Sternenflüge mit mehr als einem Hauch Erdenschwere: Peschels Schweriner Trilogie findet ihren Abschluss
Ein ganz besonderes Science-Fiction-Abenteuer hat im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin Premiere gefeiert. Milan Peschel schließt mit seiner Inszenierung „Sterni und die Astronauten“ in der Schweriner M*Halle eine bemerkenswerte Trilogie ab, die nach „Chico Zitrone im Tal der Hoffnung“ und „Ich werde dich lieben“ den dritten Teil darstellt. Das Stück verbindet kosmische Visionen mit unterschwelliger Kritik an den Vorgängen am Theater selbst.
Ein Pförtner als philosophischer Raumfahrer
Sterni, der „Pförtner einer staatlich subventionierten Spelunke“, lässt niemanden ungesehen an sich vorbeiziehen. Selbst eilige Besucher, die zum Chef möchten, werden von ihm mit tiefgründigen Monologen eingefangen. Während er immer wieder einen Schluck von seinem Bier – natürlich Sterni – nimmt, sinniert er über die Möglichkeit, die Erde zu verlassen und in den Weltraum vorzustoßen. „Wir wollen eine andere Perspektive auf die Erde und auf unser Leben gewinnen“, erklärt Sterni und fügt hinzu: „Worauf es wirklich ankommt, ist, die Schwerkraft zu überwinden.“
Atemlose Reise durch Zeiten und Galaxien
Doch wie kann diese Überwindung gelingen? Wo blockiert die Realität den Blick auf Zukunftsvisionen? Und was benötigt es, um Utopien vielleicht Realität werden zu lassen? Peschel, der auch Regie führt, schickt ein siebenköpfiges Schauspielerensemble samt Weltraumhund auf eine knapp zweistündige, pausenlose Zeitreise ins All. Begleitet wird diese Reise von:
- Viel Musik und Anspielungen auf Science-Fiction-Klassiker
- Der in modernen Theatern scheinbar unverzichtbaren Handkamera von Jan Speckenbach
- Einer Endlosschleife des Starts von „Omega 13“, einer Apparatur, die die Zeit um 13 Sekunden zurückdrehen kann
Die Premiere am Freitagabend ließ die Zuschauer kaum Atem holen, wobei manchmal mehr Zeit zum Durchdenken von Szenen wünschenswert gewesen wäre.
Subtile Anspielungen auf die Theaterrealität
Obwohl das Stück oberflächlich als Riesenklamauk erscheinen mag, ist es bei weitem nicht nur lustig. Peschel und sein Ensemble haben zahlreiche subtile Anspielungen auf die Situation am Schweriner Theater eingebaut. Bemerkungen wie „Wie soll ich das erklären, wenn ich arbeitslos bin?“ oder die Erwähnung von „Rechenmaschinen, die als Addition getarnte Subtraktion praktizieren“ verweisen auf reale Hintergründe. Fast alle Darsteller werden in der nächsten Spielzeit nicht mehr auf der Schweriner Bühne stehen, da ihre Verträge nicht verlängert wurden – ein Umstand, der Peschel bereits im letzten Sommer zu öffentlichem Protest veranlasste.
Überzeugende Leistungen von Ensemble und Singakademie
Dem Ensemble merkt man diese existenzielle Dimension jedoch nicht an. Alle sind voll bei der Sache:
- Frank Wiegard und Sebastian Reck kommentieren im Stil der Muppetshow die Ankunft auf dem Planeten Koozebane
- Christoph Götz wird als siebter Astronaut plötzlich von einer Schar eigener Klone umgeben
- Julia Keiling flieht als Multi-Tasking-Mutter ins All
- Jennifer Sabel organisiert Zeitreisen ohne klare Destination
- Jonas Steglich besteht das Sternenabenteuer mit seinem Hund Captain Spock, dem heimlichen Star der Inszenierung
Ebenso überraschend sind die Auftritte der Schweriner Singakademie, die nicht nur musikalisch, sondern auch als Heer der Klone schauspielerisch brilliert.
Nachhallende Sätze und Hoffnung für die Zukunft
Was besonders in Erinnerung bleibt, sind prägnante Sätze wie „Arbeit ist Hoffnung“ und „Am Ende steht der Anfang“. Möge dieser Anfang am Schweriner Theater bald wieder Realität werden. Weitere Vorstellungen sind für den 8. März um 18 Uhr und den 21. März um 19.30 Uhr in der M*Halle des Mecklenburgischen Staatstheaters geplant.



