Paris berät über Militärmission zur Sicherung der Straße von Hormus nach Iran-Krieg
Paris berät über Militärmission für Straße von Hormus

Internationale Beratungen in Paris zur Sicherung der Straße von Hormus nach dem Iran-Krieg

In der französischen Hauptstadt Paris finden heute hochrangige Beratungen über eine mögliche Militärmission zur Sicherung der strategisch wichtigen Straße von Hormus statt. Die Konferenz, die von Frankreich und Großbritannien initiiert wurde, zielt darauf ab, einen multinationalen Plan für die Zeit nach dem Iran-Krieg zu erarbeiten. An den Gesprächen nehmen neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer teil. Zudem wird Italiens Ministerpräsidentin Giorga Meloni vor Ort erwartet, während über 40 weitere Partner aus Asien, Afrika und Lateinamerika per Videoschaltung zugeschaltet werden sollen.

Deutsche Bedingungen für eine Beteiligung der Bundeswehr

Für die Bundesregierung stellt eine Waffenruhe in der Region die entscheidende Voraussetzung für eine mögliche Beteiligung dar. Ein Einsatz während laufender Kampfhandlungen ist für Deutschland ausgeschlossen. Diese Position wird auch von den anderen westlichen Partnern geteilt, die betonen, dass es ausschließlich um die Zeit nach dem Konflikt geht. Bundeskanzler Merz will bei den Beratungen ein konkretes Angebot für den Einsatz der Bundeswehr machen. Demnach soll die Marine nach einem Ende der Kampfhandlungen und bei Erfüllung weiterer Bedingungen Minenjagdboote, ein Versorgungsschiff und Luftaufklärung bereitstellen.

Die Bundeswehr verfügt derzeit über acht Minenjagdboote und zwei Einsatzboote für Minentaucher, während für die Luftaufklärung zwei Seefernaufklärer vom Typ P-8 Poseidon zur Verfügung stehen. Die genauen Zahlen für den möglichen Einsatz will Merz jedoch erst am Freitag nennen. Über eine Relaisstation in Dschibuti soll der Aufklärungseinsatz gesteuert werden. Der Einsatz von Fregatten kommt für Deutschland vorerst nicht infrage, da diese stark in einem Nato-Verband im Nordatlantik gebunden sind.

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Komplexe Sicherheitslage in der strategischen Meerenge

Seit Beginn des Iran-Krieges ist die Sicherheit in der 55 Kilometer breiten Straße von Hormus nicht gewährleistet. Die iranische Marine hatte die Meerenge durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtschiffen faktisch unpassierbar gemacht, was zu einem starken Anstieg der Energiepreise führte. Aktuell blockiert das US-Militär die Straße weiterhin für iranische Tanker und Handelsschiffe. Experten gehen davon aus, dass der Iran vor etwa einem Monat mehrere Dutzend Minen südlich der iranischen Gewässer verteilt haben könnte, auch wenn Teheran einen solchen Einsatz nie bestätigt hat.

„Weder die Iraner noch die USA - und auch sonst niemand - wissen derzeit genau, wo sich diese Minen befinden“, erklärte Sicherheitsforscher Andreas Krieg vom Londoner King's College. Diese Einschätzung wird auch von US-Sicherheitskreisen geteilt. Der Iran verfügt schätzungsweise über bis zu 6.000 Minen verschiedener Bauarten, was eine Räumung derzeit äußerst schwierig macht. Nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) sitzen seit Ende Februar mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest.

Wirtschaftliche Auswirkungen und Versicherungsfragen

Die Blockade der Straße von Hormus übt starken wirtschaftlichen Druck auf den globalen Handel aus, da etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels durch diese Meerenge fließt. „Die bedingungslose und sofortige Wiederöffnung der Meerenge ist eine globale Verantwortung, und wir müssen handeln, um den weltweiten Energie- und Handelsfluss wieder frei in Gang zu bringen“, betonte Premierminister Starmer. Er versicherte zugleich, dass eine internationale Mission ausschließlich defensiven Charakter haben werde.

Versicherungstechnisch können Reedereien trotz des Krieges Schiffe weiter gegen Kriegsrisiken versichern, allerdings haben sich die Preise für diese Versicherungen seit Kriegsausbruch vervielfacht. „Eine Versicherung ist immer verfügbar. Am Ende ist es eine Frage des Preises“, erklärte Raik Becker vom internationalen Versicherungsmakler Marsh Risk. Reedereien müssten für eine versicherte Fahrt durch das Hochrisikogebiet nun etwa drei bis sieben Prozent des Schiffswerts zahlen, was fünf- bis sechsmal höher ist als vor dem Konflikt.

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Diplomatischer Kontext und weitere Entwicklungen

Die Kriegsparteien USA, Israel und Iran nehmen an den Pariser Beratungen nicht teil. Im Grundsatz erinnert die Konferenz an die Beratungen der „Koalition der Willigen“, die für den Ukraine-Krieg an Plänen für die Zeit nach den Kampfhandlungen arbeitet. US-Präsident Donald Trump hatte im Iran-Krieg zuletzt eine zweite Verhandlungsrunde mit Teheran in Aussicht gestellt, doch ob und wann es dazu kommt, bleibt offen.

Die britische Denkfabrik Royal United Services Institute (Rusi) weist darauf hin, dass die Straße von Hormus erst dann wieder als offen gelten wird, wenn Versicherer die Schiffe zu Tarifen versichern, die eine Passage wirtschaftlich tragfähig machen. „Er wird erst erreicht sein, wenn die Bedrohung nachweislich und dauerhaft reduziert ist“, schrieb die Denkfabrik Ende März. Bis dahin bleibt die Sicherheitslage in der strategisch wichtigen Meerenge weiterhin ungewiss und die internationale Gemeinschaft sucht nach Lösungen für die Zeit nach dem Konflikt.