Internationale Beratungen in Paris zur Sicherung der Straße von Hormus
In der französischen Hauptstadt Paris finden heute hochrangige Beratungen zwischen westlichen Partnern über eine mögliche Militärmission zur Sicherung der Straße von Hormus statt. Diese Konferenz, die von Frankreich und Großbritannien initiiert wurde, zielt darauf ab, einen multinationalen Plan für die Zeit nach dem Iran-Krieg zu erarbeiten. An den Gesprächen nehmen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer teil, während Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni vor Ort erwartet wird.
Deutsche Bedingungen für Bundeswehr-Einsatz
Für die Bundesregierung stellt eine Waffenruhe in der Region die wichtigste Voraussetzung für eine Beteiligung dar. Ein Einsatz während laufender Kampfhandlungen ist für Deutschland kategorisch ausgeschlossen. Bundeskanzler Merz will bei den Beratungen ein konkretes Angebot für die Bundeswehr unterbreiten: Nach einem Ende der Kämpfe und bei Erfüllung weiterer Bedingungen soll die Marine Minenjagdboote, ein Versorgungsschiff und Luftaufklärung bereitstellen.
Die Bundeswehr verfügt derzeit über acht Minenjagdboote und zwei Einsatzboote für Minentaucher, während für die Luftaufklärung zwei Seefernaufklärer vom Typ P-8 Poseidon zur Verfügung stehen. Die Steuerung des Aufklärungseinsatzes soll über eine Relaisstation in Dschibuti erfolgen. Der Einsatz von Fregatten kommt für Deutschland vorerst nicht infrage, da diese stark in einem NATO-Verband im Nordatlantik gebunden sind.
Komplexe Sicherheitslage in der Meerenge
Seit Beginn des Iran-Krieges ist die Sicherheit in der 55 Kilometer breiten Straße von Hormus nicht gewährleistet. Das US-Militär blockiert die Meerenge weiterhin für iranische Tanker und Handelsschiffe, während Irans Marine die Passage durch Drohungen und Beschuss faktisch unpassierbar gemacht hat. Experten gehen davon aus, dass der Iran vor etwa einem Monat mehrere Dutzend Minen südlich der iranischen Gewässer verteilt haben soll, obwohl Teheran einen solchen Einsatz nie bestätigt hat.
Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) sitzen seit Ende Februar mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Sicherheitsforscher Andreas Krieg vom Londoner King's College betonte, dass weder die Iraner noch die USA derzeit genau wissen, wo sich diese Minen befinden. Die britische Denkfabrik Royal United Services Institute (Rusi) verweist darauf, dass die Straße erst dann wieder als offen gelten wird, wenn Versicherer Schiffe zu wirtschaftlich tragfähigen Tarifen versichern.
Internationale Positionen und Herausforderungen
Britischer Premierminister Starmer erklärte: "Die bedingungslose und sofortige Wiederöffnung der Meerenge ist eine globale Verantwortung, und wir müssen handeln, um den weltweiten Energie- und Handelsfluss wieder frei in Gang zu bringen." Er betonte, dass eine internationale Mission ausschließlich defensiver Natur sein würde. Die Kriegsparteien USA, Israel und Iran nehmen nicht an den Pariser Beratungen teil.
US-Präsident Donald Trump hatte im Iran-Krieg zuletzt eine zweite Verhandlungsrunde mit Teheran in Aussicht gestellt, doch ob und wann es dazu kommt, bleibt offen. Die Konferenz erinnert im Grundsatz an die Beratungen der "Koalition der Willigen", die für den Ukraine-Krieg an Plänen für die Zeit nach den Kampfhandlungen arbeitet.
Versicherungssituation und wirtschaftliche Auswirkungen
Trotz des Krieges können Reedereien Schiffe weiter gegen Kriegsrisiken versichern, allerdings zu deutlich erhöhten Preisen. Raik Becker vom internationalen Versicherungsmakler Marsh Risk erklärte, dass sich die Preise für Kriegsrisiken-Versicherungen seit Kriegsausbruch vervielfacht haben und im Schnitt fünf- bis sechsmal so hoch wie zuvor sind. Reedereien müssen für eine versicherte Fahrt durch den Golf etwa drei bis sieben Prozent des Schiffswerts zahlen.
Seit Kriegsbeginn sind vergleichsweise wenige Reedereien bereit, die gefährliche Fahrt durch die Straße von Hormus zu riskieren. Deutsche Unternehmen ziehen es vor abzuwarten, wie der Verband Deutscher Reeder bestätigte: "Die Sicherheit unserer Crews steht über allem." Die Blockade der strategisch wichtigen Meerenge hat die Energiepreise weltweit in die Höhe getrieben und den globalen Handel erheblich beeinträchtigt.



