Mai-Kundgebung in Wittenberg: Ängste vor Krieg und Jobverlust dominieren
Mai-Kundgebung in Wittenberg: Ängste vor Krieg und Jobverlust

Wittenberg/MZ. - Unter dem Motto „Alles neu macht der Mai“ starteten am Vormittag des 1. Mai einige Gewerkschafter des DGB in Wittenberg eine Fahrradtour mit gesellschaftspolitischem Anliegen. Angeführt von Angelika Kelsch, Kreisvorsitzende des DGB und Vereinsvorsitzende der Gewerkschaft Verdi, machte sich eine Gruppe von etwa 25 Teilnehmern vom Hauptbahnhof aus auf den Weg zum Marktplatz. Begleitet wurde der Korso von der Polizei. Kelsch zeigte sich kämpferisch: „Jetzt wollen die tatsächlich an den 1. Mai als Feiertag gehen, na das kann es ja wohl nicht sein“, äußerte sie mit Missfallen.

Musikalischer Empfang und Infostände

Auf dem Marktplatz wurden die Radfahrer vom Leipziger Liedermacher Sebastian Caspar musikalisch empfangen. Die Parteien CDU, SPD, Die Linke und die Grünen hatten Infostände aufgebaut. Ein Mann aus Hannover, der aus Liebe nach Wittenberg gezogen war, zeigte sich enttäuscht von der geringen Teilnehmerzahl. Er erinnerte an die 1980er Jahre im Westen, als beim Kampf um die 35-Stunden-Woche Tausende die Plätze füllten. Eine ältere Dame merkte sarkastisch an, dass zu Ostzeiten der Markt immer voll war. Daraufhin erhielt sie die Antwort, dass die Menschen damals nicht freiwillig kamen, sondern im Zwangskorsett des SED-Staates.

Sorgen und Ängste der Teilnehmer

Die Beweggründe der Anwesenden waren vielfältig. Ganz oben stand die Angst vor einem neuen Krieg in Europa und die Fassungslosigkeit über das Wettrüsten. Ebenso groß war die Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und dem Absturz in die soziale Sicherung. Ein Teilnehmer wünschte sich mehr Protest, wie die französische Gelbwestenbewegung. Viele zeigten sich verunsichert über den Rechtsruck in der Gesellschaft.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Rede von Angelika Kelsch

In ihrer Rede vom Rathausportal griff Kelsch diese Sorgen auf. Unter dem bundesweiten Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ betonte sie: „Der Sozialstaat ist kein Hindernis für Wohlstand. Er ist eine seiner Grundlagen. Unsere soziale Marktwirtschaft funktioniert nur, wenn wirtschaftliche Stärke und soziale Sicherheit zusammen gedacht werden.“ Sie richtete sich direkt an die Teilnehmer: „Die Beschäftigten sind nicht das Problem, sie sind die Lösung! Ihr haltet den Laden am Laufen und sichert den Wohlstand des Landes. Wir Gewerkschaften stehen und kämpfen für jeden einzelnen Arbeitsplatz.“

Die Hoffnung auf dem Wittenberger Marktplatz war, dass die politisch Verantwortlichen im Sinne des Frühlings die Wirtschaft, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Frieden zum Blühen bringen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration