Krieg im Nahen Osten: Angriffe bei Straße von Hormus verschärfen Konflikt
Die strategisch wichtige Straße von Hormus zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman gerät immer stärker in den Fokus des eskalierenden Iran-Krieges. Mehrere Schiffe in und nahe der für den weltweiten Ölhandel entscheidenden Meerenge sind unter Beschuss geraten und wurden nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) von „unbekannten Geschossen“ getroffen.
Iran droht mit vollständiger Blockade der Ölroute
Die iranische Militärführung zeigt sich entschlossen, den Schiffsverkehr durch die etwa 55 Kilometer breite Meerenge weiter zu stören, um die Kriegskosten für die USA und Israel in die Höhe zu treiben. „Wir werden niemals zulassen, dass auch nur ein Liter Öl zugunsten der USA, der Zionisten und ihrer Partner durch die Straße von Hormus transportiert wird“, erklärte ein Militärsprecher am Mittwoch. Jedes Schiff und jede Ölladung für diese Staaten seien legitime Ziele.
Kaum ein Schiff kann derzeit wegen der Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen die Straße passieren. Die Handelsschifffahrt in der Region ist seit Beginn der jüngsten Kampfhandlungen beinahe vollständig zum Erliegen gekommen.
Gegenseitige Angriffe zwischen Israel und Iran gehen weiter
Parallel zur Eskalation an der Straße von Hormus überziehen sich Israel und der Iran weiter mit gegenseitigen Angriffen. In der Nacht zum Mittwoch startete der Iran mehrere Raketenangriffe auf den jüdischen Staat, wobei es im Großraum Tel Aviv wiederholt zu Raketenalarm kam. Irans Revolutionsgarden bestätigten die Angriffe, Berichte über Verletzte oder Schäden liegen jedoch nicht vor.
Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim sprach von der heftigsten iranischen Angriffswelle seit Kriegsbeginn. Das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) teilte hingegen mit, die iranischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen seien seit den ersten 24 Stunden der israelisch-amerikanischen Angriffe drastisch zurückgegangen.
Israels Militär startete nach eigenen Angaben indes eine neue Angriffswelle im Iran. Über den Westen Teherans donnerten am Mittwochmittag (Ortszeit) nach iranischen Angaben israelische Kampfjets und flogen Luftangriffe. Zu diesem Zeitpunkt versammelten sich im Zentrum Teherans zahlreiche Regierungsanhänger zu einer großen Trauerzeremonie für die im Krieg getöteten Kommandeure.
Internationale Reaktionen und strategische Ölreserven
Die jüngsten Entwicklungen befeuern die Sorge um die Sicherheit der internationalen Energieversorgung. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Ölexport. Experten gingen bereits vor Kriegsbeginn davon aus, dass Teherans Seestreitkräfte den Handel empfindlich stören könnten – eine Befürchtung, die sich nun zu bestätigen scheint.
In der Hoffnung, den rasanten Ölpreisanstieg abzufedern, will die Internationale Energieagentur (IEA) eine Rekordmenge strategischer Ölreserven freigeben. Auch Deutschland kommt der IEA-Bitte nach und will 19,51 Millionen Barrel beisteuern. Gleichzeitig sollen Tankstellen in Deutschland nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen.
Zuletzt hatten Berichte über angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegte Seeminen die Besorgnis weiter verstärkt. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben 16 iranische Minenleger-Schiffe. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran im Fall einer Sperrung der Meerenge mit schweren Bombardierungen.
Angriffe in der Golfregion und diplomatische Bemühungen
Auch die Angriffe auf die Golfregion aus dem Iran gehen weiter. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Saudi-Arabien sowie Katar, Kuwait und Oman meldeten die Behörden Beschuss mit iranischen Drohnen und Raketen. Die Geschosse konnten den Angaben nach jedoch meist abgewehrt werden.
In der Golfregion ist derzeit Außenminister Johann Wadephul (CDU) auf Krisenbesuch. Am Dienstag war er bereits in Israel, um über die eskalierende Situation zu beraten und diplomatische Lösungsansätze zu erörtern.
Rätsel um neuen iranischen Führer
Regierungsanhänger und internationale Beobachter warten gleichzeitig gespannt auf eine erste Wortmeldung des neuen obersten Führers der Islamischen Republik. In der Nacht zum Montag wurde Modschtaba Chamenei zum Staatsoberhaupt ernannt, nachdem sein Vater am 28. Februar bei einem israelischen Luftangriff in Teheran getötet worden war.
Seit seiner Ernennung hat sich der 56-Jährige allerdings noch nicht öffentlich gezeigt. Auch auf seine erste Rede wird gewartet, die Hinweise geben dürfte, welchen politischen Kurs das Land unter seiner Führung einschlagen wird. Modschtaba Chamenei überlebte die Bombardierungen im Herzen der Millionenmetropole vor elf Tagen, verlor dabei jedoch seine Ehefrau, Mutter und einen Schwager.
Nach Informationen der „New York Times“ wurde der neue Religionsführer verwundet und soll Verletzungen an seinen Beinen erlitten haben. Auch das iranische Staatsfernsehen bezeichnete ihn als „Kriegsversehrten“, nannte aber keine weiteren Details zu seinem Gesundheitszustand oder seinem derzeitigen Aufenthaltsort.



