US-Vizepräsident JD Vance mischt sich offen in ungarischen Wahlkampf ein
In einer bemerkenswerten diplomatischen Intervention hat sich US-Vizepräsident JD Vance kurz vor den Parlamentswahlen in Ungarn offen für den amtierenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán eingesetzt. Während seines Besuchs in Budapest richtete Vance eine klare Botschaft an die ungarischen Wähler und lobte Orbán in den höchsten Tönen.
Peinlicher Moment: Trump-Anruf geht daneben
Ein besonders ungewöhnlicher Moment ereignete sich, als Vance versuchte, US-Präsident Donald Trump live zu einer Veranstaltung mit etwa 5.000 Orbán-Unterstützern zuzuschalten. Der geplante Telefonanruf scheiterte jedoch zunächst kläglich, wie Augenzeugen berichteten. Statt des Präsidenten meldete sich nur die Mailbox, was Vance zu dem verlegenen Kommentar veranlasste: "Hoffen wir mal, dass er tatsächlich antwortet. Sonst wird das sehr peinlich."
Nach mehreren Versuchen gelang schließlich die Verbindung, und Trump nutzte die Gelegenheit, um seine Unterstützung für Orbán deutlich zu machen: "Ich kann das nicht glauben, weil ich Ungarn liebe und diesen Viktor liebe. Ich sage euch, er ist ein fantastischer Mann. Wir haben eine hervorragende Beziehung."
Offene Wahlkampfhilfe für Orbán
Vance positionierte seinen Besuch bewusst als Gegenpol zur Europäischen Union, der er Einmischung in den ungarischen Wahlkampf vorwarf. Mit seiner Visite wolle er "ein Zeichen an alle senden, besonders an die Bürokraten in Brüssel", erklärte der Vizepräsident. Diese Aussage fällt in eine Zeit, in der Ungarn unter Orbáns Führung regelmäßig mit seinem Veto EU-Entscheidungen blockiert hat.
Bei einem gemeinsamen Auftritt mit Orbán betonte Vance: "Vor allem schätze ich Viktors Freundschaft sehr, denn es ist selten, dass man jemanden trifft, der diplomatisches Geschick und Weisheit in dieser Weise vereint. Es ist uns sehr wichtig, diese Beziehung weiterhin zu pflegen. Ich weiß, dass in fünf oder sechs Tagen Wahlen stattfinden. Wir wollten vorbeikommen und Ihnen viel Glück wünschen."
Neue US-Außenpolitik unter Trump
Der Vorfall in Budapest steht exemplarisch für eine deutlich veränderte US-Außenpolitik seit Donald Trumps zweiter Amtszeit. Die Vereinigten Staaten mischen sich immer offener in ausländische Wahlkämpfe ein und unterstützen dabei gezielt Parteien und Politiker, deren Standpunkte mit denen der aktuellen US-Regierung übereinstimmen.
Orbán nutzte den Besuch seinerseits, um die transatlantische Zusammenarbeit zu betonen: "Es ist eine gute Gelegenheit, unsere Sichtweisen und unser Verständnis darüber auszutauschen, was auf der globalen politischen Bühne vor sich geht und wie der Kampf um das Wesen des Westens in Europa und Amerika verläuft."
Die ungarischen Parlamentswahlen finden in wenigen Tagen statt, und der Besuch des US-Vizepräsidenten wird von Beobachtern als deutliches Signal der Unterstützung für den rechtspopulistischen Ministerpräsidenten gewertet. Kritiker sehen darin eine ungewöhnlich offene Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen EU-Mitgliedstaates.



