierefreien Zugang von der Ismaninger Straße zu schaffen und den Garten zu bepflanzen. Nun sind vier Ausstellungen zu sehen:
Philipp Messner: „Feld“
Der Südtiroler Künstler Philipp Messner bespielt den gesamten Trakt des Neuen Ateliers mit seiner Intervention „Feld“. Diese ist ein Gastspiel der Rathausgalerie, die derzeit als Poststelle genutzt wird. Messner tritt als forschender Künstler auf, öffnete die Fenster, überzog den Parkettboden mit Vermessungslinien und brachte großformatige schwarze Leinwände mit Magnetfarbe an. Seine Skulpturen im Obergeschoss arbeiten mit magnetischen Anziehungskräften, und ein Haus im Haus aus Stahl dient als Schutzhütte und Faraday’scher Käfig. Die Ausstellung läuft ebenfalls bis zum 20. September.
Ilit Azoulay: „No Single View“
Die israelische Künstlerin Ilit Azoulay setzt sich mit der Herkunftsgeschichte von Franz von Stucks einziger Tochter Maria Franziska, genannt Mary, auseinander. Mary war die Tochter von Anna Maria Brandmair, einer Bäckerstochter, die Stuck 1897 verließ, um die wohlhabende Arztwitwe Mary Lindpaintner zu heiraten. Das Paar adoptierte 1904 die uneheliche Tochter. Azoulays Zwei-Kanal-Projektion im Alten Atelier zeigt Mary, dargestellt von 77 Mädchen und Frauen, die von seltsamen Benimmregeln und einer Vorliebe für Cremetorten erzählen. Störgeräusche wie herunterfallende Gegenstände durchbrechen die Illusion einer glücklichen Kindheit. Die Ausstellung läuft bis zum 18. Oktober.
Jan-Henrik Pelz und Delschad Numan Khorschid: „Zehn Leben“
Jan-Henrik Pelz und Delschad Numan Khorschid machen Lebensgeschichten sichtbar, die von Gewalt, Hunger, Flucht, Einsamkeit und multiplen Traumata geprägt sind. Khorschid, Schauspieler am Residenztheater und bildender Künstler, stammt aus einem kurdischen Dorf im Nordirak, das in der „Anfal-Operation“ ausgelöscht wurde. In „Zehn Leben“ verarbeitet er seine eigene Flucht, die ihn 2003 nach München führte, in Fotos, Gemälden, Zeichnungen und Texten. Pelz schuf Bild-Stelen mit Porträts von Geflüchteten, darunter Khorschid, mit geschlossenen Augen. Seine Gemälde zeichnen Lebenswege anhand von Objekt-Ketten aus der Trauma-Therapie nach: Ein Stein steht für ein schweres Erlebnis, eine Blume für ein schönes, ein Stock für eine Gewalttat und eine Kerze für ein verlorenes Kind. Die Ausstellung läuft bis zum 8. November.
Öffnungszeiten und Eintritt
Die Villa Stuck ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs bis 20 Uhr. Der Eintritt ist jeden ersten Freitag im Monat von 10 bis 22 Uhr sowie am Sonntag, den 17. Mai, zum Internationalen Museumstag frei.



