„Daddy is a state of mind – you know what i'm sayin‘“: Dieses Zitat des Schauspielers Pedro Pascal aus einem Lügendetektor-Video des Magazins „Vanity Fair“ machte ihn vor ein paar Jahren endgültig zum Internet-Meme. Übersetzt heißt dieser Satz so viel wie: „Daddy ist eine Lebenseinstellung – verstehst du, was ich meine?“ Und der Männertypus „Daddy“ scheint spätestens seitdem ein Riesending zu sein. Zeit für ein paar Fragen und Antworten zu diesem Phänomen.
Warum ist Pedro Pascal der Inbegriff des „Daddys“?
Pedro Pascal („Game Of Thrones“, „Narcos“) hat den Spitznamen „Daddy“ und die zugeschriebene Papa-Rolle besonders verinnerlicht und für sich akzeptiert. Im „Vanity Fair“-Interview erhob er das Daddy-Sein zur „Lebenseinstellung“ – nach dem Motto: Jeder sollte diejenigen schützen, die er liebe. Der inzwischen 51-Jährige erarbeitete sich den globalen Daddy-Status mit beschützenden Rollen etwa in der Serie „The Last of Us“. Besonders wichtig war auch die Serienrolle „Mandalorian“ in der „Star Wars“-Welt. Die wird jetzt auf die Spitze getrieben mit dem Film „The Mandalorian and Grogu“ (Kinostart 20. Mai). Darin kümmert sich Pascal als Kopfgeldjäger Din Djarin rührend um das knuffige, kleine Wesen Grogu mit den großen Ohren. Das Kind ist von derselben Spezies wie der frühere Jedi-Meister Yoda. Die Bezeichnung „Baby-Yoda“ ist aber falsch und outet einen als Ignoranten.
Muss ein sogenannter Daddy auch wirklich Vater sein?
Dass Pascal als „Internet Daddy“ schlechthin gehandelt wird, hat nichts mit seinem Familienstand zu tun. Privat ist der langsam ergrauende Filmstar kinderlos. Er ist nicht verheiratet. Er lässt sogar offen, ob er hetero-, homo- oder bisexuell ist, was ihn als (queere) Projektionsfläche geeignet macht. Was man aber weiß: Er ist ein politischer Kopf. Er setzt sich für Migranten-, Frauen- und Transgender-Rechte ein. Seine Schwester Lux ist trans. Als sie das 2021 öffentlich machte, hielt er stolz zu ihr. Er trug auch schon mal ein T-Shirt mit dem Slogan „Protect the Dolls“ (Beschützt die Puppen) – als „Dolls“ werden in der Ballroom-Kultur liebevoll Transfrauen bezeichnet. Außerdem: Pedro Pascal gibt – anders als viele andere prominente Männer – Schwächen und Probleme zu. Er berichtet etwa von Schlafproblemen oder einer Angststörung, er geht offen mit Tragödien um (wie etwa dem Suizid seiner Mutter). Pascal hat zudem keine Furcht vor Mode, also auffälligem Kleidungsstil, er trägt auch mal ein Muskelshirt oder fette Stiefel. Er gilt als mutige Person. Der „Stern“ fasste mal zusammen: „Er lässt Männlichkeitsbilder bröckeln und beweist, dass es heute ein bisschen mehr als Muskeln braucht, um zur männlichen Ikone zu werden. Nämlich Haltung, Prinzipien, Solidarität. Selbstreflexion.“
Welche Promis passen noch gut zum neuartigen Daddy-Klischee?
Der große andere Popkultur-„Daddy“ ist der 47 Jahre alte Filmstar Oscar Isaac („Dune“, „Frankenstein“). Er ist aktuell in der zweiten Staffel der Netflix-Serie „Beef“ zu sehen. Während Pedro Pascal in Santiago de Chile zur Welt kam, wurde Oscar Isaac in Guatemala-Stadt geboren. Man könnte nun denken, Stars müssten aus Lateinamerika stammen, um als Daddy wahrgenommen zu werden. Doch das führt weg vom Kern des Hypes. Es geht eher um eine Aura, um eine Ausstrahlung von „Alles wird gut, Kleine(r)“. Welche Ethnie der Mann hat, ob er graue Schläfen hat, Brusthaar oder einen Dad Bod (auf Deutsch: Vaterkörper, was das Bäuchlein meint, das viele Männer etwa ab den Vierzigern ihr Eigen nennen): All das ist ziemlich egal. Die Attraktivität etwa von Pedro Pascal speise sich aus der Fürsorglichkeit, die er in Rollen und Auftritten zur Schau stelle, meinte die Medienwissenschaftlerin Sophie Einwächter von der Uni Marburg in einem dpa-Gespräch 2025. Pascal sei „ein gutes Beispiel für eine positiv aufgeladene, spielerische, nicht perfekte und dabei für Frauen und viele Minderheiten 'sichere' Männlichkeit“. Gerade in der aktuellen krisenreichen Zeit fungiert so eine Art Kerl offensichtlich als Trostspender. Einen ähnlichen Hype habe es auch schon beim „Matrix“-Schauspieler Keanu Reeves gegeben, sagt Einwächter. Womit wir bei möglichen anderen Namen wären. „Daddy“-Prototypen in Hollywood waren wohl einst Richard Gere und George Clooney. Heute könnte man auch Ethan Hawke, Antonio Banderas und Mark Ruffalo dazu zählen. In Deutschland fiele einem – gerade wegen seiner fürsorglichen Rolle als neuer „Pumuckl-Papa“ – der Schauspieler Florian Brückner ein.
Ist diese Daddy-Bezeichnung nicht irgendwie problematisch?
Viele fremdeln mit der Umdeutung des Begriffs „Daddy“ zu einem popkulturellen Phänomen. Sie denken an „Vaterkomplex“, Sigmund Freud und Psychoanalyse. Dabei sind „Vaterkomplex“ und „Daddy Issues“ keine klinischen Begriffe. Sie haben sich bloß eingebürgert für Frauen (oder auch Schwule), die – angeblich wegen einer gestörten oder fehlenden Vater-Beziehung in der Kindheit – als Erwachsene ältere und vermeintlich unpassende Männer daten. Warum manche möglicherweise Schwierigkeiten haben, auf Gleichaltrige zu stehen oder sich überhaupt an andere zu binden, ist aber nicht vollends geklärt. Und sicher hat es nicht zwangsläufig mit dem eigenen Vater zu tun. Aus heutiger Sicht sollten Vorlieben wohl auch nicht vorschnell moralisiert werden. Im Grunde geht es meist um das wohl ganz natürliche Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit, nach Fürsorglichkeit, Vertrauen und emotionaler Wärme. Das soll jedoch nicht verschweigen, dass es auch die Daddy-Sexfantasie gibt, gar die Lust auf eine züchtigende Vaterfigur. Es gibt Frauen und Männer, die von einem Älteren dominiert oder ausgehalten werden möchten (Stichwort „Sugardaddy“). Es soll deshalb schon vorgekommen sein, dass Männer wegen der Assoziation mit Fetisch-Sex und Daddy-Kink ihren kleinen Kindern verbieten, sie „Daddy“ zu nennen statt Papi.



