Der Daddy als neuer Männertypus
Der Begriff „Daddy“ hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Wandel durchgemacht. Galt es früher als problematisch, mit „Daddy Issues“ assoziiert zu werden, so ist der Ausdruck heute zu einem popkulturellen Phänomen avanciert. Wer als „Daddy“ bezeichnet wird, muss nicht einmal Kinder haben. Ein Paradebeispiel ist der Schauspieler Pedro Pascal, der den Begriff für sich neu definiert hat.
Pedro Pascal: Der Inbegriff des Daddys
Der 51-jährige Schauspieler, bekannt aus „Game of Thrones“ und „Narcos“, hat den Spitznamen „Daddy“ nicht nur akzeptiert, sondern zur Lebenseinstellung erhoben. In einem Interview mit „Vanity Fair“ sagte er: „Daddy is a state of mind – you know what I‘m sayin‘“, was so viel bedeutet wie: „Daddy ist eine Lebenseinstellung – verstehst du, was ich meine?“ Diese Aussage machte ihn endgültig zum Internet-Meme. Pascal verkörpert den fürsorglichen Beschützer, sei es in der Serie „The Last of Us“ oder als „Mandalorian“ in der Star-Wars-Welt. Der Film „The Mandalorian and Grogu“, der am 20. Mai in die Kinos kommt, treibt diese Rolle auf die Spitze: Als Kopfgeldjäger Din Djarin kümmert er sich rührend um das kleine Wesen Grogu.
Was macht einen Daddy aus?
Ein sogenannter Daddy muss nicht unbedingt Vater sein. Pedro Pascal ist kinderlos und unverheiratet, seine sexuelle Orientierung lässt er offen, was ihn als queere Projektionsfläche attraktiv macht. Er setzt sich für Migranten-, Frauen- und Transgender-Rechte ein und zeigt öffentlich Schwächen, wie Schlafprobleme oder eine Angststörung. Der „Stern“ fasste zusammen: „Er lässt Männlichkeitsbilder bröckeln und beweist, dass es heute ein bisschen mehr als Muskeln braucht, um zur männlichen Ikone zu werden. Nämlich Haltung, Prinzipien, Solidarität. Selbstreflexion.“
Weitere Daddy-Vorbilder in der Popkultur
Neben Pedro Pascal gilt auch Oscar Isaac als großer Popkultur-Daddy. Der 47-jährige Schauspieler, bekannt aus „Dune“ und „Beef“, stammt wie Pascal aus Lateinamerika, doch der Hype um den Daddy-Typus ist nicht auf eine Herkunft beschränkt. Es geht um eine Aura der Geborgenheit, um die Ausstrahlung von „Alles wird gut“. Medienwissenschaftlerin Sophie Einwächter von der Uni Marburg erklärte, dass Pascals Attraktivität aus seiner Fürsorglichkeit in Rollen und Auftritten resultiere. Ähnliche Hypes gab es bereits bei Keanu Reeves, Richard Gere oder George Clooney. In Deutschland könnte man Florian Brückner nennen, der durch seine fürsorgliche Rolle als „Pumuckl-Papa“ auffällt.
Ist die Daddy-Bezeichnung problematisch?
Viele Menschen haben Vorbehalte gegen die Umdeutung des Begriffs „Daddy“. Sie assoziieren ihn mit „Vaterkomplex“ und Sigmund Freuds Psychoanalyse. Doch „Daddy Issues“ sind keine klinischen Begriffe, sondern umgangssprachlich für Frauen oder Schwule, die ältere Männer daten – angeblich wegen einer gestörten Vater-Beziehung. Die Ursachen für solche Vorlieben sind jedoch nicht vollständig geklärt und sollten nicht vorschnell moralisiert werden. Im Kern geht es oft um das natürliche Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit und emotionaler Wärme. Allerdings gibt es auch die Daddy-Sexfantasie, bei der eine dominante Vaterfigur begehrt wird. Dies hat dazu geführt, dass manche Männer ihren Kindern verbieten, sie „Daddy“ zu nennen, um Assoziationen mit Fetisch-Sex zu vermeiden.



