Nach Söder-Vorstoß: Ilse Aigner erhält breite Unterstützung für mögliche Bundespräsidentinnen-Kandidatur
Die Diskussion um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewinnt an Fahrt. Nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seine Unterstützung für die Landtagspräsidentin Ilse Aigner signalisiert hatte, melden sich nun weitere Politiker aus verschiedenen Parteien zu Wort, die die CSU-Politikerin für das höchste Staatsamt empfehlen.
SPD-Politiker loben Aigners Brückenbauer-Rolle
Auch aus der SPD kommt deutlicher Zuspruch. Der ehemalige Arbeitsminister Hubertus Heil sagte dem Berliner „Tagesspiegel“: „Ich kenne und schätze Ilse Aigner seit vielen Jahren. Sie ist eine kluge und verantwortungsbewusste Demokratin und wäre mit Sicherheit eine geeignete Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin.“ Der bayerische Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher (SPD) ergänzte: „Ilse Aigner gelingt es, Brücken zwischen politischen Lagern und gesellschaftlichen Gruppen zu bauen und so den Zusammenhalt zu stärken. Sie verfügt über Regierungserfahrung auf Landes- und Bundesebene und vereint zugleich die verbindenden Tugenden einer hochrespektierten Parlamentspräsidentin.“ Ihre bodenständige Art schaffe Vertrauen und ermögliche eine unverstellte Kommunikation, so Rinderspacher weiter. „Gerade in Zeiten wachsender Distanz zwischen Bürgern und Politik kann diese sympathische Authentizität verbindend wirken.“
SPD-Co-Chef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil wollte sich am Freitag nicht auf Namen festlegen, betonte aber: „Ich schätze Ilse Aigner sehr.“ Er halte sie für eine Brückenbauerin. Klingbeil wünscht sich einen gemeinsamen Vorschlag der Koalition aus CDU, CSU und SPD. Bereits öffentlich hatte er sich dafür ausgesprochen, dass es an der Zeit für eine Frau im höchsten Staatsamt sei. Mit Bundeskanzler Friedrich Merz sei vereinbart, „zum richtigen Zeitpunkt“ über einen gemeinsamen Vorschlag zu sprechen.
FDP und Union zeigen sich offen
Der Bewerber für den FDP-Vorsitz, Wolfgang Kubicki, äußerte sich gegenüber der „Rheinischen Post“ wohlwollend: „Ich schätze Ilse Aigner persönlich sehr und traue ihr das Amt auch zu, aber über Namen wird die FDP zu gegebener Zeit befinden.“ Wichtig sei, dass der künftige Amtsinhaber sein Ohr näher an der Bevölkerung habe und den Mut, auch mal Unpopuläres zu sagen.
Der stellvertretende Fraktionschef der Union im Bundestag, Sepp Müller (CDU), unterstützt die mögliche Kandidatur ebenfalls. „Den Vorstoß von Markus Söder unterstütze ich ausdrücklich“, sagte Müller dem Nachrichtenportal t-online. „Ilse Aigner habe ich im Deutschen Bundestag wie auch als Präsidentin des Bayerischen Landtags als integrative, bürgernahe Persönlichkeit erlebt. Sie vereint genau jene Qualitäten, die dieses Amt erfordert. Sollte sie sich zur Wahl stellen, gilt ihr meine Unterstützung – klar und aus voller Überzeugung.“
Theo Waigel: „Zeit für erste Frau aus der CSU“
Auch CSU-Ehrenvorsitzender Theo Waigel sprach sich für Aigner aus. „Ilse Aigner ist eine sehr gute Kandidatin, der ich es zutraue, das Amt des Staatsoberhauptes mit Klugheit und Wärme auszufüllen“, sagte der frühere Bundesfinanzminister der „Augsburger Allgemeinen“. Als Landtagspräsidentin habe sie gezeigt, wie man unparteiisch die auseinanderstrebenden Kräfte in der Demokratie zusammenhalten könne. „Es wird Zeit für die erste Frau an der Spitze des Staates – und zum ersten Mal für jemanden aus der CSU.“
Söders Unterstützung als Auftakt
Bereits zuvor hatte Markus Söder seine Unterstützung für Aigner zugesagt, falls diese das Amt anstrebe. „Die Union wird nach dem Sommer einen Vorschlag machen. Wenn Ilse Aigner möchte, hat sie meine volle Sympathie und Unterstützung“, sagte Söder in einem Interview der Zeitungen „Münchner Merkur“ und „tz“. Aigner wird unionsintern immer wieder für das höchste Amt im Staat ins Spiel gebracht – auch, weil viel für die erstmalige Besetzung des Amtes mit einer Frau spricht. Offiziell hat Aigner ihren Hut jedoch bisher nicht in den Ring geworfen. Die CSU-Politikerin ist seit 2018 Präsidentin des Bayerischen Landtags.
Hintergrund: Wahl des Bundespräsidenten
Das nächste deutsche Staatsoberhaupt wird am 30. Januar 2027 von der Bundesversammlung gewählt. Frank-Walter Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten, nach zehn Jahren endet seine Zeit als Bundespräsident im März 2027. Schon länger gibt es Spekulationen über mögliche Kandidatinnen für seine Nachfolge – genannt wurden neben Aigner etwa Bundesbildungsministerin Karin Prien und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (beide CDU).



