Willy Astor, bekannt als Kabarettist, hat mit seinem Instrumentalprojekt „The Sound of Islands“ eine siebte Ausgabe veröffentlicht. Im Interview mit der AZ spricht er über Musik als Lebenselixier, seine Anfänge als Musiker und seine Sorgen vor Künstlicher Intelligenz.
Ein Luxushobby namens „The Sound of Islands“
Astor bezeichnet sein Projekt als „Luxushobby“. Warum? „Als Komödiant musste ich mich damals erst einmal mit lustigen Liedern ernähren. Aber mir wurde das zu monothematisch. Zuhause hatte ich die Sehnsucht, etwas zu produzieren, das eine eigene Sprache spricht. Meine Lieblingsfarbe ist bunt – das ist mein Credo. Ich wollte harmonische Gitarrenmusik machen und die Leute in meine Klangwelt holen.“
Der kreative Prozess: Von der Komödie zur Instrumentalmusik
Die Instrumentalstücke entstehen aus einem starken Bedürfnis heraus. „Wenn ich merke: Da kommt etwas, machen meine Finger plötzlich Bewegungen, die sie vorher nicht gemacht haben. Dann muss ich es sofort festhalten, sonst ist es weg.“ Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern ergibt sich oft zufällig: „Maria, meine Hackbrettspielerin, ist die Freundin unseres Tourbegleiters. Sie war plötzlich auf Tour und erzählte, dass sie Hackbrett spielt. Da haben wir gedacht: Das müssen wir verewigen.“
Sieben Ausgaben von „Sound of Islands“: Eine Entwicklung
Die Stücke sind raffinierter geworden, aber die Grundlage bleibt: „Zuerst kommt die Melodie, dann die Akkordgestaltung. Man kann aus drei Akkorden unglaublich viel machen – von billig bis tiefgängig. Das ist eine große Leidenschaft von mir.“
Der Weg zur Musik: Von der Gitarre zur ersten großen Liebe
Astor lernte zunächst Akkordeon, hörte aber mit 16 auf: „Ich wollte Mädels kennenlernen – mit einem Akkordeon glänzt man am See nicht. Also begann ich Gitarre zu spielen. Die Gitarre wurde meine erste große Liebe. Ich bin ein Instrumente-Junkie. Ich habe keine großen Laster, aber ich liebe gut klingende Instrumente.“ Seine älteste Gitarre ist eine Washburn von 1898, eine Martin von 1930 wiegt nur 1,4 Kilo.
KI in der Musik: Skepsis und Pessimismus
Astor zeigt sich sehr skeptisch: „KI ist ein Dieb bestehender Ideen, die Komponisten sich ausgedacht haben. Sie bedient sich einfach, ohne zu fragen. Leider wird KI so raffiniert, dass selbst bei der GEMA Leute versuchen müssen, KI-generierte Musik herauszufiltern. Das macht mir große Angst. Eine große Schar von Kulturschaffenden ist in Gefahr.“ Er wünscht sich kritische Konsumenten.
Was Kultur braucht, um zu florieren
„Junge Menschen müssen von der Kraft der Musik angezündet werden. Musik ist die Sprache, die überall auf der Welt gesprochen wird. Aber ich möchte niemanden leichtfertig ins Haifischbecken Kunst schicken. Man braucht einen langen Atem. Ich habe sieben Jahre unter Ausschluss der Öffentlichkeit gespielt und oft gezweifelt. Irgendwann braucht jeder Künstler Erfolg, um ruhiger schlafen zu können.“
Auf die Frage, wann er dieses Gefühl hatte, antwortet er: „Durch die Unterstützung des Bayerischen Rundfunks. Jürgen Barto lud mich in eine Sendung ein, in der ich kurz vor Mitternacht 20 Minuten auftreten konnte. Das beschleunigte meinen Durchbruch. Man braucht Mentoren und Redakteure, die an einen glauben. Talent allein reicht nicht. Man muss Überzeugungstäter sein.“
Neue Projekte und die Bedeutung der Kultur
Astor plant eine Sonderedition seines Stücks „Nautilus“ mit sechs Versionen, darunter eine Flamenco-Version von Ferdi Kirner und eine kraftwerkinspirierte mit Roberto Di Gioia. „Ich lebe von meinen Ideen und hoffe, weiter neue Stücke schreiben zu können. Das pulsiert wie ein Herz. Kultur bringt die guten Geister zusammen. In einer Zeit mit vielen negativen Strömungen ist es wichtig, dass die Menschen auf der guten Seite zusammenkommen.“
Konzerte und Musik seien Orte des Zusammenhalts: „Kultur ist ein wichtiger Grundpfeiler der Demokratie.“ Willy Astor spielt am 12. August mit seiner Band im Brunnenhof in München.



