Martin Suter nimmt Manager erneut aufs Korn: Eitelkeit und Allüren in der Business Class
Elegant, bissig und mit einem Hauch Nostalgie: Der Schweizer Bestsellerautor Martin Suter lässt in seinem neuen Werk erneut die eitlen Typen aus der Teppichetage straucheln. In „Können Sie mich sehen? Die Business Class im Homeoffice“ versammelt der 77-jährige Schriftsteller kurze Texte, die zuvor exklusiv für zahlende Mitglieder auf seiner Webseite verfügbar waren.
Die Kunst der feinen Unterschiede bei der Eitelkeit
Martin Suter, der früher als Werbetexter tätig war, macht bei dem Thema Eitelkeit klare Unterscheidungen. „Eitelkeit finde ich uncharmant, wenn es eine Form ist, bei der man auf andere Leute hinunterschaut, eine überhebliche, herablassende oder narzisstische Eitelkeit“, erklärt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der stets geschniegelt und im Dreiteiler auftretende Autor verteidigt hingegen eine andere Form: „Die Eitelkeit, die ich propagiere, ist die, die Wertschätzung ausdrückt – wenn man sich sorgfältig kleidet und niemand ungewaschen und unrasiert unter die Augen tritt.“
Manager im Wandel der Zeit: Was sich geändert hat und was nicht
Die Protagonisten in Suters Geschichten sind praktisch noch dieselben wie in den 90er Jahren: eitel, unsouverän und stets darauf bedacht, Vorgesetzte zu umschmeicheln, um die eigene Karriere voranzubringen. Doch an den Herausforderungen des Homeoffice, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind, erkennt man deutlich, dass die Manager in den 2020er Jahren angekommen sind. „Ich verkehre zwar nicht mehr in den Teppich-Etagen, aber so schnell ändern sich die Menschen nicht“, sagt Suter. Menschen aus diesem Milieu hätten ihm bestätigt: „Genau so ist es.“
Pointen, Englisch und die Kunst des Scheiterns
Suter liefert seinen Leserinnen und Lesern gewohnt eleganten Humor: Am Ende fallen die eitlen Fatzkes immer auf die Nase. Besondere Leckerbissen sind die beißend-charmanten Beschreibungen, etwa über einen Manager, dessen alter Smoking kaum noch zugeht: „Der Hosenbund krankt am gleichen Distanzproblem wie die Weste.“ Der Autor macht sich auch über den Einzug des Englischen in der Geschäftswelt lustig – von „purpose“ bis „content outreach“ – und wie peinlich ein „butt dial“ werden kann.
Das Ende einer Ära und neue Projekte
Die Business-Class-Reihe dürfte nun zu Ende sein, denn Suter beobachtet erfreut, dass immer mehr Führungsetagen mit Frauen besetzt werden. „Mir ist das angenehmer“, sagt er. „Wenn drei Frauen mit Führungsfunktion zusammensitzen, haben sie nicht dieses Gockelverhalten, dass jede die andere übertrumpfen will.“
Noch in diesem Jahr soll ein neuer Roman erscheinen, dessen Hauptfigur eine Frau zwischen 30 und 40 Jahren ist. Zudem arbeitet Suter an einem Theaterstück und einer Oper mit Liedermacher Stephan Eicher. „Ich bin voller toller Ideen, was ich alles machen werde, und ich hoffe, ich kann noch möglichst viel“, sagt der Autor.
Ein persönliches Fest zum Gedenken
Zuerst steht jedoch ein besonderes Ereignis an: Suter plant ein großes Fest zum 75. Geburtstag seiner 2023 verstorbenen Frau Margrith Nay Suter. „Es ist erst zweieinhalb Jahre her, dass sie tot ist, und vorher war sie 72 Jahre lang sehr am Leben“, sagt er. Der Geburtstag sei nicht nur für ihn ein wichtiger Tag, sondern auch eine Möglichkeit, das Leben seiner Frau zu würdigen.



