Nach dem Tod des Ajatollahs: Dreiergremium übernimmt Macht im Iran
Der iranische Oberste Führer Ali Chamenei ist tot. Der 86-jährige Ajatollah, der seit 1989 an der Spitze des Gottesstaates stand, wurde bei einem Luftschlag auf seinen Palast getötet. In den letzten Wochen hatte sein Regime zehntausende Iraner bei Protesten auf den Straßen töten lassen. Doch ein Machtvakuum soll es nicht geben – ein Dreiergremium wird das Land zunächst regieren.
Das komplizierte Regierungssystem des Iran
Der Iran ist keine Ein-Mann-Diktatur, sondern verfügt über ein komplexes Regierungssystem. Ein 88-köpfiger Expertenrat soll einen Nachfolger für Chamenei wählen. Bis zu dieser Entscheidung werden jedoch drei Männer die Amtsgeschäfte des Mullah-Regimes führen.
Die drei Männer an der Macht
Massud Peseschkian (71) ist Chirurg und Koranlehrer. Er gewann die Präsidentenwahl im Juli 2024 und galt zu diesem Zeitpunkt als vergleichsweise liberal – innerhalb der Grenzen des Gottesstaates. Peseschkian sprach sich unter anderem gegen besonders harte Strafen für Frauen ohne Kopftuch aus. Gleichzeitig forderte er jedoch die Auslöschung Israels, wie es die Staatsräson des iranischen Regimes vorschreibt, und lobte die iranischen Raketenangriffe von 2024 als „Stolz der iranischen Nation“.
Gholam-Hossein Mohseni-Edschai (69) ist seit 2021 oberster Richter des Iran. Er steht seit 2011 auf der Sanktionsliste der Europäischen Union, weil er für Folter und Erpressung falscher Geständnisse unter Druck von Hunderten Aktivisten, Journalisten, Dissidenten und Reformpolitikern verantwortlich gemacht wird. Mohseni-Edschai repräsentiert das grausame Gesicht der Justiz im Folterstaat Iran.
Alireza Arafi (67) vertritt in der neuen Dreiergruppe den Wächterrat, das zentrale Instrument der Machtausübung des obersten geistlichen Führers. Arafi gilt als loyaler Vertreter des Systems und als Hardliner. Er befehligte die Basidsch-Miliz, eine Abteilung der Revolutionsgarde.
Die mächtige Figur im Hintergrund
Ali Laridschani (67) gehört zwar nicht zum neuen Dreiergremium, doch ihm werden Ambitionen nachgesagt. Der frühere Parlamentspräsident und Verhandler über das Atomprogramm hatte zuletzt die Position des Sekretärs des Sicherheitsrates inne und vertrat wiederholt Ajatollah Chamenei nach außen. Laridschani gilt als Schlüsselfigur bei der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung vom Jahreswechsel 2025/2026. In vielen Analysen wurde er als möglicher Nachfolger Chameneis angesehen.
Die Toten des Regimes
Gleich am ersten Tag der Angriffe durch Israel und die USA wurde der brutale Diktator des Landes, Ober-Mullah Ali Chamenei, getötet. US-Präsident Donald Trump (79) hatte ihn einen „der bösartigsten Menschen der Geschichte“ genannt. Chamenei wurde 1989 Nachfolger von Ajatollah Chomeini und war als geistlicher Führer Oberbefehlshaber der Armee, bestimmte die Richtlinien der Außenpolitik und kontrollierte Religion und Medien.
Mit ihm wurden etwa 48 Top-Beamte des Systems getötet, darunter zwei mächtige Befehlshaber aus dem Militärapparat: der Kommandeur der Revolutionsgarden, Mohammad Pakpour (64), sowie Verteidigungsminister Amir Nasirzadeh (61). Israel meldete außerdem den Tod von Sayed Yahya Hamidi, dem Vize-Geheimdienstminister für Israel-Angelegenheiten, der für terroristische Aktivitäten gegen jüdische Ziele verantwortlich war.
Die Machtübergabe im Iran erfolgt in einer äußerst angespannten Situation. Das Dreiergremium muss nicht nur die täglichen Regierungsgeschäfte führen, sondern auch die Stabilität des Regimes in einer Zeit sicherstellen, in der wichtige Führungspersönlichkeiten eliminiert wurden und internationale Spannungen auf einem Höhepunkt sind.



