Für das britische Königshaus war es eine Premiere: König Charles III. hat im Zuge seines Besuchs bei US-Präsident Donald Trump vor dem Kongress gesprochen. Die letzte royale Rede dort wurde 1991 gehalten. Das Augenmerk der internationalen Presse lag auf der Herausforderung für Charles, in den USA unter Trump den richtigen Ton zu treffen.
Schwierige Voraussetzungen
Die Voraussetzungen waren alles andere als einfach, wie Le Monde beschreibt: „Die Politik in den Vereinigten Staaten ist so brutal und parteiisch geworden, dass ihre Akteure die Gewohnheit ausgefeilter Reden verloren haben. Es bedurfte eines britischen Königs, um sie daran zu erinnern.“
Erfolgreiche Rede
Offenbar erfolgreich: Es sei „eine fein abgestimmte Rede, die ein Gleichgewicht zwischen konsensfähiger historischer Erinnerung, Humor und der Rückbesinnung auf Grundsätze wahrte“, so die französische Zeitung. „Ohne Konfrontation zu suchen, entsprechend seinem übergeordneten Status, skizzierte Charles III. indirekt all das, was die europäischen Verbündeten von der Trump-Regierung trennt: beim Klima, bei der Rechtsstaatlichkeit, bei der Bedeutung des atlantischen Bündnisses (Nato) oder auch bei der Ukraine.“
Geschickte Bezüge
Die Neue Zürcher Zeitung beschreibt am Beispiel der Nato, wie ihm das gelang: „Charles schlug den Bogen von den Terroranschlägen vom 11. September 2001, die sich bald zum 25. Mal jähren, zur westlichen Verteidigungsallianz. Denn nach den Attacken auf das World Trade Center und das Pentagon hatte die Nato zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Bündnisfall in Artikel 5 ausgerufen.“ Betont habe er dabei: „Die von Trump geschmähte Allianz war den USA zu Hilfe gekommen. Gerade die Amerikaner, so schien Charles zu sagen, sollten die Nato nicht gering schätzen.“
Trump hielt sich an Skript
Wie die New York Times feststellte, zeichnete sich das Treffen durch eine Besonderheit aus: „Was für die Trump-Ära eher ungewöhnlich ist: Der Präsident hielt sich bei den feierlichen Anlässen des Tages weitgehend an sein Skript.“ Und ausnahmsweise griff Trump „keinen weiteren Verbündeten auf der Weltbühne an“.
Respekt vor der Monarchie
Grund dafür könnte der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant zufolge Trumps Blick auf das britische Königshaus sein. Dieses sei „eine der wenigen Institutionen, vor denen Trump eine Art heiligen Respekt hegt. Obwohl er Republikaner ist, scheint sich Trump manchmal als König von Amerika zu sehen.“
Umweltthemen angesprochen
Imponiert hätten Trump wohl auch die Zitate, die Charles einbaute, etwa von Teddy Roosevelt über die Notwendigkeit, „das glorreiche Erbe“ der Naturschönheiten Amerikas zu bewahren. Das Umweltthema liegt dem König am Herzen, betont The Guardian. Gleichzeitig sei Charles’ Engagement „noch nie auf einen so unnachgiebigen Zuhörer gestoßen. Trump hat dem Klima und der Natur praktisch den Krieg erklärt.“
Wohl auch, weil Charles vor diesen Themen nicht zurückschreckte, verließ er den Saal „mit einem Lächeln und Händeschütteln“, so die britische Zeitung. „Dank geschicktem Redenschreiben und einem Buch mit Zitaten hatte der König hoffentlich seinen Standpunkt klargemacht, ohne eine wütende Tirade des verrückten Monarchen auf Truth Social auszulösen.“



