Theaterpremiere in Neubrandenburg: Saša Stanišićs Dorfroman 'Vor dem Fest' erobert die Bühne
Neubrandenburg • Was ist das doch für ein Dorf, dieses Fürstenfelde! Vom Namen her zwar erfunden, aber zugleich frappierend echt, hat es durch den Roman „Vor dem Fest“ von Saša Stanišić literarische Berühmtheit erlangt. Inspiriert durch Fürstenwerder an der mecklenburgisch-uckermärkischen Grenze, kommt das vielschichtige Dorfporträt nun am Schauspielhaus Neubrandenburg auf die Theaterbühne. David Czesienski, Schauspieldirektor der Theater- und Orchestergesellschaft tog, hat den preisgekrönten Roman für die Bühne adaptiert.
Die Freiheit des Erzählens begeistert den Regisseur
„Er schreibt so, wie ich Theater machen möchte“, sagt David Czesienski über den deutsch-bosnischen Autor Saša Stanišić, der mit „Vor dem Fest“ 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse gewann. Das ist mittlerweile zwölf Jahre her, doch bis heute begeistert den Regisseur „diese Freiheit des Erzählens, dass man nicht weiß, was auf der nächsten Seite passiert, und dazu diese Menschenwärme“. Die Nacht „vor dem Fest“ erweckt in Fürstenfelde, das wie viele andere Dörfer vor sich hin zu siechen scheint, unfassbar viele Facetten und Figuren der Gegenwart und Vergangenheit zum Leben.
Das Erzähler-Wir zieht Leser und Zuschauer mit hinein in diese besondere Welt. „Selten gibt es einen Stoff, der so intensive Schnittpunkte mit dem Leben findet“, betont Regisseur David Czesienski. Für ihn ist dieser Romanstoff „fast eine Eintrittskarte, ihm hier in der Region nachzugehen“ und bietet eine besondere Verbindung zu seiner eigenen künstlerischen Arbeit.
Eine Brücke zwischen Herkunft und neuer Heimat
Der besondere Blick des 1978 in Bosnien geborenen, als Jugendlicher nach Deutschland gekommenen Autors auf eine Dorfgemeinschaft in der deutschen Provinz „erzählt mir etwas über meine Herkunft“, stellt der Theatermann fest. Sie baue auch eine Brücke von seinem berlin-brandenburgischen Hintergrund nach Mecklenburg, wo der 41-Jährige im vorigen Sommer die Leitung der tog-Schauspielsparte übernahm.
Nach einer poppig-showbetonten „Romeo und Julia“-Interpretation ist „Vor dem Fest“ seine zweite hiesige Regie-Arbeit. „Viele Bücher verändern einen, und dieses besonders“, sagt Czesienski über den Roman, dessen Bühnenfassung er selbst entwickelt hat. Dabei beeindruckten ihn erneut die spielerische Neugier im Umgang mit Sprache und die Kühnheit, in dem episodischen Erzählen „mit Absicht und Können gegen alle Regeln der Form vorzugehen und dennoch beim Gegenstand zu bleiben“.
Die Fülle der Sichtweisen bewahren
Die Probenarbeit begann bewusst mit einem Zuviel an Material, mit dem Vorsatz, „auszusieben“ und dennoch die Fülle der Sichtweisen zu bewahren. Der Dreh, in verschiedene Ebenen der Vergangenheit vorzudringen, mache bewusst: „Wenn wir unsere problematische Geschichte wegdrängen, sind wir nicht mehr wir. Wenn wir sie aber nutzen, kann sie uns über Probleme hinweghelfen.“
Auch in der Bühnenoptik werde daher nicht versucht, die Geschichte(n) zu illustrieren. Vielmehr solle sie die Freiheit gewähren, wie beim Lesen eigene Bilder zu erzeugen und die Figur der Heimatmalerin nutzen, in die Dorfgemeinschaft zu schauen „wie in ein Bild, das sich bewegt“. Diese Herangehensweise schafft Raum für die Imagination des Publikums und hält gleichzeitig die Essenz des literarischen Werkes lebendig.
Premiere und weitere Vorstellungen
„Vor dem Fest“ hat am 18. April um 19.30 Uhr Premiere im Schauspielhaus Neubrandenburg. Weitere Vorstellungen gibt es dort am 23. und 24. April sowie 1. und 5. Mai. Die Archivarin Johanna Schwermuth, gespielt von Susan Ihlenfeld, steht dabei im Mittelpunkt der Handlung, während das gesamte Ensemble das Dorfleben in all seinen Facetten zum Leben erweckt.
Das Stück verspricht nicht nur literarische Qualität, sondern auch ein tiefgründiges Theatererlebnis, das die Zuschauer in die besondere Welt von Fürstenfelde entführt. Karten sind unter der Kartentelefonnummer 0395 5699832 erhältlich. Diese Inszenierung markiert einen wichtigen Punkt im Spielplan des Schauspielhauses Neubrandenburg und zeigt die Verbindung zwischen zeitgenössischer Literatur und modernem Theater.



