Quadro Nuevo: 30 Jahre Weltmusik und Straßenkonzerte - Ein Interview mit Mulo Francel
Quadro Nuevo: 30 Jahre Weltmusik im Interview mit Mulo Francel

Quadro Nuevo: Drei Jahrzehnte musikalische Weltreisen und Straßenkonzerte

Nach beeindruckenden 4000 Auftritten, darunter zahlreiche spontane Straßenkonzerte, feiert das renommierte Ensemble Quadro Nuevo sein 30-jähriges Bühnenjubiläum mit einem besonderen Konzertprogramm in München. Die Musiker sammeln kontinuierlich Eindrücke auf verschiedenen Kontinenten, spielen mit lokalen Musikern vor Ort und bringen dann die musikalische Welt zurück nach Europa. Am 18. Februar, Aschermittwoch, präsentieren sie ihr Programm in der Isarphilharmonie.

Musikalische Grenzen und kulturelle Begegnungen

Im Interview mit der AZ erklärt Saxophonist Mulo Francel die Herausforderungen und Chancen interkultureller musikalischer Zusammenarbeit. „Menschlich gibt es keine Grenzen. Aber musikalisch“, betont Francel. Er verweist auf ein aktuelles Video, das ihn beim Spiel mit einem iranischen Musiker zeigt. „Er spielte eine Sornay, eine Art Schalmei mit Doppelrohrblatt für zeremonielle Anlässe. Ich mit dem Saxophon. Die Tonleitern und Melodien der Sornay haben eine völlig andere Tonalität. Da wird es schwierig, wirklich mit unseren europäischen Instrumenten zusammenzukommen und etwas Schönes zu kreieren.“

Dreißig Jahre Ensemble-Geschichte und Gleichberechtigung

Francel und Bassist D.D. Lowka sind seit der Gründung vor dreißig Jahren bei Quadro Nuevo. Die beiden anderen Gründungsmitglieder, Gitarrist Robert Wolf und Akkordeonist Heinz-Ludger Jeromin, sind verstorben. Auf die Frage, ob er damit der prägende Kopf der Gruppe sei, antwortet Francel zurückhaltend: „Das zu sagen, widerstrebt mir und würde uns nicht gerecht. Unsere Identität ist genau die Gleichberechtigung.“ Er betont die Bedeutung gemeinsamer weltanschaulicher und philosophischer Grundlagen für das musikalische Zusammenspiel.

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„Bei Quadro Nuevo muss sich jeder einfügen und Schwächen vom anderen tolerieren. Stärken sind ja eh da“, erklärt Francel. Zu seinen eigenen Stärken zählt er das Entwickeln von Konzepten und das Schaffen musikalischer Bilder. „Ich sag' dann: Lasst uns was mit einer ägyptischen Band machen, aber dazu müssen wir halt wirklich hin und Hotels und Kairo mal verlassen - rausgehen!“

Straßenkonzerte versus Konzertsäle

Ein Markenzeichen von Quadro Nuevo sind spontane Straßenkonzerte. Francel erklärt den Unterschied zur Bühne der Isarphilharmonie: „Auf der Straße kann man schauen, wie was rüberkommt. Da hat keiner Eintritt gezahlt, sondern bleibt stehen, wenn ihn etwas an der Musik fesselt. Wenn sich dann eine Traube bildet, wird es spannend, weil man da direkt mit den Leuten kommuniziert.“

Im Konzertsaal hingegen will das Ensemble die Zuhörer für zwei Stunden in eine Parallelwelt entführen. „Da geben wir ihnen zur Musik auch noch Bilder und Geschichten, die Wünsche, Sehnsüchte und die Fantasie nähren. Es ist ein Geborgenheitsgefühl, das ich beim Zuhörer erreichen will.“

Das Leben als reisender Musiker

Die Frage, ob man als Musiker mit zahlreichen Auftritten und Reisen ein bürgerliches Leben führen könne, beantwortet Francel mit einem historischen Vergleich: „Früher standen Musiker, wie Huren und Schauspieler, am Rande der Gesellschaft. Das ist heute nicht komplett anders.“ Er räumt ein, dass Künstler oft eine Nähe zu Drogen und Alkohol hätten und geregelte Arbeitszeiten mit Familienleben schwer vereinbar seien.

„Ich habe immer versucht, mein Musikerleben und die Familie in Balance zu bringen. Aber wie das heute meine, jetzt erwachsenen Kinder rückblickend sehen, weiß ich nicht genau“, reflektiert Francel, der selbst ohne Vater aufwuchs. Sein Vater, ein vertriebener Böhmen-Deutscher, nahm sich das Leben, als Francel sechs Jahre alt war. „Ich wollte es besser machen, für meine Kinder dasein, aber in der Rückschau war ich natürlich auch viel abwesend.“

Musikalische Sozialisation und Zukunftsperspektiven

Zur Musik kam Francel durch die Jazz-Sammlung seines Vaters. „In der Pubertät, wo man sich stärker dafür interessiert, wer der Vater war, habe ich eine Platte nach der anderen angehört: Bebop, Free- und Cool Jazz.“ Tonbänder mit Jazz-Sendungen komplettierten seine musikalische Sozialisation.

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Was sich in den letzten dreißig Jahren verändert hat? „Dass man auf Social Media präsent sein muss. Erwartet wird, dass man für Konzerte wirbt. Das ist natürlich nervig“, sagt Francel. Gleichzeitig erkennt er die Chancen digitaler Plattformen, um ein größeres Publikum für besondere Projekte wie die „Weltmusik“-Reihe im Silbersaal des Deutschen Theaters zu gewinnen.

Zur Zukunft von Quadro Nuevo sagt Francel: „Niemand kann in die Zukunft schauen. Aber Quadro Nuevo ernährt uns, ist unser Raum, uns zu verwirklichen. Das will man eigentlich nicht aufgeben.“ Das Ensemble bleibt damit auch nach drei Jahrzehnten eine lebendige musikalische Kraft zwischen Straßenkonzerten und Konzertsälen.