Rostocker Modedesignerin bricht mit feministischer Statement-Mode Tabus
Rostockerin bricht mit feministischer Mode Tabus

Rostocker Modedesignerin bricht mit feministischer Statement-Mode Tabus

Bentje Lehmann geht als Modedesignerin und Unternehmerin aus Rostock ihren ganz eigenen Weg – und das mit Vulva-Motiven, Brust-Gebirgen und weiblichen Themen. Die 36-jährige Mutter eines Sohnes verbindet in ihrem Label Bentje Designs Feminismus, Handwerk und soziale wie finanzielle Nachhaltigkeit zu einzigartigen Kreationen.

Vulva im Apfel und Stinkefinger als modische Statements

Sie trägt eine Klitoris-Kette um den Hals, hat Stinkefinger-Drucke und Schlüppi-Fahnen auf ihren Shirts und verweist mit ihrer Mode auf Themen wie Brustkrebsvorsorge, Selbstliebe, Widerstand gegen Schönheitsnormen oder weibliche Wut. Ihre selbst designten Druckmotive sprechen dabei ein sehr spezielles Publikum an, das ganz genau weiß, wie es sich modisch nach außen hin präsentieren will.

Da ist etwa eine Vulva, Teil des weiblichen Geschlechtsorgans, die sich subtil in einer Apfel-Illustration versteckt. Auf Märkten wie der Hanse Sail stößt die Designerin damit durchaus auch mal auf Unverständnis: „Die meisten Männer verstehen es gar nicht, und manche ältere Dame mag zwar das Apfelmotiv, erkennt aber die Vulva darin nicht“, erzählt sie und lacht. Bekehrern will sie niemanden. „Wer das nicht mag, muss es ja nicht tragen“, sagt sie entschieden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vom Postauto zur mobilen Näh-Stube

Schon zu ihrer Schulzeit im Rostocker Käthe-Kollwitz-Gymnasium war ihr klar: „Modedesign ist meins.“ Nach dem Abi folgten ein Studium in Amsterdam, eine Ausbildung in Berlin und 2017 war Bentje Lehmann plötzlich wieder zurück in ihrer Heimatstadt. „Eigentlich wollte ich hier nur meinen Führerschein machen“, witzelt sie. Der wäre ihr in Berlin nämlich „zu wild“ gewesen.

Aber sie blieb, startete mit ihren ersten eigenen Designs, baute ein altes Postauto zum Näh-Mobil um und brachte Menschen aus den Stadtteilen Lütten Klein oder Toitenwinkel das Nähen näher. Die Projektförderung für die Stadtteilarbeit lief zwar inzwischen aus, aber Nähkurse gibt sie mit Unterstützung ihrer Aushilfe Ela auch jetzt noch – vornehmlich in ihrem kleinen Atelier im Rostocker Kreativquartier Warnow Valley am Warnowufer.

Nachhaltigkeit als unternehmerisches Prinzip

„Die Leute kommen oft und sagen, sie hätten zwei linke Hände“, erzählt Lehmann. „Aber nach drei Stunden gehen sie mit einer selbst genähten Tasche und einem Strahlen im Gesicht nach Hause.“ Das sei echte Nachhaltigkeit, betont die Unternehmerin. Die Menschen würden ein selbst gefertigtes, individualisiertes Kleidungsstück bestimmt nicht so schnell wegwerfen, wie ein Zwei-Euro-Shirt von der Stange.

Lehmann lässt ihre beliebten Moon Bags von der lokalen Näherei Hey Naht zuschneiden und verarbeiten. So erhält sie die Schnittreste zurück und verwertet diese in ihren Nähkursen weiter oder näht kleine Unikate und Portemonnaies daraus. Vermeintlich wider alle unternehmerische Vernunft bietet sie ihre einzigartigen Druckmotive auch als Bügelbilder an. „Wieso soll jeder immer ein neues Shirt kaufen?“, fragt sie provokant.

Balance zwischen Kreativität und Unternehmertum

Was als persönliches Projekt im Dunstkreis der Rostocker Kreativszene begann, ist mittlerweile ein in Rostock und online etabliertes Label geworden. Alles, vom Instagram-Post über Buchhaltung und Auftragsversand, macht Bentje Lehmann allein. „Mein Tag dürfte gern doppelt so lang sein“, sagt sie und lacht. Schon bald soll ergänzend zu ihrem Etsy-Onlineshop eine eigene Website kommen.

Aber auf ihrer Liste steht auch die gemeinsame Auszeit mit ihrer Familie: „Schon bald wollen mein Partner, unser Sohn und ich für drei Monate nach Sri Lanka und Malaysia reisen“, erzählt sie. Auch das gehöre dazu: die Balance zwischen Privatleben und Arbeit, ihrer Rolle als Mutter, Unternehmerin, Aktivistin, Partnerin, Freundin und Frau. „Ich liebe, was ich tue, wie ich es tue, und gehe immer noch jeden Tag gern zur Arbeit“, resümiert die Rostockerin.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration