Iran attackiert Ölsektor am Golf: Treibstofflager in Flammen, Schifffahrt lahmgelegt
Während US-Präsident Donald Trump ein baldiges Ende des Iran-Krieges in Aussicht stellt, nehmen die iranischen Streitkräfte die Energiewirtschaft in der Golfregion verstärkt ins Visier. Mit den gezielten Attacken auf kritische Infrastruktur will die Regierung in Teheran die Kosten für eine Fortsetzung des Konflikts in die Höhe treiben. Die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus hat den Ölpreis bereits auf den höchsten Stand seit Sommer 2022 steigen lassen.
Treibstofftanks in Bahrain und Oman in Flammen
In Bahrain griff der Iran nach Angaben örtlicher Behörden Treibstofflager in der Nähe des internationalen Flughafens an. Unklar blieb zunächst, ob es sich bei den betroffenen Lagern um die Kerosindepots des Flughafens am Rande der Hauptstadt Manama oder eine andere Einrichtung handelte. Die Bewohner des Inselstaats im Persischen Golf wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu begeben. Das Innenministerium riet den Menschen in den Vierteln nahe des Flughafens, zu Hause zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten.
Im Oman wurden Treibstofftanks im Hafen von Salala mutmaßlich von iranischen Drohnen getroffen. Auf einem vom arabischen Fernsehsender Al Jazeera veröffentlichten Video war deutlich zu sehen, wie ein großer Feuerball über einem der Tanks aufstieg. Der Golf-Kooperationsrat verurteilte den Angriff umgehend als schwerwiegenden Verstoß gegen die regionale Sicherheit.
Irak meldet Toten bei Angriff auf Öltanker
Bei einem Angriff auf zwei Öltanker im Persischen Golf kam nach Angaben der irakischen Regierung mindestens ein Mensch ums Leben. Die Attacke in irakischen Hoheitsgewässern stelle eine klare Verletzung der Souveränität des Landes dar, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur INA einen Militärsprecher. Sechs Schiffe wurden entsandt, um der Besatzung der beiden Tanker zu helfen. Insgesamt 38 Crew-Mitglieder konnten geborgen werden, darunter ein Toter. Als Reaktion stellte die Hafenverwaltung den Betrieb der Ölterminals des Landes bis auf weiteres vollständig ein.
Schifffahrt in der Straße von Hormus fast komplett zum Erliegen gekommen
Im Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran geraten Schiffe im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman immer wieder unter Beschuss. Die anhaltende Gefahr durch iranische Raketen und Drohnen hat die Handelsschifffahrt in der gesamten Region seit Kriegsbeginn vor anderthalb Wochen fast komplett zum Erliegen gebracht. Diese Entwicklung hat erhebliche Auswirkungen auf den globalen Ölhandel und die Versorgungssicherheit.
Brand nach Beschuss von thailändischem Frachter
Ein unter thailändischer Flagge fahrender Frachter wurde nahe der Straße von Hormus von iranischen Raketen getroffen. Die „Mayuree Naree“, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Indien unterwegs war, sei von zwei Geschossen oberhalb der Wasserlinie getroffen worden, wodurch am Heck und im Maschinenraum ein schwerer Brand ausgelöst wurde, teilte die thailändische Marine mit. Von den 23 thailändischen Besatzungsmitgliedern konnten 20 von der Marine Omans in Sicherheit gebracht werden, während drei Seeleute nach Angaben der Reederei Precious Shipping zunächst im Maschinenraum eingeschlossen blieben.
Unterdessen meldete die britische Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO), dass vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate ein Containerschiff von einem unbekannten Geschoss getroffen worden sei. Der Treffer habe ein kleines Feuer an Bord ausgelöst, verletzt wurde dabei glücklicherweise niemand.
Neue Angriffe auch in den Emiraten und in Saudi-Arabien
Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten am frühen Morgen, ihre Luftabwehr bekämpfe eine akute Bedrohung durch Raketen. In Dubai stürzte in der Nacht zudem eine Drohne auf ein Wohngebäude. Ein entstandener Brand konnte schnell unter Kontrolle gebracht werden, niemand wurde verletzt, wie die Behörden mitteilten.
Saudi-Arabien meldete in der Nacht, dass im Osten des Landes insgesamt 18 feindliche Drohnen abgefangen und zerstört worden seien. Das kuwaitische Verteidigungsministerium teilte ebenfalls mit, die Luftabwehr des Golfstaats habe eine Reihe feindlicher Drohnen abgefangen, die in den Luftraum im Norden des Landes eingedrungen seien.
Schweiz schließt Botschaft im Iran vorübergehend
Die Schweiz schließt ihre Botschaft in Teheran nach eigenen Angaben wegen eines „steigenden Sicherheitsrisikos“ vorübergehend. Die Schweiz vertritt im Iran seit Jahrzehnten auch die Interessen Washingtons als sogenannte Schutzmacht. Die US-Regierung respektiere diese Entscheidung und sei der Botschaft sowie ihren Mitarbeitern zu tiefem Dank verpflichtet, erklärte die US-Vertretung in Bern. Die Schweiz übermittelt Botschaften zwischen beiden Ländern und betreut bei Bedarf amerikanische Staatsbürger.
Israel greift Kommandozentralen der Hisbollah im Libanon an
Derweil zerstörten die israelischen Streitkräfte bei einer heftigen Angriffswelle auf den Libanon nach eigenen Angaben Dutzende Stellungen der proiranischen Hisbollah. Innerhalb von nur 30 Minuten habe die Luftwaffe in den als Dahija bekannten Vororten der Hauptstadt Beirut zehn strategische Ziele angegriffen, darunter ein Hauptquartier des Hisbollah-Geheimdienstes, die Zentrale der Eliteeinheit Radwan und weitere Kommandozentralen, teilte das israelische Militär mit.
Demnach griffen die Streitkräfte auch zahlreiche Raketenabschussrampen und Dutzende Hisbollah-Kämpfer an, die den Angaben zufolge Attacken auf Israel vorbereiteten. Nach Hinweisen von israelischen Bodentruppen nahm die Luftwaffe darüber hinaus über 20 Ziele in verschiedenen Teilen des Libanons unter Beschuss. Zuvor hatte die Hisbollah den Norden von Israel mit Raketen angegriffen, was die Eskalation weiter anheizte.



