Der 70. Eurovision Song Contest in Wien hat einen strahlenden Sieger: Bulgarien. Die Sängerin Dara setzte sich mit ihrem Titel „Bangaranga“ gegen die internationale Konkurrenz durch und erhielt die meisten Punkte der Jury und des Publikums. Deutschland hingegen erlebte eine herbe Enttäuschung. Die Kölnerin Sarah Engels belegte mit ihrem Song „Fire“ nur den 23. Platz von 25 Finalisten. Das gab der Südwestrundfunk (SWR) in der Nacht zum Sonntag bekannt.
Israel auf Platz zwei – Boykotte belasten den Wettbewerb
Israel wurde mit dem Lied „Michelle“ des Sängers Noam Bettan Zweiter. Das Lied, das auf Hebräisch, Englisch und Französisch gesungen wurde, erhielt viele Punkte des Publikums. Allerdings war die Teilnahme Israels erneut von politischen Spannungen überschattet. Fünf Länder – Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island – boykottierten den ESC wegen des Vorgehens Israels im Gazastreifen. Bereits im Halbfinale hatte es vereinzelte Zwischenrufe während des israelischen Auftritts gegeben. Im Finale blieben größere Störungen zunächst aus, doch beim Public Viewing vor dem Wiener Burgtheater waren Buhrufe zu hören, als der israelische Beitrag gezeigt wurde. Die Polizei nahm zudem 14 propalästinensische Aktivisten fest, die eine nicht angemeldete Versammlung abgehalten hatten.
Deutschland enttäuscht – Startnummer zwei als schlechtes Omen
Sarah Engels ging mit der Startnummer zwei ins Rennen. Diese Position galt als schlechtes Omen, denn noch nie hatte ein Beitrag von diesem Platz den Wettbewerb gewonnen. Auch die Wettbüros hatten ihr von Anfang an keine Chancen auf eine vordere Platzierung eingeräumt. Trotz einer energiegeladenen Performance mit reduziertem Intro und aufwändiger Choreographie mit viel Pyrotechnik reichte es nicht. ESC-Kommentator Thorsten Schorn kommentierte trocken: „Was haben wir alles abgebrannt. Jetzt geht der Spritpreis wieder hoch.“ Es half nichts – Deutschland landete auf dem vorletzten Platz. Der SWR hatte in diesem Jahr erstmals wieder die Federführung für den ESC übernommen, nachdem der NDR fast 30 Jahre lang verantwortlich war. In der NDR-Ära gab es zwar den Sieg mit Lena Meyer-Landrut (2010), aber auch sieben letzte oder vorletzte Plätze in den letzten elf Jahren. Das letzte wirklich gute Ergebnis für Deutschland liegt acht Jahre zurück: Michael Schulte wurde 2018 Vierter.
Österreichische Show mit nostalgischem Flair
Die Ausrichtung in Wien war geprägt von nostalgischen Elementen. Der Green Room, in dem die Teilnehmer auf ihre Punkte warteten, war im Stil eines plüschigen roten Wiener Kaffeehauses gestaltet. Das Moderatorenduo Victoria Swarovski und Michael Ostrowski bemühte sich um Lockerheit, blieb aber in den Augen vieler Zuschauer weniger lustig als die Vorgänger aus dem Vorjahr. Swarovski trat als „Professor Eurovision“ auf und dozierte in Hörsaal-Einspielern akademisch über ESC-Expertise. Vorjahressieger JJ performte seinen Siegersong und ein neues Lied. Der andere noch lebende österreichische ESC-Sieger Tom Neuwirth (Conchita Wurst) blieb fern, da er im Januar angekündigt hatte, sich von ESC-Veranstaltungen zurückzuziehen. Zum 70. Jubiläum gab es jedoch ein Wiedersehen mit vielen früheren Teilnehmern, darunter Lordi, Max Mutzke und Cesár Sampson.
Weitere Platzierungen und Ausblick
Hinter Bulgarien und Israel folgten Rumänien, Australien, Italien und Finnland auf den weiteren Plätzen. Insgesamt traten 25 Länder im Finale an. Der ESC bleibt ein Spiegel gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen, wie die Boykotte und die propalästinensischen Proteste zeigen. Für Deutschland stellt sich die Frage, wie man in Zukunft wieder an frühere Erfolge anknüpfen kann. Der SWR wird nun analysieren, welche Lehren aus diesem Jahr gezogen werden können.



