Raketenalarm im Präsidentenpalast: BILD-Reporter flüchtet mit Israels Staatschef in Bunker
Raketenalarm: BILD-Reporter flüchtet mit Israels Präsident in Bunker

Dramatische Minuten im Präsidentenpalast: Raketenalarm unterbricht Interview

Die Präsidentenresidenz in Jerusalem wirkt auf den ersten Blick wie eine Oase der Ruhe. Das altehrwürdige Gebäude, umgeben von Pinienbäumen an einer stillen Straße, wird von zahlreichen Sicherheitskräften bewacht. Doch der Schein trügt: In diesen Mauern spielt sich regelmäßig die bedrohliche Realität des israelischen Alltags ab.

Friedliches Gespräch wird jäh unterbrochen

Im offiziellen Empfangssaal der Residenz trifft BILD-Reporter Til Biermann Präsident Jitzchak Herzog zu einem Interview. Der 65-jährige Staatschef wirkt freundlich, aber sichtlich erschöpft von den Strapazen der letzten Tage. Gerade erst ist er von der Trauerfeier eines gefallenen drusischen Soldaten im Norden Israels zurückgekehrt.

Das Gespräch dreht sich um den anhaltenden Krieg, die Bedrohung durch den Iran und Israels hochentwickelte Raketenabwehrtechnologie, die Herzog selbst mit „Star Wars“ vergleicht. Als der Reporter gerade die heikle Frage stellt, was der Präsident von der Forderung des US-Präsidenten Donald Trump hält, den wegen Korruption angeklagten Premier Benjamin Netanjahu zu begnadigen, dringt der Krieg unmittelbar in den geschützten Raum der Residenz ein.

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Plötzlich schrillt der Alarm auf allen Handys

Mitten in der letzten Antwort des Präsidenten ertönt auf sämtlichen Mobiltelefonen im Raum der charakteristische Raketenalarm. Es handelt sich um die erste Stufe des israelischen Frühwarnsystems – ein Signal, dass eine ballistische Rakete aus dem Iran in die Region unterwegs ist.

Präsident Herzog wirft einen besorgten Blick auf sein Handy, um nähere Informationen von seinen Mitarbeitern zu erhalten. Fünf Minuten vergehen in angespannter Erwartung, bis neue Koordinaten und Berechnungen vorliegen, die zeigen, ob die unmittelbare Umgebung tatsächlich bedroht ist.

Dann bestätigt sich das Schlimmste: Von draußen dringt ein zweiter, lauterer Alarm herein, begleitet von einer Durchsage über Lautsprecher, die zur sofortigen Flucht in den Bunker auffordert. Die Gegend ist in Gefahr – nur noch etwa neunzig Sekunden bleiben zur Evakuierung.

Die tödliche Gefahr ist allgegenwärtig

Dieser Alarm ist besonders beunruhigend, denn erst wenige Tage zuvor hatte eine iranische Rakete in Beit Shemesh, einer Stadt zwischen Tel Aviv und Jerusalem, den israelischen Schutzschild durchbrochen. Der Gefechtskopf traf eine Synagoge und hinterließ nur noch einen riesigen Krater. Selbst Menschen, die sich im darunterliegenden Bunker in Sicherheit gebracht hatten, kamen durch die gewaltige Explosion ums Leben.

Dieses Wissen lastet schwer auf allen Anwesenden. „Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass die Rakete genau uns trifft, extrem gering ist – diese Gefahr ist tödlich“, erklärt der Reporter später. Das iranische Regime scheint in seinem Todeskampf möglichst viele Nachbarn mit in den Abgrund ziehen zu wollen.

Flucht in den bombensicheren Untergrund

Präsident Herzog führt die Gruppe ohne Zögern durch einen Seiteneingang in sein Arbeitszimmer und von dort weiter in einen speziell gesicherten Flur unter dem Palast. Auf der Treppe stößt seine Ehefrau Michal zu ihnen. Die 64-jährige First Lady berichtet im Schutzraum von ihrer Arbeit mit Menschen, die aufgrund des ständigen Raketenbeschusses an posttraumatischen Belastungsstörungen leiden.

Um sie herum stehen junge Soldaten mit angespannten Gesichtern – ein stummer Hinweis auf die permanente Bedrohungslage. Viele israelische Bürger müssen jede Nacht mehrmals in die Bunker flüchten, ein zermürbender Rhythmus, der das gesamte Land prägt.

Warten auf Entwarnung zwischen Bildern an der Bunkerwand

Während die Gruppe auf das Ende der Bedrohung wartet, zeigt sich Präsident Herzog herzlich und gesprächig. Er erzählt von seiner freundschaftlichen Beziehung zu seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier. An der mit Bildern behängten Bunkerwand entsteht sogar ein gemeinsames Foto mit dem BILD-Reporter.

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Glücklicherweise kann die ballistische Rakete aus dem Iran diesmal vom israelischen „Arrow 3“-System abgefangen werden – jenem Abwehrsystem, das der Präsident im Interview zuvor mit „Star Wars“ verglichen hatte. Nach etwa zehn Minuten, der Zeit, die benötigt wird, bis eventuelle Trümmerteile gefahrlos zur Erde gesegelt sind, kann die Gruppe den Bunker wieder verlassen.

Doch die Erleichterung ist nur von kurzer Dauer. In Israel weiß man: Der nächste Alarm könnte jederzeit wieder ertönen. Der Krieg ist nie wirklich weit weg – selbst nicht in der scheinbar geschützten Atmosphäre der Präsidentenresidenz.