Bestsellerautor Sebastian Fitzek: Selbstzweifel trotz 20-jährigem Erfolg
Sebastian Fitzek, der mit seinen Psychothrillern regelmäßig die Spitze der Bestsellerlisten erobert, feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Autorenjubiläum. Trotz seines außergewöhnlichen Erfolgs wird der 54-jährige Berliner Schriftsteller noch immer von tiefen Selbstzweifeln geplagt. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur gab Fitzek offen Einblick in seine innere Zerrissenheit.
Permanente Zweifel als treuer Begleiter
„Ich habe permanent, komplett immer gezweifelt“, gestand Fitzek auf die Frage, ob er in seiner langen Karriere jemals an sich selbst gezweifelt habe. „Das mache ich auch heute noch“, fügte der Autor hinzu, dessen Thriller „Der Nachbar“ nach Angaben von Media Control zum meistgelesenen gebundenen Buch des Jahres 2025 wurde.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese Selbstzweifel lieferte Fitzek mit der Geschichte zu seinem Thriller „Passagier 23“ aus dem Jahr 2014. Das Buch handelt von unheimlichen Vorgängen auf einem Kreuzfahrtschiff. „Ich ging fest davon aus, dass er ein Flop wird“, erinnerte sich der Schriftsteller. „Als es dann hieß, nächste Woche ist Premiere, dachte ich mir: 'Pass mal auf, Fitzek, du hast ein Buch über ein Traumschiff geschrieben. Traumschiffleser wollen keine Psychothriller und die Psychothriller-Fans wollen nichts über ein Traumschiff lesen. Du hast dich völlig zwischen die Stühle gesetzt'“.
Doch die Realität sah anders aus: „Passagier 23“ wurde Fitzeks erster direkter Nummer-Eins-Hardcover-Erfolg. „Aber ich dachte, es wird nichts und habe es allen so erzählt. So ist es eigentlich immer und immer wieder“, schilderte der Berliner Autor das paradoxe Verhältnis zwischen seinen Erwartungen und der tatsächlichen Resonanz.
Jubiläumsfeierlichkeiten und neue Projekte
Anlässlich seines 20-jährigen Jubiläums hat Fitzek gemeinsam mit der Autorin Annika Strauss den Horror-Thriller „REM“ herausgebracht, der sich mit den Themen Alpträume und Schlaflosigkeit beschäftigt. Das Autorenduo stellt das Werk auf der Leipziger Buchmesse vor, wo Fitzek in diesem Jahr einen ungewöhnlichen Schritt geht: Er hat einen eigenen Stand, während normalerweise die Verlage als Aussteller auftreten.
Sein Jubiläum als Autor will Fitzek im August mit zwei Terminen einer besonderen Jubiläumsshow in der Berliner Waldbühne feiern. Sein erster Thriller „Die Therapie“ war im Jahr 2006 erschienen und markierte den Beginn einer bemerkenswerten Karriere.
Die größte Angst des Erfolgsautors
Besonders aufschlussreich waren Fitzeks Ausführungen zu seiner „größten Angst“ als Autor. „Dass irgendwann die Tür aufgeht, Ärzte und Pfleger hereinkommen und sagen: 'Heute ist mal genug, jetzt müssen wir ihre Medikamente wieder einstellen. Er denkt schon wieder, dass er Autor ist und Interviews gibt'“, beschrieb der Schriftsteller seine fundamentale Unsicherheit.
Fitzek reflektierte weiter: „Eigentlich sei dies ein sehr schöner Zustand. Ich glaube, wenn man in so einer Wahnwelt lebt – es sei denn, sie ist schrecklich – ist es gar nicht so schlimm. Schlimm ist der Moment, in dem einem bewusst wird, es ist alles nicht so, wie es scheint.“ Genau diese existenzielle Unsicherheit treibe ihn immer wieder an den Schreibtisch und inspiriere seine Geschichten.
Die Offenheit, mit der Sebastian Fitzek über seine Selbstzweifel spricht, macht den erfolgreichen Autor besonders menschlich und nachvollziehbar. Trotz seiner beeindruckenden Verkaufszahlen und seiner festen Position im deutschen Literaturbetrieb bleibt er ein Künstler, der mit den gleichen Unsicherheiten kämpft wie viele andere kreative Menschen. Seine Ehrlichkeit in diesem Interview bietet einen seltenen Einblick in die psychologische Realität hinter der öffentlichen Erfolgsfassade.



