Verbotenes Ballett „Nurejew“ feiert Triumph in Berlin nach Zensur in Moskau
In einer bewegenden Premiere außerhalb Russlands hat das Ballett „Nurejew“ unter der Regie von Kirill Serebrennikow am Samstagabend in Berlin einen triumphalen Erfolg gefeiert. Das Staatsballett Berlin präsentierte die rund zweieinhalbstündige Inszenierung an der Deutschen Oper, die das Leben des legendären Tänzers Rudolf Nurejew erzählt, und erhielt dafür stehende Ovationen vom begeisterten Publikum.
Politische Zensur in Moskau führt zu Verbot der Aufführung
Das Stück, das 2017 uraufgeführt wurde, war 2023 vom Moskauer Bolschoi Theater aus dem Spielplan gestrichen worden. Als Grund nannte das Theater das russische Gesetz, das die Propaganda „nicht traditioneller Werte“ verbietet, ein von Kremlchef Wladimir Putin unterzeichnetes Regelwerk, das positive Darstellungen von Homosexualität unter Strafe stellt. In der Inszenierung sind homosexuelle Szenen und Männer in Frauenkleidern zu sehen, was in Russland zu hohen Geldstrafen führen kann.
Regisseur Kirill Serebrennikow, der Russlands Krieg gegen die Ukraine scharf kritisiert hatte, verließ aufgrund politischer Verfolgung seine Heimat. Sein Ballett „Nurejew“ hatte zuvor vier Auszeichnungen beim renommierten Tanzpreis Benois de la Danse erhalten und war stets ausverkauft. Nun hat er es in Berlin unter großem Appliss wieder aufleben lassen.
Die Geschichte von Rudolf Nurejew in einer einzigartigen Inszenierung
Das Ballett erzählt das Leben von Rudolf Nurejew, der als einer der besten Tänzer des 20. Jahrhunderts gilt. Die Handlung spannt einen Bogen von seinem Karrierebeginn über seine Flucht zu Sowjetzeiten bis zu seinem Tod nach einer Aidserkrankung. Als Rahmenhandlung dient die Aktion seines Nachlasses, wobei die Produktion Ballett, Oper und Schauspiel kunstvoll vereint.
Choreograph Yuri Possokhov hat die Tanzsequenzen gestaltet, die Nurejews künstlerisches Erbe einfangen. Die Aufführung in Berlin markiert die erste Präsentation außerhalb Russlands und unterstreicht die künstlerische Freiheit, die in Deutschland möglich ist.
Auswirkungen des russischen Gesetzes auf Kultur und Literatur
Das russische Gesetz hat weitreichende Folgen: Nicht nur Theaterstücke wie „Nurejew“ werden zensiert, sondern auch Verlage und Buchhandlungen haben Werke aus dem Angebot genommen, darunter Klassiker der Weltliteratur. Homosexualität selbst ist in Russland nicht verboten, doch die Darstellung wird streng kontrolliert.
In Berlin hingegen wurde die Inszenierung als Zeichen für künstlerische Ausdrucksfreiheit gefeiert. Die Aufführung zeigt, wie Kunst trotz politischer Unterdrückung weiterlebt und in anderen Ländern neue Heimat findet.
Die Zukunft des Balletts bleibt ungewiss, doch der Erfolg in Berlin könnte weitere internationale Auftritte ermöglichen. Für Serebrennikow und sein Team ist dies ein bedeutender Schritt, um Nurejews Vermächtnis zu bewahren und die Botschaft der Toleranz zu verbreiten.



