Einzigartiger Münzschatz nach Kriegsversteck nun in Halle zugänglich
Kriegsversteckter Münzschatz bereichert Halle

Einzigartiger Münzschatz nach Jahrzehnten im Verborgenen nun in Halle

Im Krieg vergraben, jahrzehntelang verborgen und nun endlich der Öffentlichkeit zugänglich: Ein außergewöhnlicher Münzschatz mit seltenen Goldprägungen bereichert das Landesmünzkabinett in Halle auf spektakuläre Weise. Die Geschichte dieser Sammlung liest sich wie ein spannender Roman, der nun ein glückliches Ende in den Ausstellungsräumen der Moritzburg findet.

Die außergewöhnliche Geschichte eines leidenschaftlichen Sammlers

Über mehrere Jahrzehnte hinweg trug der Leipziger Studienrat und passionierte Sammler Friedrich Mann zwischen 1894 und 1993 in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen einzigartigen Münzschatz zusammen. Seine Leidenschaft für Numismatik führte zu einer Kollektion, die heute als historisches Juwel gilt.

Das Kriegsversteck im Schrebergarten

Als die Bombenangriffe während des Zweiten Weltkriegs immer heftiger wurden, traf Mann eine folgenschwere Entscheidung: Vermutlich 1941 oder 1942 vergrub er seinen wertvollen Münzschatz in seinem Schrebergarten in Leipzig. „Nur er kannte das Versteck“, betont Ulf Dräger, der Leiter des Landesmünzkabinetts Sachsen-Anhalt im Kunstmuseum Moritzburg Halle. Dieses Geheimnis bewahrte Mann für sich allein, ohne es mit irgendjemandem zu teilen.

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Nach Kriegsende holte der Sammler seinen Schatz unbeschadet wieder aus der Erde und transportierte ihn an seinen neuen Wohnort Frankfurt am Main. Dort lagerte die kostbare Sammlung über viele Jahrzehnte hinweg sicher in einem Bankschließfach, weitgehend unbekannt für die Öffentlichkeit.

Die Schenkung aus persönlicher Verbundenheit

Erst im Herbst des vergangenen Jahres nahm die Geschichte eine überraschende Wendung: Die Tochter von Friedrich Mann trat an das Landesmünzkabinett heran und bot die gesamte Sammlung als großzügige Schenkung an. „Eine alte Verbundenheit mit der Stadt. Die Frau hatte in Halle studiert“, erklärt Dräger die Beweggründe für diese Entscheidung.

Die Sammlung umfasst insgesamt 45 außergewöhnliche Münzen und Medaillen aus drei historischen Epochen:

  • Antike Prägungen von unschätzbarem Wert
  • Mittelalterliche Münzen mit historischer Bedeutung
  • Neuzeitliche Medaillen von künstlerischem Rang

Atemberaubende Qualität und wissenschaftliche Prüfung

„Als ich die Stücke zum ersten Mal sah, stockte mir der Atem. Eine derartige Qualität hatte ich nicht erwartet“, gesteht Sammlungsleiter Dräger. Viele der Münzen wirken nahezu prägefrisch und zeigen kaum Gebrauchsspuren.

Vor der Übernahme durch das Museum durchliefen sämtliche Objekte eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung. Experten prüften minutiös die Echtheit jedes einzelnen Stücks und dokumentierten deren historischen Wert. Nach Abschluss dieser umfangreichen Begutachtung konnte der spektakuläre Neuzugang endlich öffentlich gemacht werden. Ausgewählte Stücke sollen bereits ab dem Jahr 2027 in der Dauerausstellung des Museums präsentiert werden.

Außergewöhnliche Schätze aus der Antike

Besonders herausragend sind mehrere antike Goldstücke, die zu den wertvollsten Teilen der Sammlung zählen:

Eine persische Gold-Dareike aus der Zeit zwischen 400 und 330 vor Christus stellt ein absolutes Highlight dar. „Sie ist jetzt die älteste Münze in der Sammlung der Moritzburg und äußerst selten“, betont Dräger. Der Dareikos, eingeführt unter König Dareios I., galt als wichtigste Goldmünze des gesamten Perserreiches und fungierte als Leitwährung im östlichen Mittelmeerraum über Jahrhunderte hinweg.

Ebenfalls von immenser historischer Bedeutung ist ein goldener Stater des thrakischen Königs Lysimachos, der zwischen 305 und 281 vor Christus regierte. Dieses besondere Exemplar wurde als posthume Prägung vermutlich zwischen 150 und 140 vor Christus in Byzantion hergestellt, dem heutigen Istanbul.

Nach der fachkundigen Einschätzung von Dräger könnte diese Münze aus dem berühmten Schatzfund von Zooapse stammen, der 1908 am Schwarzen Meer entdeckt wurde. Nur etwa 30 bis 50 Exemplare dieser seltenen Prägungen wurden zwischen 1910 und 1920 auf internationalen Auktionen veräußert, was ihren heutigen Wert noch weiter steigert.

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Das Landesmünzkabinett Halle: Ein Zentrum der Numismatik

Das Landesmünzkabinett in Halle wurde im Jahr 1950 gegründet und zählt heute zu den bedeutendsten numismatischen Sammlungen in ganz Deutschland. Die Institution bewahrt und pflegt einen umfangreichen Bestand von etwa 50.000 Münzen und Medaillen sowie zusätzlich rund 60.000 historischen Geldscheinen.

Mit diesem spektakulären Neuzugang erweitert das Museum nicht nur seine Sammlung, sondern bewahrt auch ein wichtiges Stück Zeitgeschichte vor dem Vergessen. Die Münzen erzählen nicht nur von vergangenen Epochen, sondern auch von der Leidenschaft eines Sammlers, der seine Schätze durch Kriegswirren rettete und so für die Nachwelt erhalten hat.