Trauer, Jubel und Angst: Irans Zukunft nach dem Tod von Ajatollah Chamenei
Irans Zukunft nach Chameneis Tod: Trauer, Jubel und Angst

Trauer, Jubel und Angst nach dem Tod von Ajatollah Chamenei

Der Tod des iranischen Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei stürzt das Land in eine tiefe Unsicherheit und löst eine Welle widersprüchlicher Emotionen aus. Viele Menschen hoffen auf einen politischen Wandel und bessere Zeiten, während gleichzeitig die Angst vor Instabilität und möglichem Chaos wächst. Die Nachricht von Chameneis Tod, der durch einen israelischen Luftangriff in Teheran ums Leben kam, hat die iranische Gesellschaft gespalten.

Gespaltene Reaktionen in der Bevölkerung

Als erste Gerüchte über den Tod des 86-jährigen Obersten Führers kursierten, brachen in Teheran lautstarke Jubelfeiern aus. Bewohner der Hauptstadt berichteten von Menschen, die vor Freude aus ihren Fenstern schrien, und auf den Straßen waren ausgelassene Hupkonzerte zu hören. Doch nicht alle Iraner trauen sich, ihre Gefühle offen zu zeigen. Die 23-jährige Architekturstudentin Sadaf und ihre Freundinnen versuchen beispielsweise, ihre Freude zu verbergen. „Wir tragen Schwarz, aber in uns ist es bunt“, erklärt Sadaf, die zur Generation Z gehört und sowohl die islamische Staatsideologie als auch zunehmend den Islam selbst ablehnt.

Für den Bankangestellten Ramin bedeutet Chameneis Tod „den Beginn vom Ende dieses Regimes und all unserer Leiden“. Er fürchtet keine ungewisse Zukunft, da er glaubt, dass es nicht dunkler als die gegenwärtige Situation werden kann. Doch nicht alle teilen diese Euphorie. Staatsmedien verbreiten Aufnahmen von Menschenmengen, die um Chamenei trauern, und es gibt staatlich organisierte Trauerfeiern, beispielsweise an der Universität in Teheran. Landesweite Feierlichkeiten werden bis zur Beisetzung und bis zum 40. Tag nach dem Tod andauern, wie es im Islam Brauch ist.

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Befürchtungen vor Instabilität und Machtwechsel

Zu den Skeptikern gehört der Immobilienmakler Behsad, der befürchtet, dass eine Militärdiktatur die theokratische Herrschaft ablösen könnte. „Hinter dem alten Mann standen die Revolutionsgarden, und sie werden jetzt das Ruder übernehmen“, sagt der 43-Jährige. Er hat bereits zwei lukrative Immobiliengeschäfte aufgrund der unsicheren Lage verloren und ist unsicher, ob ein neues System besser sein wird.

Vor allem unter älteren Menschen wächst die Angst vor einem Machtwechsel. Der Rentner Homajun verweist auf Beispiele wie den Irak und Libyen, wo nach dem Sturz von Langzeitmachthabern Chaos und Gewalt ausbrachen. „Es ist schon jetzt chaotisch, und es wird schlimmer, jetzt, wo der Chef weg ist“, sagt er und beklagt, dass das Bankensystem nur eingeschränkt funktioniert, die Kommunikation gestört ist, das Internet abgeschaltet wurde und viele Geschäfte geschlossen bleiben.

Hoffnungen auf politischen Wandel

Viele Iraner setzen ihre Hoffnung auf eine Rückkehr der Pahlavi-Monarchie, die 1979 durch die Islamische Revolution gestürzt wurde. Während der jüngsten Proteste war „Das ist der letzte Kampf, Pahlavi wird zurückkehren“ eine zentrale Parole. Der Sohn des damals gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, hat sich bereits als möglicher Interimsführer ins Gespräch gebracht.

Ein iranischer Universitätsprofessor im kanadischen Exil hält Kritik aus intellektuellen Kreisen an dieser Option für zweitrangig. „Wenn man am Ertrinken ist und eine Hand gereicht bekommt, achtet man nicht darauf, ob die Fingernägel gepflegt sind oder nicht – man greift zu“, argumentiert er. Er glaubt, dass das iranische Volk nach einem Sturz des Regimes genügend Zeit haben wird, über ein künftiges politisches System zu entscheiden.

Die Staatsmedien bestätigten den Tod Chameneis erst Stunden, nachdem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump ihn für tot erklärt hatten. Sie bezeichneten ihn als „Märtyrer“. Ajatollah Ali Chamenei war 1989 als Nachfolger des Revolutionsführers Ruhollah Chomeini zum Obersten Führer ernannt worden und hatte laut Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Fragen. Für seine Anhänger war er eine heilige Figur, für seine Gegner ein Diktator. Mit seinem Tod endet eine Epoche, die auf islamischen Prinzipien beruhte.

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