Noch im September wurde US-Präsident Donald Trump beim Staatsbesuch in Großbritannien mit großem Prunk empfangen. König Charles III. und Premierminister Keir Starmer begrüßten den Republikaner mit offenen Armen, rotem Teppich und Militärparade. Trump, ein bekennender Fan der britischen Monarchie, schwärmte damals von der unverbrüchlichen amerikanisch-britischen Beziehung. Doch wenige Monate später hat sich der Ton geändert. Ab Montag ist der britische Monarch gemeinsam mit Königin Camilla zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in den USA – und die Stimmung ist gereizt.
Verschlechterte Beziehungen seit dem Iran-Krieg
Insbesondere seit dem Ausbruch des Iran-Krieges, in dem Trump Großbritannien und anderen westlichen Partnern zu wenig Unterstützung vorwirft, hat sich das Verhältnis deutlich verschlechtert. Der für seine fehlende Zurückhaltung bekannte Republikaner kritisierte Starmer mehrfach scharf, etwa wegen dessen Migrationspolitik. „Die Beziehungen zu Großbritannien waren immer die besten, bis Keir kam“, polterte Trump. Und selbst wenige Tage vor dem Besuch schickte er Drohungen gen London. Reist der König nun als Streitschlichter in die USA?
Der „Trump-Faktor“ macht den Besuch heikel
Verfassungsexperte Craig Prescott von der Universität Royal Holloway in London sieht die Reise als „zweifellos schwierigen Staatsbesuch“. Der König müsse einen diplomatischen Spagat meistern, nicht nur wegen der angeknacksten Beziehung, sondern auch wegen der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten. Normalerweise seien Staatsbesuche für den Monarchen Routine, jede Sekunde werde bis ins Detail geplant. Mit Trump sei das jedoch nur bedingt möglich, sagt Prescott. Eine Stichelei hier, ein Witz da – und der König sei rasch in einer heiklen Lage.
Konfliktthemen: Falklandinseln, Zölle und Kanada
Material für Konflikte gibt es reichlich. Kurz vor dem Staatsbesuch kursierte ein unbestätigter Medienbericht, wonach das Pentagon eine Neubewertung der Haltung zum argentinischen Anspruch auf die Falklandinseln erwägt. Ein britischer Regierungssprecher stellte klar, die Souveränität liege beim Vereinigten Königreich. Zudem drohte Trump am Donnerstag mit hohen Zöllen, sollte Großbritannien seine Digitalsteuer für US-Techkonzerne nicht aufheben. Und dann ist da noch der andauernde Streit um den Iran-Krieg sowie Trumps Fantasie, Kanada zum „51. Bundesstaat“ zu machen. Charles ist auch König von Kanada und damit dessen Staatsoberhaupt; solche Aussagen dürften ihm kaum gefallen. Prescott erinnert daran, dass der König bei einem Besuch in Ottawa die Souveränität Kanadas bekräftigte – und die Rhetorik vom 51. Bundesstaat danach abgeklungen sei.
König als diplomatischer Besänftiger?
Trump hat wiederholt seine Sympathie für den König bekundet und zeigte sich zuversichtlich, dass der Staatsbesuch die Beziehungen verbessern könne. „Er ist ein fantastischer Mann“, schwärmte Trump bei der BBC, „ich kenne ihn schon seit Jahren“. Ob sich der König diese Begeisterung zunutze machen kann, bleibt offen. Trump ändere seine Meinung „sehr, sehr schnell“, so Prescott. Dass der König öffentlich zu deutlicher Kritik übergeht, hält der Experte für unwahrscheinlich – Staatsbesuche seien von diplomatischen Höflichkeiten geprägt. In seiner geplanten Rede im US-Kongress könne der König jedoch an die langjährige Beziehung erinnern. Der anstehende 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit sei auch der Jahrestag der amerikanisch-britischen Beziehungen. Der König könne versuchen, die aktuellen Schwierigkeiten in diesen Kontext zu stellen und darauf hinzuweisen, dass die USA und Großbritannien am effektivsten seien, wenn sie zusammenarbeiten.



