Premiere in Bochum endet mit Bühnensturm und Angriff auf Schauspieler
Was als künstlerische Auseinandersetzung geplant war, endete in handgreiflicher Gewalt: Bei der deutschsprachigen Erstaufführung des Stücks „Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten“ am Samstag im Schauspielhaus Bochum stürmten zwei Zuschauer die Bühne und attackierten einen der Darsteller. Der Vorfall ereignete sich während des letzten Akts der Premiere und sorgte für massive Unruhen im Theater.
Provokanter Monolog als Auslöser für Tumulte
Das Stück des portugiesischen Autors Tiago Rodrigues erzählt von einer radikalen Familientradition, bei der jährlich ein Faschist getötet wird. Den emotionalen Höhepunkt bildet ein etwa zehnminütiger Monolog der Figur Romeu, gespielt von Ole Lagerpusch. Dieser beginnt mit konservativen Positionen und steigert sich zunehmend in fremdenfeindliche, homophobe und frauenverachtende Äußerungen.
Das Publikum reagierte zunächst mit lautstarken Buhrufen. „Halt die Fresse“, rief ein Zuschauer laut Berichten der „WAZ“. Ein anderer entgegnete: „Das gehört zum Spiel dazu, du Idiot“. Doch die Situation eskalierte, als zwei Männer die Bühne stürmten und den Schauspieler angriffen. Ein Kollege eilte zur Hilfe und konnte die Lage beruhigen. Der angegriffene Darsteller blieb glücklicherweise unverletzt.
Theater verurteilt Gewalt und verteidigt künstlerische Freiheit
In einer offiziellen Stellungnahme betonte das Schauspielhaus Bochum seine Rolle als Ort kontroverser künstlerischer Auseinandersetzung. „Das Schauspielhaus Bochum versteht sich als Raum, an dem schwierige Themen und ästhetische Herausforderungen verhandelt werden“, heißt es in der Erklärung. Gleichzeitig verurteilte das Theater die Gewalt aufs Schärfste: „Dass ein Schauspieler während seiner künstlerischen Arbeit körperlich angegriffen wurde, hat uns zutiefst erschreckt. Diese Übergriffe sind vollkommen inakzeptabel.“
Das Stück war bereits in anderen Ländern aufgeführt worden und hatte dort ebenfalls für kontroverse Reaktionen gesorgt. „Aber es ist noch nie vorgekommen, dass Zuschauer einen Schauspieler tatsächlich körperlich angegangen sind“, erklärte ein Sprecher des Theaters. „Es wurde handgreiflich.“
Künstlerische Provokation versus physische Gewalt
Die Ereignisse werfen grundsätzliche Fragen über die Grenzen künstlerischer Provokation und angemessener Publikumsreaktionen auf. Während Theater traditionell Emotionen wie Trauer, Romantik oder auch Wut hervorrufen soll, überschritt die Reaktion in Bochum deutlich die Grenze zur physischen Gewalt.
Die Inszenierung zeigt das Leben einer portugiesischen Familie, die mit ihrer radikalen Tradition hadert. Die Figur Sara soll den entführten Politiker Romeu töten, doch am Ende erhält ausgerechnet der Faschist das Wort für seinen hetzerischen Monolog. Diese dramaturgische Entscheidung erwies sich in Bochum als emotionaler Zündstoff.
Die Theaterleitung betonte, dass künstlerische Arbeit niemals Gewalt rechtfertige. Die Sicherheit der Darsteller habe oberste Priorität, auch bei kontroversen Inszenierungen. Wie mit solchen extremen Reaktionen des Publikums in Zukunft umgegangen werden soll, bleibt eine offene Frage für das Bochumer Schauspielhaus.



