Uwe Tellkamp: Umstrittener Nationalpreisträger liest in Güstrower Galerie
Tellkamp-Lesung in Güstrow: Polarisierender Autor kommt

Polarisierender Nationalpreisträger Uwe Tellkamp gastiert in Güstrow

Kaum ein zeitgenössischer Autor spaltet die literarische und gesellschaftliche Diskussion so sehr wie Uwe Tellkamp. Der einst für seinen epochalen Wenderoman „Der Turm“ gefeierte Schriftsteller, dessen Werk mit dem Deutschen Buchpreis und dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde, steht heute im Zentrum hitziger Debatten über die Grenzen des Sagbaren und die Rolle von Intellektuellen in der Demokratie. Dennoch hat sich der Galerist und Restaurator Andreas Wittenburg entschlossen, den umstrittenen Autor nach Güstrow einzuladen.

Einladung trotz anhaltender Kontroversen

Uwe Tellkamp, der auch Träger des Uwe-Johnson-Literaturpreises des Nordkuriers ist, sieht sich seit Jahren mit harscher Kritik konfrontiert. Seine Äußerungen zur Flüchtlingspolitik, zur Reichsbürgerszene und zu vermeintlichen Repressionen gegen Andersdenkende in Deutschland haben ihm den Vorwurf der Nähe zu rechtspopulistischen Gedanken eingebracht. Sein Verlag Suhrkamp distanzierte sich öffentlich von seinen Positionen, was die Kontroverse weiter anheizte. Diese Kontroversen halten Andreas Wittenburg jedoch nicht davon ab, den Autor für eine Lesung in die Galerie „Kunst am Dom“ in der Domstraße 17 zu holen.

Lesung mit anschließender Podiumsdiskussion

Am 21. März um 19 Uhr wird Uwe Tellkamp in Güstrow aus seinem 2022 erschienenen Roman „Der Schlaf in den Uhren“ lesen, der als Fortschreibung seines Meisterwerks „Der Turm“ gilt. Mit der gleichnamigen Erzählung gewann Tellkamp bereits 2004 den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis. Die Veranstaltung beginnt mit Einlass um 17 Uhr und bietet etwa 50 Sitzplätze. Im Anschluss an die Lesung ist eine Podiumsdiskussion geplant, die Raum für kritischen Austausch und differenzierte Auseinandersetzung bieten soll.

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Galerist Wittenburg: „Gemeinsam reden, nicht polarisieren“

Für Andreas Wittenburg, der den Kontakt über die ehemalige Leiterin der Güstrower Bibliothek herstellte, ist Uwe Tellkamp der erfolgreichste Schriftsteller mit ostdeutschen Wurzeln. „Ich dachte mir schon länger, es wäre schön, ihn mal in kleinem Rahmen nach Güstrow einzuladen“, erklärt Wittenburg. Der Galerist, der eine Affinität zu ostdeutschen Intellektuellen pflegt, betont: „Uwe Tellkamp spricht die Probleme in unserem Land an, die dieses nach den Jahrzehnten im Westen hat. Meiner Meinung nach ist es aber wichtig, die Finger in die Wunde zu legen und gemeinsam zu reden – nicht um zu polarisieren, sondern um zu verbinden, die Zukunft besser zu gestalten und Lösungen zu suchen.“

Die Lesung verspricht somit nicht nur einen literarischen Abend mit einem preisgekrönten Autor, sondern auch eine Plattform für gesellschaftlichen Dialog in einer polarisierten Zeit. Obwohl Tellkamps Werke wie die erfolgreiche TV-Verfilmung von „Der Turm“ mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle breite Anerkennung fanden, bleibt seine Person ein umkämpftes Symbol in der deutschen Kulturszene.

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