Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gegen Kritik aus den USA verteidigt und US-Präsident Donald Trump scharf attackiert. „Wir brauchen nun wirklich keine Tipps von Donald Trump. Der soll sehen, welche Scherbenhaufen er angerichtet hat. Der soll dafür sorgen, dass ernsthafte Friedensgespräche jetzt im Iran geführt werden“, sagte der SPD-Chef laut Deutscher Presse-Agentur bei einer Veranstaltung zum Tag der Arbeit in Bergkamen im Ruhrgebiet.
Klingbeil: Europa muss unabhängig werden
Klingbeil bezog sich auf die jüngsten Äußerungen Trumps über die deutsche Bundesregierung und den Kanzler. „Ich glaube, der hat wirklich gedacht, das ist eine Sache von zwei, drei Tagen und dann ist alles in Ordnung. Er trägt jetzt die Verantwortung dafür, dass dieser Krieg im Iran schnell aufhört. Vor allem soll er dafür sorgen, dass die Belastungen, die durch seinen Krieg entstanden sind, nicht bei uns, bei den Arbeitnehmern, bei den Verbrauchern und in der Wirtschaft ankommen“, so Klingbeil.
Der SPD-Chef forderte zudem wirtschaftliche Stärke für Europa: „Europa muss wirtschaftlich so stark werden, dass wir uns von niemandem erpressen lassen müssen. Ich möchte nicht, dass wir davon abhängig sind, welche Laune Donald Trump heute oder morgen hat.“
Öffentlicher Schlagabtausch zwischen Merz und Trump
Zuletzt hatte es einen öffentlichen Schlagabtausch zwischen Kanzler Merz und US-Präsident Trump gegeben. Merz warf den USA am Montag bei einer Diskussion mit Schülern im Sauerland vor, „ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen“ zu sein. Mit Blick auf die stockenden Friedensverhandlungen mit Iran sagte Merz: Da werde „eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung, vor allem durch diese sogenannten Revolutionsgarden“. Die Sätze gingen um die Welt und wurden international breit rezipiert, da Merz sich zuvor zurückhaltender geäußert hatte.
Trump reagierte am Mittwoch auf seiner Plattform Truth Social: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“ Es sei kein Wunder, dass es Deutschland wirtschaftlich und sonst so schlecht gehe. Am Donnerstag legte Trump nach: Merz solle sich auf den Ukraine-Krieg konzentrieren und „sein eigenes Land wieder auf Vordermann“ bringen.
Merz selbst versuchte, die Wogen zu glätten. Im Gespräch mit dem SPIEGEL sagte der Kanzler: „Ich habe Donald Trump gesagt, warum wir den Irankrieg für falsch halten. Ich versuche trotzdem, mit dem amerikanischen Präsidenten ein gutes persönliches Verhältnis aufrechtzuerhalten. Bis jetzt gelingt das auch.“



