Die italienische Autorin Elena Ferrante bleibt ein Phantom der Literaturwelt. Niemand weiß, wer sich wirklich hinter diesem Pseudonym verbirgt. Nun ist ihr neues Werk auf Deutsch erschienen: der Essayband „An den Rändern“ im Suhrkamp-Verlag.
Vorträge von anderen vorgetragen
Ein Professor aus Bologna lud Ferrante ein, Vorträge an seiner Universität zu halten. Ob er ernsthaft glaubte, die stets anonyme Autorin würde persönlich erscheinen, ist unklar. Ferrante verfasste die Vorträge, ließ sie aber von einer Schauspielerin und einer Wissenschaftlerin vortragen. Diese drei Vorträge sowie ein weiterer Essay sind nun in deutscher Übersetzung erhältlich.
Inhalt und Hintergrund
Das 94-seitige Buch erschien bereits 2021 auf Italienisch bei edizioni e/o. Anders als Ferrantes berühmte Neapel-Tetralogie („Meine geniale Freundin“ und Folgebände) enthält es keine Fiktion. Die Essays behandeln ihren Weg vom Lesen zum Schreiben, literarische Vorbilder und die Frage, wie sich Wirklichkeit – besonders aus weiblicher Perspektive – erzählen lässt.
Ferrante beschreibt ihren Drang zum Schreiben seit früher Jugend und reflektiert das Schreiben als Grenzüberschreitung. Es geht darum, sich von vorgegebenen Formen zu lösen und neue Ausdrucksweisen zu finden. Sie schildert einen inneren Konflikt aus ihrer frühen Schreibzeit: Sie hatte den Eindruck, dass literarische Qualität stark an eine männlich geprägte Tradition gebunden sei. Einen Essay widmet sie dem Dichter Dante Alighieri und der Figur der Beatrice aus der „Göttlichen Komödie“, die für sie als weibliche Gestalt in diesem von Männern dominierten Kanon eine besondere Rolle spielt.



