Martin Suter nimmt Manager erneut aufs Korn: Eitelkeit und Homeoffice im Fokus
Elegant, bissig und mit einem Hauch Nostalgie: Der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter lässt in seinem neuen Werk die eitlen Typen aus der Teppichetage erneut straucheln. In „Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice“ versammelt er kurze Texte, die zuvor exklusiv für zahlende Mitglieder auf seiner Webseite verfügbar waren. Mit dieser Sammlung knüpft Suter an sein Erfolgsrezept aus den 1990er Jahren an, als seine „Business Class“-Kolumnen in Schweizer Zeitungen erschienen.
Die feinen Unterschiede der Eitelkeit
Martin Suter, der ehemalige Werbetexter, macht in seinen Geschichten feine Unterschiede bei dem Thema Eitelkeit. „Eitelkeit finde ich uncharmant, wenn es eine Form ist, bei der man auf andere Leute hinunterschaut, eine überhebliche, herablassende oder narzisstische Eitelkeit“, erklärt er im Gespräch. Bezogen auf das Äußere verteidigt der stets geschniegelt und im Dreiteiler auftretende Autor jedoch eine andere Art: „Die Eitelkeit, die ich propagiere, ist die, die Wertschätzung ausdrückt – wenn man sich sorgfältig kleidet und niemand ungewaschen unter die Augen tritt.“
Manager im Homeoffice: Was sich geändert hat und was nicht
Die Protagonisten in Suters Geschichten sind praktisch noch dieselben wie vor Jahrzehnten: eitel, unsouverän und stets darauf bedacht, Vorgesetzte zu umschmeicheln, um die Karriere voranzubringen. Allerdings merkt man an den Herausforderungen des Homeoffice, dass die Manager in den 2020er Jahren angekommen sind. „Ich verkehre zwar nicht mehr in den Teppich-Etagen, aber so schnell ändern sich die Menschen nicht“, sagt Suter. Er fügt schmunzelnd hinzu: „Es gibt auch andere, aber die, die nicht so sind, sind eben auch nicht so unterhaltsam.“
Pointen und der Einzug des Englischen
Suter liefert seinen Leserinnen und Lesern gewohnt elegant etwas zum Lachen, indem die eitlen Fatzkes am Ende stets auf die Nase fallen. Besondere Leckerbissen sind die beißend-charmanten Beschreibungen, etwa über einen Manager, dessen alter Smoking kaum noch zugeht: „Der Hosenbund krankt am gleichen Distanzproblem wie die Weste.“ Zudem macht sich der Autor über den Einzug des Englischen in der Geschäftswelt lustig – von „purpose“ bis „butt dial“ wird nichts ausgespart. Auch bei Suter selbst hat die Anglisierung Einzug gehalten: Seine Webseite hat „members“, die rund 50 Euro im Jahr zahlen, um Texte und Fotos vorab zu sehen.
Ausblick: Neue Projekte und ein persönliches Fest
Die Business-Class-Reihe dürfte nun zu Ende sein, da Suter erfreut feststellt, dass immer mehr Führungsetagen mit Frauen bevölkert sind. „Mir ist das angenehmer“, sagt er. „Wenn drei Frauen mit Führungsfunktion zusammensitzen, haben sie nicht dieses Gockelverhalten, dass jede die andere übertrumpfen will.“ Scherzhaft fügt er hinzu: „Ich mache mir langsam Sorgen um die Präsenz der Männer in den Führungsetagen.“
Noch in diesem Jahr soll ein neuer Roman erscheinen, dessen Hauptfigur eine Frau zwischen 30 und 40 ist. Zudem arbeitet Suter an einem Theaterstück und einer Oper mit Liedermacher Stephan Eicher. „Ich bin voller toller Ideen, was ich alles machen werde, und ich hoffe, ich kann noch möglichst viel“, erklärt er enthusiastisch.
Zunächst steht jedoch ein persönliches Ereignis im Fokus: Suter plant ein großes Fest zum 75. Geburtstag seiner 2023 verstorbenen Frau Margrith Nay Suter. „Es ist erst zweieinhalb Jahre her, dass sie tot ist, und vorher war sie 72 Jahre lang sehr am Leben“, sagt er bewegt. Der Geburtstag sei nicht nur für ihn ein wichtiger Tag, der an eine besondere Verbindung erinnert.



