Wie Janet Jackson mein Leben veränderte: Eine persönliche Geschichte
Janet Jackson: Eine persönliche Geschichte

Janet Jackson wird 60 – und ich fühle mich plötzlich wieder wie 14. Wie das Mädchen aus Neukölln, das mit großen Träumen stundenlang vor einem Hotel wartete. Das Fanmagazine bastelte und nach Amerika schickte, ohne zu ahnen, was daraus einmal entstehen würde.

Mit 14 gründete ich einen Janet-Jackson-Fanclub. Mit Anfang 20 wurde ich Journalistin. Heute weiß ich: Ohne Janet wäre das wahrscheinlich nie passiert.

Das erste Treffen mit Janet

Ich war ein Teenager mit Träumen, die Erwachsene belächelten und Mitschüler verspotteten. Meine Freundin Isabell war riesiger Janet-Fan – und hatte mich angesteckt.

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Es war März 1995. Nachdem wir Janet Jackson bereits am Flughafen Tegel empfangen hatten, warteten wir stundenlang vor dem Schlosshotel im Berliner Grunewald, wo die Diva abgestiegen war.

Wir hatten ein Plakat vorbereitet. Janet winkte immer wieder aus dem Fenster. Und dann passierte das Wunder: Ihr damaliger Partner René Elizondo kam zu uns herunter – und brachte uns tatsächlich zu ihr in die Suite. Ein Foto. Ein paar Worte. Am nächsten Tag das Konzert in der Deutschlandhalle. Und danach wurden wir noch einmal backstage geholt.

Es waren die besten 48 Stunden meines bisherigen Lebens. Danach war nichts mehr wie vorher.

Mein deutscher Janet-Fanclub

Isabell und ich gründeten den deutschen Janet-Jackson-Fanclub. Zwei Mädchen, bewaffnet mit Schere, Kleber und viel Fantasie. Nach der Schule saßen wir im Copyshop in Neukölln, schnitten Fotos aus, klebten Layouts noch per Hand zusammen und machten daraus A5-Fanmagazine. Und wir nahmen unseren Job sehr ernst.

„The Janet Planet“ – so hieß der deutsche Fanclub von Özlem Evans. Für die selbst gestalteten und gedruckten Magazine führte sie sogar Interviews mit Janets Familienmitgliedern – darunter ihre Neffen TJ, Taj und Taryll Jackson von 3T.

Von Anfang an war das für uns mehr als nur ein Teenie-Hobby. Wir interviewten Familienmitglieder wie ihre Neffen von 3T, sprachen mit Janets Tänzern und sogar mit Opernsängerin Kathleen Battle, mit der sie ein Duett aufgenommen hatte.

Rückblickend waren wir erstaunlich professionell – auch wenn alles mit Schere, Kleber und einem Kopierer in Neukölln begann. Heute würde man dafür wahrscheinlich einfach einen Instagram-Account starten.

In unserem jugendlichen Leichtsinn schickten wir die Magazine einfach nach Amerika – an „JDJ Entertainment“, Janets Managementfirma. Ehrlich gesagt rechneten wir nie mit einer Antwort. Doch die Antwort kam. Plötzlich bekamen wir Hochglanzfotos zugeschickt, die wir offiziell in unseren Magazinen verwenden durften. Und eines Nachts klingelte mein Telefon. Ich hatte meine Eltern überredet, mir für den Fanclub eine eigene Leitung zu geben. Schließlich war ich die „Chefredakteurin“, wie ich damals stolz sagte. Ich sprang die Leiter meines Hochbetts hinunter. Als ich abhob, hörte ich zuerst nur Meeresrauschen.

Malibu, wie ich kurz darauf erfuhr. Dann meldete sich eine amerikanische Männerstimme: „This is René Elizondo.“

Und kurz darauf hatte ich plötzlich Janet Jackson am Telefon. Sie bedankte sich für meine Arbeit und sagte, sie freue sich darauf, mich bald wiederzusehen. Egal, was wir benötigen würden, wir sollten uns jederzeit bei ihrem Management melden.

Ich war 15 Jahre alt, stand mitten in der Nacht in meinem Kinderzimmer in Neukölln – und sprach mit einem der größten Popstars der Welt. Ich rannte ins Schlafzimmer meiner Eltern, weckte sie und schrie: „Janet hat mich angerufen!“ Meine Eltern schauten mich völlig verdutzt an und dachten, sie träumen. Ich auch. Aber ich war glücklich. So glücklich.

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Die Einladung nach Los Angeles

1997 ging der Traum noch weiter. Wir bekamen Post aus Amerika: Janet wolle einige ihrer größten Fans aus aller Welt nach Los Angeles einladen. Alles bezahlt. Weil ich minderjährig war, durfte sogar meine Mutter mitkommen. Meine Gastarbeitermutter, die vermutlich nie gedacht hätte, einmal nach Amerika zu fliegen. Drei Tage Los Angeles. Fans aus aller Welt. Nicht als PR, die Medien wussten noch nicht einmal Bescheid. Janet organisierte eine Party für uns und nahm uns mit zu einer Veranstaltung, bei der sie ausgezeichnet wurde. Wir waren im Carmel Hotel in Santa Monica untergebracht. Und ich werde nie vergessen, wie meine Mutter dort barfuß am riesigen Strand entlanglief. Eine Frau aus der Türkei, die in Berlin im Schichtdienst in einer Telefonfabrik arbeitete, plötzlich in Kalifornien, am Pazifik, weit weg vom Alltag. Dieser Moment hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.

Für viele Menschen war Janet einfach ein Superstar oder die kleine Schwester von Michael Jackson (†50). Für mich öffnete sie damals eine Tür. Zum ersten Mal verstand ich als Jugendliche, wie groß die Welt eigentlich ist. Dass Träume vielleicht nicht automatisch naiv sind. Dass Dinge möglich werden können, wenn man nur verrückt genug ist, daran zu glauben.

Und dann traf ich Janet als Journalistin

2002 bewarb ich mich bei BILD um ein Praktikum. In meiner Bewerbungsmappe lagen meine alten Janet-Fanmagazine. Ich bekam die Stelle. Später erzählte mir meine damalige Chefin, dass genau diese Magazine der Grund gewesen seien, warum sie sich für mich entschieden habe. Weil sie darin Leidenschaft sah. Initiative. Begeisterung. Und plötzlich wurde aus dem Mädchen mit Schere und Kleber tatsächlich eine Journalistin.

2004 traf ich Janet Jackson dann noch einmal. Dieses Mal nicht als Fan, sondern als junge Journalistin. Es war seltsam. Früher hatte ich sie anders erlebt: herzlich, offen, nahbar. Jetzt saß mir ein Weltstar gegenüber, viel vorsichtiger, viel schüchterner, fast verschlossen.

Ihr Manager wusste, dass ich „Özlem vom Fanclub“ war. Aber ich hatte ihn gebeten, Janet vorher nichts zu sagen. Viele Jahre waren vergangen. Ich sah längst anders aus, war nicht mehr das Mädchen mit den selbst gebastelten Fanmagazinen.

Nach dem Interview erzählte ich es ihr dann doch. Sofort lächelte sie mich an – genau wie früher. Ich sagte ihr, dass ich heute nur ihretwegen hier sitze. Und genau so fühlt es sich bis heute an.

Zum 60. Geburtstag von Janet Jackson denke ich deshalb nicht nur an ihre Karriere und ihre Erfolge zurück. Sondern auch an ein Mädchen aus Neukölln, das durch einen Popstar gelernt hat, größer zu träumen. Und daran, dass manchmal tatsächlich jemand zurückruft, wenn man seine Träume losschickt.