Britisches Oberhaus verabschiedet Gesetz zum Ausschluss von Erbadligen
Das britische Oberhaus hat in einer historischen Abstimmung ein Gesetz beschlossen, das die letzten verbliebenen Lords mit Erbtitel aus der zweiten Kammer des Parlaments verbannt. Berichten britischer Medien zufolge wird es bis zur als King's Speech bezeichneten Parlamentseröffnung in einigen Wochen keine »Hereditary Peers« mehr im House of Lords geben. Damit findet eine jahrhundertealte Tradition ihr Ende, die bereits 1999 durch den damaligen Premierminister Tony Blair reformiert wurde, als Hunderte Lords ihr Recht auf Mitwirkung an der Gesetzgebung verloren.
Ausnahmeregelung und Übergang zu neuen Mitgliedschaften
Dank einer Ausnahmeregelung konnten damals 92 Adlige ihre Plätze in der Kammer behalten – eine Regelung, die nun mit dem neuen Gesetz aufgehoben wird. Neben den »Hereditary Peers« sitzen im Oberhaus die sogenannten »Life Peers«, die geadelt sind, aber ihren Titel nicht vererben können, sowie maximal 26 Bischöfe. Die »Life Peers« werden auf Vorschlag des Premierministers vom König ernannt und umfassen oft ehemalige Unterhausabgeordnete oder Weggefährten scheidender Regierungschefs.
Medienberichten zufolge könnten einige der nun ausscheidenden Erbadligen zu »Life Peers« werden, da die Regierung angeboten hat, in diesem Jahr mehr Mitglieder als üblich zu ernennen. Oberhaus-Präsident Michael Forsyth dankte den scheidenden Adligen und betonte, dass sie trotz der verfassungsrechtlichen Veränderung erheblich zu Debatten und zur parlamentarischen Kontrolle beigetragen hätten.
Struktur und Demografie des Oberhauses
Das Oberhaus hat derzeit mehr als 800 Mitglieder, die im Durchschnitt 70 Jahre alt sind. Der älteste Lord, Anthony Martin Grosvenor Christopher, ist 100 Jahre alt. Diese demografische Zusammensetzung unterstreicht die historische Bedeutung der Kammer, die nun durch das neue Gesetz weiter modernisiert wird. Die Entscheidung markiert einen weiteren Schritt in der langjährigen Reform des britischen Parlamentssystems, das sich zunehmend von erblichen Privilegien löst und auf lebenslange Ernennungen setzt.



