One Billion Rising: Neubrandenburg tanzt gegen Gewalt an Frauen
Bei frostigen Temperaturen versammelten sich am vergangenen Sonnabend Dutzende Menschen auf dem Marktplatz in Neubrandenburg, um an der weltweiten Kampagne One Billion Rising teilzunehmen. Die Tanzdemonstration setzte ein klares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und fand bereits zum siebten Mal in der Stadt statt.
Orange Ballons und klare Botschaften
Der Marktplatz war geprägt von orangefarbenen Akzenten, die als Symbol für die Aktion dienten. Aus den Lautsprechern erklang Musik, während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine einstudierte Choreografie zum Aktions-Song Women on fire tanzten. Besonders eindrucksvoll war die Visualisierung einer erschreckenden Statistik: Alle drei Minuten stieg ein orangefarbener Ballon in die Luft, um darauf hinzuweisen, dass in Deutschland im gleichen Zeitraum ein Gewaltvorfall an Frauen geschieht.
Engagement aus Politik und Zivilgesellschaft
Die 2. Stellvertreterin des Oberbürgermeisters, Katja Piotrowski, dankte in ihrer Ansprache den Beratungsstellen der Stadt, die als erste Anlaufpunkte für Betroffene fungieren. Ohne ihr Engagement wäre unsere Stadt ein kälterer Ort, betonte sie. Carmen Fuchs vom Verein Quo vadis, der unter anderem das Neubrandenburger Frauen- und Kinderschutzhaus betreibt, erinnerte an das diesjährige Motto Women on fire – Ni una menos. Dieses spanische Motto bedeutet Nicht eine weniger und stammt aus der lateinamerikanischen Protestbewegung gegen Gewalt an Frauen.
Dunkle Realität: Gewalt im näheren Umfeld
In den Redebeiträgen wurde thematisiert, dass Gewalt gegen Frauen oft nicht von Unbekannten, sondern von Männern aus dem näheren Umfeld ausgeht. Eine aktuelle Dunkelfeldstudie der Bundesregierung bestätigt diese traurige Realität: Gewalt in Beziehungen und zwischen früheren Partnern bleibt häufig im Verborgenen. Weniger als fünf Prozent der Betroffenen erstatten in solchen Fällen Anzeige, was die Dimension des Problems unterstreicht.
Choreografie als Ausdruck des Protests
Die Tanzlehrerin Yvonne Schnee, die die Initiative in Neubrandenburg von Anfang an begleitet hat, studierte mit den Teilnehmern die Choreografie ein. Keiner hat es verdient, fremdbestimmt zu sein. Lasst uns tanzen!, rief sie zu Beginn der Aktion. Die Tanzbewegungen dienten nicht nur als künstlerischer Ausdruck, sondern auch als kraftvolles Mittel, um auf die UN-Statistik aufmerksam zu machen, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung wird.
Die Teilnehmergruppe setzte sich aus Dutzenden Frauen, Mädchen und einigen Männern zusammen, die gemeinsam ein sichtbares Zeichen für Solidarität und Widerstand setzten. Die Aktion One Billion Rising findet weltweit statt und verfolgt das Ziel, Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden. Der Name der Kampagne verweist auf die erschreckende Zahl von einer Milliarde Frauen, die laut UN-Angaben von Gewalt betroffen sind.
Die Veranstaltung in Neubrandenburg zeigte einmal mehr, wie wichtig lokales Engagement im globalen Kontext ist. Durch Tanz, Musik und symbolische Aktionen wie die Ballons wurde das Thema aus der Anonymität geholt und in die Öffentlichkeit getragen. Die Kombination aus künstlerischem Protest und politischer Botschaft machte den Tag zu einem beeindruckenden Beispiel für zivilgesellschaftliches Handeln.



