Internationale Sudan-Konferenz in Berlin: Druck für Frieden und humanitäre Hilfe
Drei Jahre nach Beginn des blutigen Bürgerkriegs im Sudan haben internationale Spitzenvertreter auf einer Konferenz in Berlin den Druck für ein Ende der humanitären Krise massiv erhöht. UN-Generalsekretär Antonio Guterres forderte in einer Videobotschaft: „Dieser Albtraum muss enden.“ Die dritte internationale Sudan-Konferenz, organisiert vom Auswärtigen Amt, brachte zahlreiche Teilnehmer zusammen, die eine sofortige humanitäre Waffenruhe verlangten.
Finanzielle Zusagen und deutsche Unterstützung
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) verkündete zum Abschluss der Konferenz einen bedeutenden Erfolg: Es wurden Zusagen in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro für zusätzliche humanitäre Hilfe in diesem Jahr gesammelt. Deutschland stockt seine Sudan-Hilfe dabei um insgesamt mehr als 230 Millionen Euro auf, darunter 20 Millionen Euro aus dem Entwicklungsministerium von Ministerin Reem Alabali Radovan (SPD).
Die Konferenz wurde von der Bundesregierung gemeinsam mit Großbritannien, Frankreich, den USA sowie der EU und Afrikanischen Union ausgerichtet. Bereits frühere Treffen in Paris und London hatten Hilfszusagen von etwa drei Milliarden Euro insgesamt erbracht.
Humanitäre Katastrophe und internationale Verantwortung
UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher sprach von einer Bewährungsprobe für die internationale Gemeinschaft und bezeichnete den Sudan als „Laboratorium der Gräueltaten“. Die Zahlen sind erschütternd:
- 34 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen
- 19 Millionen Menschen leiden Hunger
- 10 Millionen Kinder haben keinen Zugang zur Schule
Ein UN-Hilfsplan sieht vor, 14 Millionen Menschen zu erreichen, benötigt dafür jedoch 2,2 Milliarden Dollar. Der stellvertretende Leiter des Welternährungsprogramms WFP, Carl Skau, prangerte das Versagen der internationalen Gemeinschaft an: „Sie hat beim Schutz der Zivilbevölkerung, der Frauen und Kinder, versagt.“
Politische Forderungen und zivilgesellschaftliche Beteiligung
Mehrere Konferenzteilnehmer forderten eine sofortige humanitäre Waffenruhe ohne Vorbedingungen. Der Berater der US-Regierung für afrikanische und arabische Länder, Massad Boulos, betonte, dass diese Waffenruhe es ermöglichen solle, an einem politischen Übergang zu arbeiten.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Rolle der sudanesischen Zivilgesellschaft. Eine Vertreterin der „Emergency Response Rooms“ wies auf die besondere Betroffenheit von Frauen hin: „Wir Frauen leiden mehr, wir sind auch diejenigen, die am meisten reagieren. Die Frauen sind unabdingbar, um die Gesellschaft wieder aufzubauen.“
Die Konferenz in Berlin beinhaltete eine Plattform für Beratungen von Vertretern der Zivilgesellschaft, die einen Plan für eine zivile statt militärische Regierung erarbeiten sollen.
Hintergrund des Konflikts
Der Bürgerkrieg im drittgrößten Land Afrikas begann am 15. April 2023 und tobt seit genau drei Jahren. Seitdem kämpfen die Regierungsarmee SAF von De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und die Miliz RSF unter Mohamed Hamdan Daglo um die Vorherrschaft im Land. Der Vorsitzende der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, warnte: „Die sudanesischen Akteure zerstören ihr Land. Sie verlieren ganze Generationen von Sudanesen.“
Bundesaußenminister Wadephul rief abschließend andere Länder, Organisationen und Akteure des Privatsektors zur Beteiligung an der Hilfe auf: „Lasst uns unsere Kräfte bündeln, damit humanitäre Hilfe und humanitäre Diplomatie Leben retten können.“ Die außergewöhnliche Krise im Sudan erfordere mehr als nur Aufmerksamkeit – sie erfordere entschlossenes Handeln.



