Israel weitet Bodenoffensive im Libanon aus: Hunderttausende auf der Flucht
Israel weitet Bodenoffensive im Libanon aus

Israel verstärkt Militäroperationen im Libanon

Die israelische Armee hat ihre militärischen Aktivitäten im Libanon deutlich ausgeweitet. Neben intensivierten Luftangriffen auf die Hauptstadt Beirut wurden Bodentruppen aus dem Gazastreifen an die südliche Grenze zum Libanon verlegt. Diese Maßnahmen erfolgen parallel zum anhaltenden Konflikt mit Iran und zielen auf die proiranische Hisbollah-Miliz ab.

Verlegung der Golani-Brigade

Nach einer aktuellen Lagebewertung hat Generalstabschef Eyal Zamir die Verstärkung des Nordkommandos angeordnet. Die erfahrene Golani-Brigade, die seit Beginn des Gazakriegs vor zweieinhalb Jahren regelmäßig im Gazastreifen im Einsatz war, soll daher vom Süden in den Norden verlegt werden. Diese Truppenverlegung unterstreicht die strategische Bedeutung, die Israel der libanesischen Front beimisst.

Luftangriffe auf Beirut mit verheerenden Folgen

Bei israelischen Luftangriffen im Stadtzentrum von Beirut wurden nach offiziellen libanesischen Angaben mindestens vier Menschen getötet. Libanesische Medien dokumentierten die Zerstörung mehrerer Stockwerke eines Wohngebäudes nach dem Angriff in den frühen Morgenstunden. Die israelische Armee bestätigte die Beschüsse im Süden Beiruts und nannte als Ziele Kommandozentren der Hisbollah sowie Waffenlager in dem Vorort Dahije.

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Diese Angaben sind jedoch unabhängig nicht überprüfbar. Auch im Süden des Landes und in der östlichen Bekaa-Ebene gingen die Angriffe weiter, wobei nach Berichten der libanesischen Nachrichtenagentur NNA mindestens 14 Menschen starben und 29 weitere verletzt wurden.

Humanitäre Katastrophe: Fast 760.000 Vertriebene

Die Eskalation der Gewalt hat zu einer massiven Vertreibungswelle geführt. Nach Angaben des libanesischen Ministeriums für soziale Angelegenheiten wurden bisher nahezu 760.000 Menschen durch die israelischen Angriffe vertrieben. Besonders alarmierend ist die Dynamik: Allein innerhalb der vergangenen zwei Tage kamen mehr als 500.000 Vertriebene hinzu.

Mehr als 122.000 Menschen halten sich derzeit in Notunterkünften auf, landesweit sind 580 solcher Einrichtungen geöffnet. Sozialministerin Hanin Sayyed kündigte an, dass ab diesem Mittwoch täglich 100.000 Mahlzeiten in den Notunterkünften verteilt werden sollen, wobei die Zahl der Empfänger schrittweise steigen soll.

Hisbollah reagiert mit Raketenangriffen

Die Hisbollah-Miliz hat auf die israelischen Angriffe mit eigenen Raketenangriffen auf israelische Truppen im südlichen Libanon reagiert. Diese Angriffe markieren eine weitere Eskalation in einem bereits seit langem schwelenden Konflikt. Die Hisbollah hatte vor einer Woche Raketenangriffe auf Israel als Vergeltung für die Tötung des iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei bei Angriffen Israels und der USA gestartet.

Hintergrund: Gescheiterte Waffenruhe

Die aktuellen Angriffe finden vor dem Hintergrund einer gescheiterten Waffenruhe statt. Im November 2024 war nach einem einjährigen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah eine Waffenruhe vereinbart worden. Allerdings hatte Israel auch während dieser Ruhephase weiter Hisbollah-Ziele angegriffen und begründete dies damit, dass sich die Miliz nicht an die Vereinbarungen halte und sich neu bewaffnen wolle. Die Hisbollah warf Israel im Gegenzug vor, sich ebenfalls nicht an die Abmachungen zu halten.

Die aktuelle Eskalation lässt befürchten, dass der Konflikt zwischen Israel und dem Libanon eine neue, gefährliche Dimension erreicht hat, mit unkalkulierbaren humanitären und politischen Folgen für die gesamte Region.

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