Udo Lindenberg zum 80.: Ein Leben für die deutsche Leichtigkeit
Udo Lindenberg: Ein Leben für die deutsche Leichtigkeit

Udo Lindenberg wird 80. Unser großer Bruder. Ein Hotelfoyer, ein kurzer Dialog, ein langes Echo: Udo Lindenberg macht aus deutscher Schwere Leichtigkeit – mit Witz, Melancholie und Soul. Von der „Andrea Doria“ bis zum späten zweiten Akt, der alles noch einmal öffnet. Eine persönliche Würdigung von Thomas Hüetlin.

Eine Begegnung im Hyatt

Es war der 3. Oktober im Jahre Irgendwann. Der Himmel über Berlin grau. Die Gesichter der Menschen nicht viel besser. Udo und ich liefen durch das Foyer des Hotels Hyatt. „Bisschen rumstreunen“, wie Udo das nennt. Oben in seiner Suite arbeitete die Zarin, zuständig fürs Optische bei Udo, daran, die Räume, wie Udo sagte, „bisschen zu vermenschlichen“. Also paar Tücher und Zeug auszulegen, damit Udo sich wohlfühlt und nicht gleich auf den Gedanken kommt, den Fernseher aus dem Fenster zu werfen oder wieder zurück ins Atlantik zu fahren oder so was.

Begegnung mit Altkanzler Schröder

Wir gingen also durchs Hyatt und ein kleiner Mann kam von hinten angelaufen. Er hatte viele Tüten in den Händen. Der Mann tippte Udo auf die Schulter. „Na, Udo, kennst du mich noch“, sagte der Mann. „Ich bin's, Gerhard.“ Udo blickte den Mann an. Es war Gerhard Schröder. „Joah, Gerhard, schön, dich zu sehen“, sagte Udo. „Vor allem heute, am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Breitheit.“ „Breitheit?“, fragte Schröder. „Joah, Breitheit“, sagte Udo zum Bundeskanzler a. D. „Weißt du, Gerhard, Leute wie du und ich haben Deutschland ein bisschen breiter gemacht. Ist jetzt breiter, also größer, Deutschland.“ Schröder lächelte dankbar. Breitheit. Es war das Land gemeint.

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Das letzte Mal hatten sich beide vor Jahren in Udos Garderobe in einem Fußballstadion gesehen, als Schröder nach viel Rotwein die Tür zur Toilette mit der eines Schranks verwechselte und in der Dunkelheit des Schranks mit der Wand kollidierte. „Das hast du schön gesagt, Udo, wir sollten uns bald mal wiedersehen“, meinte Schröder brav. Dann musste er los. Die vielen Tüten. Seine neue Frau wartete. Udo schob den Hut in den Nacken. „Joah, das mit den Designertüten, das ist alles Quatsch. Hab ich auch mal gemacht. Ein paar Monate lang. Nicht gut für die Liebe, ne.“

Das coole Deutschland

Früher haben Schröder und Udo mal in einem Team gespielt. Man könnte diese Mannschaft das coole Deutschland nennen. Wie man an Schröder sehen kann, ist es nicht so leicht, darin einen Stammplatz zu behaupten. Seltsame Diktatorenfreunde. Das Gefühl, früher zu wenig Geld verdient zu haben. Eine Frau, die viele Tüten füllen lässt. Es kann viel passieren.

Udo Lindenberg hat aus deutscher Schwere Leichtigkeit gemacht. Er nahm das Harsche und Harte, das Hackenzusammenschlagende heraus aus dem Deutschen. Mit seinem unverkennbaren Stil, seiner tiefen Stimme und seinen Texten voller Witz und Melancholie wurde er zum Panikrocker der Nation. Seine Lieder wie „Andrea Doria“ oder „Sonderzug nach Pankow“ sind zeitlose Klassiker, die Generationen geprägt haben.

Nun wird er 80 Jahre alt. Ein zweiter Akt, der alles noch einmal öffnet. Udo bleibt, was er immer war: unser großer Bruder, der uns lehrt, dass das Leben trotz aller Schwere leicht sein kann – mit Musik, mit Humor, mit Soul.

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