Kolumbiens Präsident Petro entgeht laut eigenen Angaben knapp einem Attentat durch Drogenkartelle
Wer sich mit den mächtigen Drogenkartellen Mittel- und Südamerikas anlegt, lebt gefährlich – das gilt offenbar selbst auf höchster politischer Ebene. Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro ist nach eigenen Aussagen nur knapp einem geplanten Attentat entgangen. Bei einer live übertragenen Kabinettssitzung schilderte der linksgerichtete Staatschef am Dienstag dramatische Sicherheitsvorfälle, die sein Leben bedroht haben sollen.
Vierstündiger Irrflug über dem Meer zur Gefahrenabwehr
Petro berichtete, dass sein Hubschrauber wegen akuter Sicherheitsbedenken nicht wie geplant in der Region Córdoba an der kolumbianischen Karibikküste landen konnte. „Wir flogen vier Stunden lang umher, und ich landete an einem ungeplanten Ort, aber ich entkam so dem Tod“, erklärte der Präsident öffentlich. Sein Sicherheitsteam habe konkret befürchtet, dass auf den Hubschrauber geschossen werden könnte, weshalb die Maschine über dem Meer bleiben musste.
Psychoaktive Substanzen im Auto entdeckt
Zudem habe Petro einen Polizeigeneral abgesetzt, der laut seinen Angaben „eine seltsame Mission“ gehabt habe: Dem Präsidenten sollten psychoaktive Substanzen ins Auto gelegt werden. Aus Sicherheitsgründen werde Petro nun umziehen müssen, um zu verhindern, dass potenzielle Attentäter ihm zu nahekommen können. Der seit 2022 amtierende Präsident warnt seit Monaten vor bewaffneten Netzwerken mit Verbindungen zum Drogenhandel, die ein Attentat auf ihn planen würden.
Hintergrund: Gewaltspirale und politische Morde
Die Sicherheitslage in Kolumbien bleibt angespannt. Erst im vergangenen Jahr sorgte der Tod des Präsidentschaftskandidaten Miguel Uribe für Entsetzen. Der konservative Senator und Petro-Kritiker war bei einem Wahlkampfauftritt in Bogotá angeschossen worden und später seinen Verletzungen erlegen. Der kolumbianische Geheimdienst macht die Segunda Marquetalia verantwortlich, eine Splittergruppe der ehemaligen Farc-Guerilla.
Dieses Attentat löste in der Bevölkerung Befürchtungen aus, dass Kolumbien in eine Gewaltspirale wie in den 1980er und 1990er Jahren zurückfallen könnte. Damals gehörten bewaffnete Angriffe der Drogenkartelle und Morde an Politikern zum Alltag. Viele der einst ideologisch motivierten bewaffneten Gruppen haben sich heute zu profitablen Drogenkartellen gewandelt, die sich durch den lukrativen Kokainhandel finanzieren.
Kolumbien als größter Kokainproduzent der Welt
Kolumbien hält den traurigen Titel des größten Kokainproduzenten weltweit. 2023 verzeichnete das Land eine Rekordfläche von 253.000 Hektar mit Kokapflanzen. Die Regierung von Petro verfolgt einen Plan zur freiwilligen Vernichtung dieser Pflanzen durch die Bauern, der wirtschaftliche Anreize bieten soll. Doch der Kampf gegen die mächtigen Kartelle bleibt eine immense Herausforderung für die kolumbianische Führung.
Die jüngsten Enthüllungen des Präsidenten unterstreichen die prekäre Sicherheitssituation für Politiker, die sich den Drogenkartellen entgegenstellen. Petro muss nun nicht nur die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes bewältigen, sondern auch um sein eigenes Überleben fürchten.



