Neustrelitz: Wie eine trickreiche Theatertruppe es mit den Nazis aufnimmt
Dramatisch und komödiantisch zugleich kämpft eine Theatertruppe im besetzten Warschau um ihr Überleben in der Inszenierung „Sein oder Nichtsein“ am Landestheater Neustrelitz. Die Produktion, die auf dem gleichnamigen Hollywood-Film von Ernst Lubitsch aus dem Jahr 1942 basiert, zeigt, wie finstere Zeiten zur Komödie taugen können. Für die Schauspieler um Maria und Josef Tura wird das Spielen ihres Lebens zur realen Bedrohung, doch das findige Häuflein begegnet der Lage mit Energie, Witz und der Hilfe von William Shakespeare.
Komik in den dunkelsten Stunden
Die Komödie des britischen Autors Nick Whitby lässt eine Theatergruppe im von den Nazis besetzten Warschau auf humorvolle Weise mit dem Regime ringen. „Satire hat die Kraft, die Verhältnisse anders anzuschauen“, erklärt Dramaturg Oliver Lisewski. Er beschreibt das Stück als „wunderbares Werk über künstlerischen Widerstand“, in dem die Truppe unter dem Druck der Zensur statt politischer Farce auf Shakespeare umschwenkt. Diese Entscheidung erweist sich als nicht weniger subversiv, zumal die Gruppe gleichzeitig geheime Informationen vor den Nazis bewahren muss und sich in ein veritables Agentenabenteuer stürzt.
Theater im Theater: Ein schauspielerisches Vergnügen
„Wir schauen hinter die Kulissen einer Kunstform, die an ihren Krisen wächst und sich selbst in Frage stellen kann“, betont Oliver Lisewski. Mit zehn Mitwirkenden gehört „Sein oder Nichtsein“ zu den großen Produktionen dieses Jahres an der Theater- und Orchestergesellschaft. Für die Schauspieler liegt der Spaß darin, sich ständig neu zu entdecken, komödiantisch zu überhöhen und mit Stärken sowie Schwächen zu spielen. Bühnen- und Kostümbildnerin Sarah Wolters, die bereits mehrfach mit Regisseurin Naemi Friedmann zusammengearbeitet hat, hebt hervor: „Sie bringen einen wahnsinnigen Schatz mit und bewahren ihre Individualität in der Gruppe, weil so viel zwischen den Figuren passiert.“
Ein Bekenntnis zur Utopie einer besseren Welt
Sarah Wolters bekennt sich zum Theater als Ort für Utopien: „Es ist ein toller Beruf, in dem wir die Vision einer besseren Welt realisieren können. Utopie ist für mich Widerständigkeit.“ Sie empfindet „Sein oder Nichtsein“ als ein mutmachendes Stück, das zeigt, wie eine Truppe, die sich auch in Kleinkriegen verstrickt, immer wieder zusammenfindet und Unterschiede überwindet. Das enge Nebeneinander von tragischem Hintergrund und Alltagsleben beschreibt sie als „die Fallhöhe des Lebens“. Die Komödie ermöglicht es, den politischen Stoff „ohne Zeigefinger“ zu behandeln und sogar über die finsteren Zeiten zu lachen.
Aktualität nach 80 Jahren
Oliver Lisewski betont, dass dieser komödiantische Zugang auch acht Jahrzehnte später „einen schönen Bogen direkt in unsere Gegenwart“ schlägt. Indem den nationalsozialistischen Propagandakünstlern ihre eigenen Mittel entgegengesetzt werden und Shakespeare mit seinen Komödien über Verstellung und gebrochene Erwartungen wirkt, entsteht „Volkstheater im besten Sinne“. Die Inszenierung vereint großen Idealismus mit dem Glauben an die Kraft des Theaters, Menschen zusammenzubringen – von den verschiedenen Berufsgruppen hinter den Kulissen bis hin zur Begegnung mit dem Publikum.
„Sein oder Nichtsein“ hat am 20. Februar um 19.30 Uhr Premiere am Landestheater Neustrelitz. Weitere Vorstellungen sind für den 6., 14., 17. und 29. März geplant. Karten können unter der Telefonnummer 03981 206400 reserviert werden.



