Andrew-Skandal erschüttert britische Monarchie: Festnahme löst Debatte über Zukunft der Krone aus
In Großbritannien wird derzeit intensiv über die Zukunft der Monarchie diskutiert, nachdem Prinz Andrew Mountbatten-Windsor, der Bruder von König Charles III., vorübergehend festgenommen wurde. Der 66-Jährige steht im Zusammenhang mit dem Skandal um den verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Die britische Bevölkerung reagiert gespalten auf die jüngsten Entwicklungen.
Gemischte Reaktionen vor dem Buckingham-Palast
Trotz anhaltenden Regens und der Schocknachrichten über Andrew bleiben die Touristenmassen vor dem weltberühmten Buckingham-Palast nicht aus. Allerdings zeigen sich viele Besucher zurückhaltend, wenn es um Kommentare zum Skandal geht. „Wenn es um ihn geht, nicht“, sagt eine Passantin im Vorbeigehen. „Ich hoffe, er wird für immer weggesperrt.“ Die Frage, ob der Sündenfall Andrews das Ende der britischen Monarchie bedeuten könnte, schwebt über den Gesprächen.
An diesem Wochenende deutet im Zentrum Londons jedoch wenig darauf hin, dass der Epstein-Skandal unmittelbare Auswirkungen auf das Vereinigte Königreich hat. Andenken werden weiterhin gekauft und Fotos vom prunkvollen Palast geschossen. „Die britischen Menschen mögen die Idee der Monarchie“, erklärt der 77-jährige John, „sofern diese Monarchie auch die Werte der Britinnen und Briten widerspiegelt.“ Er glaubt, dass das Königshaus den Skandal überstehen wird, da Charles III. mit seinen bisherigen Reaktionen „das Richtige“ getan habe.
König Charles III. reagiert entschlossen
König Charles III. ließ kurz nach der vorübergehenden Festnahme seines Bruders eine klare Stellungnahme veröffentlichen. Darin betonte er, dass das Gesetz seinen Lauf nehmen müsse, und erwähnte Andrew mit dessen neuem, bürgerlichen Namen: Andrew Mountbatten-Windsor. Dieser offene Umgang mit dem Problem wird im Vergleich zu früheren royalen Zeiten als fortschrittlich bewertet.
Die langfristigen Auswirkungen der jüngsten Krise sind noch schwer abzuschätzen. Andrews Verwicklung in den Epstein-Skandal belastet die Briten seit Jahren. Bereits in Umfragen vor der Festnahme galt der zweite Sohn von Queen Elizabeth II. als das mit Abstand unbeliebteste Mitglied der Königsfamilie. An der Spitze der Beliebtheitsskala wechselten sich zuletzt Charles III., sein Sohn William als Thronfolger und dessen Ehefrau Kate ab.
Umfragen zeigen gemischte Stimmung
Grundsätzlich schneiden die Royals in aktuellen Umfragen nicht schlecht ab. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov sahen im Januar sechs von zehn Briten die königliche Familie und die Institution der Monarchie in einem positiven Licht. Etwa ein Drittel bewertete die Royals negativ. „Ausgesprochen stolz“ auf die britische Monarchie waren im Januar 47 Prozent der Befragten. Die Frage bleibt, wie sich diese Zahlen nach dem jüngsten Skandal entwickeln werden.
Medien sprechen von historischer Krise
Die Zeitung „The Times“ bezeichnete die aktuelle Situation als eine „weitaus größere Krise“ als die Abdankung von König Edward VIII. im Jahr 1936. Die Entwicklung wird stellenweise mit Zynismus aufgenommen. „Das alles überpasst mich nicht“, sagt der 24-jährige Emil vor den Toren des Buckingham-Palastes. „Ich glaube, das bedeutet gar nichts, traurigerweise. Sie werden das ohne große Änderungen überleben.“ Sein Tonfall, der zwischen Resignation und Desinteresse schwankt, spiegelt die Haltung vieler junger Briten wider, denen die Monarchie oft gleichgültiger ist als älteren Generationen.
Organisierter Widerstand gegen die Krone
In Großbritannien formiert sich mit wechselnder Intensität auch organisierter Widerstand gegen die Monarchie. Kritiker werfen der Krone überzogenen Reichtum, undurchsichtige Geldflüsse und ein veraltetes, patriarchalisches System vor. „Die Unterstützung für die Monarchie ist seit Jahren ziemlich stetig zurückgegangen“, erklärt Graham Smith, Chef der Anti-Monarchie-Organisation Republic. Er ist überzeugt, dass der Andrew-Skandal zu Veränderungen führen wird: „Es wird für sie nahezu unmöglich sein, sich davon zu erholen und ihren Ruf wiederherzustellen.“ Die bisherigen Reaktionen des Königshauses seien lediglich das „absolute Minimum“ gewesen.
Erwartungen an die nächste Generation
William und Kate haben sich persönlich noch nicht zu Andrew geäußert, sollen aber den König in seinem Vorgehen unterstützt haben. „Ich glaube, William übernimmt immer mehr die Zügel, um bereit zu sein, wenn er übernimmt. Ich denke, dass sich wahrscheinlich vieles ändern wird“, zitiert die Nachrichtenagentur PA ein in Norfolk spazierendes Pärchen. Die beiden bezeichneten die Nachricht des Königs als „ziemlich brutal“.
Eine andere Passantin betont die Verantwortung der Königsfamilie: „Es gibt eine Verantwortung und eine Pflicht, und man erwartet von ihnen, dass sie diese ehren und ehrenhaft sind. Wenn man dann solche Dinge über ein Mitglied der königlichen Familie hört, dreht sich einem der Magen um.“ So wie unter Queen Elizabeth II. sei es nicht mehr: „Es gibt nicht mehr dieselbe Ehrerbietung.“
Durchsuchung in Windsor und lokale Meinungen
In Windsor, wo die Polizei am Freitag die luxuriöse Royal Lodge, Andrews früheren Wohnsitz, durchsuchte, äußert ein Passant Skepsis: „Niemand könne sagen, was die Königsfamilie von Andrews Verwicklungen in den Epstein-Skandal gewusst habe. Aber ich glaube, sie haben alles getan, um sich von ihm zu distanzieren.“ Nicht alle teilen diese Meinung. Ein Anwohner kritisiert, die Königsfamilie hätte früher auf die Vorwürfe reagieren sollen: „Sie haben viel zu lange gewartet.“ Ein anderer lobt hingegen Charles III.: „Sein Bruder, der König, ist sehr diplomatisch. Das ist genau das, was man von ihm erwarten würde. Er ist immer sehr akribisch und vorsichtig mit dem, was er sagt.“



