Salman Rushdie in Köln: Ein Abend unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Fast vier Jahre nach dem lebensgefährlichen Anschlag trat der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie (78) in Köln auf. Bei einer Lesung aus seinem neuesten Buch „Die elfte Stunde“ sprach er offen über die Folgen des Attentats und wie er es verarbeitet hat. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne statt und war von außergewöhnlichen Schutzmaßnahmen geprägt.
Das Attentat und seine Folgen
Im August 2022 wurde Rushdie während eines Auftritts in New York von einem islamistischen Attentäter niedergestochen. Der Schriftsteller verlor dabei sein rechtes Auge und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. „Ich habe Glück, noch am Leben zu sein“, sagte Rushdie zum Ende der Kölner Lesung. Die Ärzte seien sich zunächst nicht sicher gewesen, ob er überleben würde. Doch die medizinische Versorgung rettete ihm das Leben.
Seitdem stellt sich Rushdie eine entscheidende Frage: „Mir wurde im Leben eine zweite Chance gegeben. Was mache ich jetzt damit?“ Sein neues Buch „Die elfte Stunde“ ist eine direkte Antwort darauf. Es behandelt Themen wie Tod, Vergänglichkeit und das Altern. Interessant ist, dass es bereits das zweite Werk ist, das er seit dem Anschlag verfasst hat.
Konstante Bedrohung seit 1989
Die strengen Sicherheitsvorkehrungen in Köln hatten ihren Grund. Seit 1989 lebt Rushdie unter ständiger Bedrohung durch Islamisten. Nach der Veröffentlichung seines Romans „Die satanischen Verse“ rief der damalige religiöse Führer des Iran, Ajatollah Chomeini, zur Ermordung des Autors auf. Chomeini sah in dem Werk Gotteslästerung.
Die sogenannte Fatwa gilt bis heute. Die iranischen Machthaber erhöhten das Kopfgeld auf Rushdie im Jahr 2016 sogar auf 4 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 3,45 Millionen Euro). Diese anhaltende Bedrohung erklärt die umfassenden Schutzmaßnahmen während des Kölner Auftritts.
Die Veranstaltung in Köln
Die Lesung im WDR-Funkhaus war keine gewöhnliche Literaturveranstaltung. Jeder Besucher wurde vor Betreten des Saales durchsucht. Vor dem Gebäude postierten sich Polizisten, um für zusätzliche Sicherheit zu sorgen. Trotz dieser bedrückenden Umstände verlor Rushdie nicht seinen charakteristischen Humor.
Auf die Frage, wie er am liebsten sterben möchte, antwortete der Schriftsteller trocken: „Am liebsten gar nicht.“ Diese Bemerkung unterstrich seine ungebrochene Lebensfreude und seinen Willen, weiterzuschreiben und aufzutreten.
Ein literarisches Comeback
Dass Rushdie zwei Bücher seit dem Attentat verfasst hat, zeigt seine beeindruckende Resilienz. Sein neues Werk erscheint beim Penguin Verlag und setzt sich intensiv mit existenziellen Fragen auseinander. Der Autor nutzt seine zweite Chance, um weiterhin wichtige literarische Beiträge zu leisten.
Der Abend in Köln demonstrierte nicht nur Rushdies persönliche Stärke, sondern auch die Bedeutung von Literaturfestivals als Plattformen für den Dialog und den Schutz der Kunstfreiheit. Trotz aller Widrigkeiten bleibt Salman Rushdie eine wichtige Stimme in der internationalen Literaturszene.



