Kanye Wests Europa-Tour gerät unter Druck: Marseille-Auftritt verschoben und britische Einreise verweigert
Die geplante Europa-Tournee des umstrittenen US-Rappers Kanye West, der heute unter dem Namen Ye auftritt, steht zunehmend in der Kritik. Nachdem die britische Regierung dem Musiker die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigert hat, hat West nun auch seinen geplanten Auftritt in Marseille, Frankreich, auf unbestimmte Zeit verschoben. Diese Entscheidung kam, nachdem bekannt wurde, dass Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez entschlossen war, das Konzert zu verbieten.
Frankreich: Antisemitische Äußerungen als Straftat
Der 48-jährige Kanye West sollte ursprünglich am 11. Juni im Velodrome in Marseille auftreten. Aus dem Umfeld des französischen Innenministers hieß es jedoch, dass die zuständigen Stellen ein mögliches Konzertverbot prüften. Grund dafür sind antisemitische Aussagen des Rappers, die in Frankreich nicht bloß als Meinung, sondern als Straftat gelten. Bereits der Bürgermeister von Marseille, Benoît Payan, hatte sich vehement gegen den Auftritt ausgesprochen und erklärt: „Ich weigere mich, dass Marseille eine Vitrine für diejenigen ist, die Hass und hemmungslosen Nazismus fördern.“ West war in der Vergangenheit wiederholt mit rassistischen und antisemitischen Äußerungen aufgefallen, was zu breiter Empörung führte.
Großbritannien: Einreiseverbot und Festival-Absage
Noch entschlossener handelte die britische Regierung, die dem Rapper die Einreise in das Vereinigte Königreich verweigerte. Ye sollte eigentlich in diesem Sommer beim Wireless Festival im Londoner Finsbury Park auftreten, doch die Ankündigung sorgte in einem Land, das mit antisemitischen Straftaten zu kämpfen hat, für massive Kritik. Die Regierung machte dem Vorhaben schließlich einen Strich durch die Rechnung, woraufhin das Festival komplett abgesagt wurde. Diese Maßnahme wurde von Auschwitz-Überlebenden begrüßt, die ähnliche Schritte in anderen europäischen Ländern forderten.
West entschuldigt sich erneut
Kanye West, einer der einflussreichsten und polarisierendsten Künstler der Musikindustrie, hatte 2025 ein Lied mit dem Titel „Heil Hitler“ veröffentlicht und sich Anfang des Jahres in einer ganzseitigen Anzeige im „Wall Street Journal“ entschuldigt. Er betonte, weder Nazi noch Antisemit zu sein, und führte seine früheren Äußerungen auf eine bipolare Störung zurück. Nach der Verschiebung des Marseille-Auftritts folgte eine weitere Entschuldigung des Rappers auf X, in der er erklärte: „Ich weiß, es braucht Zeit, um die Aufrichtigkeit meines Bemühens zu verstehen, Wiedergutmachung zu leisten.“ Er übernehme volle Verantwortung, wolle aber seine Fans nicht hineinziehen.
Debatten in anderen europäischen Ländern
Die Tournee von Kanye West umfasst auch geplante Auftritte in Polen, Italien und Spanien, wo es derzeit keine Debatten über Absagen gibt. Anders sieht es in den Niederlanden aus: Am 6. und 8. Juni soll Ye in Arnheim an der niederländisch-deutschen Grenze auftreten. Eine Mehrheit der Parteien im Parlament will prüfen lassen, ob ein Auftritt nach britischem Vorbild verboten werden kann. Die Regierung ist jedoch zurückhaltend und betont, dass einem Ausländer die Einreise nur bei Gefahr für die öffentliche Ordnung verweigert werden dürfe – was bisher nicht festgestellt wurde. Die christdemokratische Regierungspartei CDA sprach sich für ein Verbot aus, während der Arnheimer Bürgermeister Ahmed Marcouch keinen rechtlichen Grund sieht.
Offiziell hat Kanye West sein Konzert in Marseille nur verschoben und nicht abgesagt, sodass die französischen Behörden nun abwarten. Die Entwicklungen zeigen, wie politischer und gesellschaftlicher Druck die Pläne des umstrittenen Künstlers in Europa beeinflussen.



