Kunstfestival „Begehungen“ belebt Chemnitzer Schauspielhaus als Galerie
Begehungen: Chemnitzer Schauspielhaus wird zur Kunstgalerie

Kunstfestival „Begehungen“ verwandelt Chemnitzer Schauspielhaus in temporäre Galerie

Das leerstehende Chemnitzer Schauspielhaus wird diesen Sommer zur Bühne für herausragende Gegenwartskunst. Parallel zum internationalen Festival „Theater der Welt“ plant das renommierte Kunstfestival „Begehungen“, den markanten Theaterbau aus dem Jahr 1980 für Besucher wieder zu öffnen. Vom 19. Juni bis 5. Juli sollen dort Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler präsentiert werden. Dazu wurde bereits ein weltweiter Aufruf gestartet, um innovative Kunstwerke für die Schau unter dem Titel „In der Vorstellung“ zu sammeln.

Jährliche Transformation verlassener Orte

Das Festival hat sich darauf spezialisiert, verlassene und ungenutzte Orte in temporäre Galerien zu verwandeln. In der Vergangenheit wurden bereits ein ehemaliges Gefängnis, eine Schwimmbad-Brache und im vergangenen Jahr sogar ein stillgelegtes Braunkohlekraftwerk zu einzigartigen Ausstellungsflächen umfunktioniert. Im Kulturhauptstadtjahr 2025 lockten die „Begehungen“ beeindruckende 56.000 Besucher an und bewiesen damit die große Anziehungskraft dieses ungewöhnlichen Kunstformats.

Thema: Die Inszenierung von Wirklichkeit

In diesem Jahr widmet sich das Festival einem hochaktuellen Thema: der Inszenierung von Wirklichkeit und den daraus entstehenden gesellschaftlichen Gefahren. Durch den massiven Einfluss digitaler Medien, KI-gestützter Bildgenerierung und beschleunigter Öffentlichkeiten lösen sich die Grenzen zwischen Realität und Simulation zunehmend auf. „In diesem Spannungsfeld geraten demokratische Aushandlungsprozesse unter Druck, während autoritäre und technokratische Herrschaftsmodelle an Einfluss gewinnen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung der Veranstalter. Das Festival möchte solche gefährlichen Inszenierungsstrategien mit den Mitteln der Kunst kritisch reflektieren und ihnen etwas Wirkmächtiges entgegensetzen.

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Kontroverse um das Schauspielhaus

Um das aktuell leerstehende Schauspielhaus als wichtige Kulturinstitution der Stadt wird seit längerem kontrovers diskutiert. Der markante Bau wurde 1980 eröffnet, nachdem sein Vorgängerbau einem verheerenden Feuer zum Opfer gefallen war. Ursprünglich sollte das Gebäude für 16 Millionen Euro umfassend saniert werden. Doch die Kosten sind laut Stadtverwaltung explodiert, sodass die Arbeiten derzeit ruhen und sogar ein Neubau an anderer Stelle im Gespräch ist. Im vergangenen Jahr hatten Aktivisten das Gebäude besetzt, um für den Erhalt des historischen Baus und gegen Einsparungen im Kultur- und Sozialbereich zu protestieren.

Die „Begehungen“ nutzen diese besondere Situation nun kreativ und machen das Schauspielhaus für mehrere Wochen zu einem lebendigen Ort des künstlerischen Austauschs. Der Open Call 2026 lädt Künstlerinnen und Künstler weltweit ein, sich mit ihren Werken an diesem besonderen Projekt zu beteiligen und das Haus mit neuem kulturellen Leben zu füllen.

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